Während sich viele Unternehmen im Gewächshausanbau für eine Spezialisierung entscheiden, beschloss Tomato Masters, einen anderen Kurs einzuschlagen. Das ursprünglich auf Tomaten spezialisierte Unternehmen aus Deinze, Teil der Tomeco-Kooperation, erweiterte sein Sortiment 2023 um Paprika. Seit kurzem werden die Paprika von VLAM zusammen mit dem gesamten belgischen Gemüsesortiment besonders als Exportprodukt hervorgehoben.
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Die Entscheidung von Tomato Masters beruhte nicht auf direkten Marktambitionen, sondern vor allem auf den zunehmenden Risiken im Tomatenanbau. "Wir sind tatsächlich ursprünglich auf Tomaten spezialisiert, wie der Name schon vermuten lässt", lacht Tom Vlaemynck, Vertreter der dritten Generation des Unternehmens aus Deinze. "Im Jahr 2023 beschlossen wir jedoch, aufgrund des Virusdrucks bei Tomaten mit Paprika zu experimentieren. Anstatt vollständig auf resistente Sorten umzustellen, haben wir uns bewusst für eine Risikostreuung durch den Anbau verschiedener Kulturen entschieden. Zunächst umfasste das drei Kulturen: Tomaten, Gurken und Paprika. Später sind die Gurken weggefallen, aber die Paprika sind geblieben."
Diese Strategie wurde in den folgenden Jahren teilweise angepasst, aber der Paprikaanbau blieb bestehen. "Das hängt vor allem damit zusammen, wie gut sich der Paprikaanbau in der Praxis in den Betrieb einfügte. Er ist eine schöne Ergänzung zur Arbeit und sorgt für zusätzliche Risikostreuung. In Absprache mit der Genossenschaft Hoogstraten, über die wir unsere Produkte vermarkten, haben wir beschlossen, damit fortzufahren. Solange es gut läuft, behalten wir das bei."
Dabei wurde bewusst beschlossen, den Fokus auf rote und gelbe Paprika zu legen. "Rot und Gelb bilden die Basis, da dort die meisten Absatzmöglichkeiten liegen. Orange haben wir dann hinzugefügt, weil ein anderer Erzeuger damit aufgehört hat und es in unseren Anbauplan passte. Das haben wir eigentlich eins zu eins übernommen. Grün bauen wir jedoch nicht an, da dies aus anbautechnischer Sicht nicht zu unserem Ansatz passt." Der Betrieb baut derzeit etwa drei Hektar rote Paprika, drei Hektar gelbe, 2,4 Hektar orangefarbene sowie eine kleinere Fläche mit Peperoni an. Zum Vergleich: Der Tomatenanbau umfasst etwa 12,5 Hektar.
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Exportpotenzial in Richtung Frankreich und Spanien
Dass es Absatzmöglichkeiten gibt, zeigen auch die Exportzahlen von VLAM. Ursprünglich sind Deutschland und insbesondere Frankreich wichtige Exportmärkte für belgische Paprika. Während der Export nach Deutschland in den letzten Jahren stabil bei rund 5000 Tonnen blieb, was einem Wert von 10 Millionen Euro entspricht, verzeichnet Frankreich in den vergangenen Jahren einen auffälligen Anstieg. Das Exportvolumen hat sich im Vergleich zu 2016 mit rund 15.000 Tonnen im Wert von 24 Millionen Euro fast verdoppelt. Das entspricht fast 10 Prozent des Gesamtwerts der nach Frankreich exportierten Gemüse.
Auffällig ist zudem ein in den zurückliegenden Jahren neu entstandener Markt in Spanien. Während der Export belgischer Paprika vor zehn Jahren noch vernachlässigbar war, hat er sich in den letzten drei Jahren im Vergleich zu 2016 verzehnfacht. Die Mengen sind noch nicht mit denen nach Frankreich vergleichbar, aber mit gut 1.500 Tonnen im Wert von fast drei Millionen Euro ist ein deutliches Wachstum zu beobachten.
Markt unter Druck, aber Perspektive bleibt
Dennoch gibt es durchaus Herausforderungen auf dem Paprikamarkt. Der Markt ist laut Tom nämlich dynamisch und manchmal unberechenbar. "Voriges Jahr war zum Beispiel kein gutes preisliches Jahr, und auch jetzt ist es zu Beginn der neuen Saison noch schwach. Es gibt ein großes Angebot, unter anderem aus Spanien. Dann sieht man, dass der Preis unter Druck gerät."
Dennoch erwartet er, dass sich dieses Bild umkehren kann. "Spanien fällt gegen Ende Mai weg und alle erleben dann einen Produktionsrückgang. Dann kann sich der Markt schnell erholen. Das sieht man öfter. Wenn sich Angebot und Nachfrage verschieben, kann sich das Blatt schnell wenden."
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Langfristig bleibt er daher optimistisch, was die Position belgischer Paprika angeht. "Die Nachfrage wächst, während die Anbaufläche in Belgien eher zurückgeht. Die Entscheidung, mit Paprika zu beginnen, wurde damals auch in Absprache mit der Genossenschaft getroffen, die aktiv nach zusätzlicher Produktion suchte. Es gibt also durchaus Chancen. Kunden fragen auch ausdrücklich nach belgischen Produkten."
Anbautechnische Herausforderungen
Anbautechnisch erwies sich der Umstieg auf Paprika in der Praxis übrigens auch nicht als einfache Kopie des Tomatenanbaus. "Die größte Herausforderung liegt in der biologischen Schädlingsbekämpfung. Während Tomatenerzeuger relativ wenige Probleme beispielsweise mit Blattläusen haben, ist das bei Paprika wesentlich schwieriger in den Griff zu bekommen. Zudem stehen nur wenige wirksame Bekämpfungsmittel zur Verfügung, weshalb ein guter präventiver Ansatz unerlässlich ist. In der Praxis hat das bereits zu Qualitätsverlusten bei einem Teil der Produktion geführt, aber wir lernen jedes Jahr mehr und mehr."
Gleichzeitig gibt es aber auch Vorteile. "Die Klimasteuerung ist weniger intensiv. Bei Tomaten muss man fast täglich nachsteuern, bei Paprika viel seltener. Dem steht jedoch gegenüber, dass Fehler erst später sichtbar werden und schwieriger zu korrigieren sind. Wenn eine Paprikapflanze stagniert, dauert es lange, bis sie sich erholt. Andererseits ist Paprika etwas nachsichtiger als Tomaten, aber man muss anders arbeiten. Später mit dem Gießen beginnen und länger mit geringeren Mengen fortfahren – das war für uns wirklich ein Lernprozess."
Dennoch sieht Tom Vorteile durch den kombinierten Anbau. "In Bezug auf Arbeit und Organisation bringt Paprika andere Herausforderungen mit sich. Der Anbau weist deutliche Erntehochs und -tiefs auf, was die Personalplanung komplexer macht. Bei Tomaten verteilt sich der Arbeitsaufwand gleichmäßiger über die Saison. Der Vorteil eines kombinierten Betriebs wie dem unseren ist, dass Personal zwischen den Kulturen verschoben werden kann."
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Erweiterung um Chilischoten
Mittlerweile blickt das Unternehmen bereits über Standardpaprika hinaus. "Es wurde nämlich auch ein nächster Schritt unternommen, nämlich der Start des Anbaus von Chilischoten. Damit soll geprüft werden, ob es im Segment der Paprika und verwandter Kulturen Raum für weitere Nischenprodukte gibt. Diese Entwicklung passt zur übergeordneten Strategie, sich nicht nur bei Tomaten, sondern auch bei anderen Kulturen von der Masse abzuheben. In der kommenden Zeit werden wir herausarbeiten, welche Schritte wir in dieser Richtung unternehmen können."
"Der Absatz von Paprika erfolgt über die Coöperatie Hoogstraten", erklärt er. "Im Gegensatz zu einigen anderen Produkten sind Paprika kein Teil der Tomeco-Geschichte. Das liegt vor allem daran, dass anfangs nicht sicher war, ob der Anbau dauerhaft bleiben würde. Mit der Einführung von Peperoni wird nun gemeinsam mit Tomeco untersucht, welche Marktchancen bestehen. Diese Zusammenarbeit befindet sich noch in einer Erkundungsphase, in der mögliche Differenzierungen und neue Absatzkanäle geprüft werden."
Diversifizierung als Zukunftsstrategie
Rückblickend ist Tom mit den getroffenen Entscheidungen zufrieden. "Als wir mit drei Kulturen gleichzeitig begannen, hielten uns alle für verrückt. Und irgendwie stimmt das auch, denn es birgt Risiken. Aber für uns hat es sich gut ausgezahlt. Die ersten Jahre haben dabei geholfen. Wir hatten auch Glück, dass die ersten Jahre gut waren, sowohl für Gurken als auch für Paprika. Wäre das anders gewesen, würde man das vielleicht anders sehen."
Für die Zukunft bleibt Diversifizierung eine bewusste Strategie. "Sie sorgt für Flexibilität und Risikostreuung. Es ist komplexer, aber es sorgt auch dafür, dass man weniger von einer einzigen Kultur abhängig ist. Und in dieser Branche ist das kein überflüssiger Luxus."
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Weitere Informationen:
Tom Vlaemynck
Tomato Masters
Stokstormestraat 14a
9800 Deinze, Belgien
[email protected]
www.tomatomasters.be
Nele Van Avermaet
VLAM
Tel: +32 2 552 80 32
[email protected]
www.vlam.be