Trends am Speiseziebel(welt)markt:

Mehr rot, mehr Bio

Zwiebeln sind in vielen Ländern der Welt ein fester – wenn auch unterschiedlich großer – Bestandteil der Ernährung. Auch in Deutschland wird ein Wachstum verzeichnet. Neben dem Pflanzenschutz wurde auch die Markt-Seite der Speisezwiebel beim Zwiebelforum 2020 genauer beleuchtet. Von Trends in Deutschland, über den niederländischen Export, Entwicklungen in Südamerika und neue Lagertechnik, für jeden war etwas dabei.

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Den Anfang machte Sonja Illert von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI): "Oftmals hört man, das Tomatensortiment sei zu groß. Bei Zwiebeln ist es meist sogar noch größer." An jedem Lebensmittel-POS gebe es Zwiebeln, oft unterteilt in spezielle Sorten, Marken und Verpackungen. Zusätzlich wachse die Beliebtheit von Bundzwiebeln.

Was rote Zwiebeln angeht, so sei der Anteil im Anbau noch recht klein. Generell gebe es nur wenige Daten über die Unterteilung verschiedener Sorten auf globaler Ebene. "Die Niederlande und Großbritannien sind führend bei der Anbaufläche für rote Zwiebeln, aber auch in Deutschland tut sich viel. Inzwischen gibt es eine Fläche von 820ha (Stand 2019), was ungefähr 7,4% der Gesamtfläche ausmacht", so Illert.

Angesichts der steigenden Nachfrage nach roten Sorten sei das Angebot knapp und die Preise hoch. Der Exportstopp aus Indien spiele hier mit in die Karten, öffne jedoch Märkte für die Niederlande in Asien. "Auch weiterhin erwarten wir knappe Mengen an roten Zwiebeln. Der wichtigste Übersee-Partner für Deutschland ist Neuseeland, wo in dieser Saison keine maßgebliche Flächenerweiterung gemeldet wurde." Ein erschwerender Faktor war die Umstellung auf ausschließlich rote Zwiebeln in Bioqualität beim Discounterriesen Aldi Süd: "Das kam eher überraschend und in Deutschland sind sowieso nicht viele rote Biozwiebeln verfügbar. Die Preise gingen nach oben und die Verfügbarkeit war gering – letztendlich wurde der Bedarf mit Ware aus den Niederlanden gedeckt."

Illerts Präsentation regte eine Anzahl von Diskussionen zu verschiedenen Themen an. Einige Teilnehmer fragten sich, ob die Langzeitlagerung oder der Import im Falle der Zwiebeln umweltfreundlicher sei. Die Berechnung dieser Werte sei schwierig und der Verbraucher verunsichert: "Es muss besser kommuniziert werden, dass regional nicht immer besser ist. Die Verbraucher wissen nicht, wessen Informationen sie glauben können", heißt es aus dem Publikum. Zudem spürte man Unmut über Preisspekulationen; Einerseits im Importbereich aber auch bei deutschen Vermarktern und Verarbeitern.

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Daniel Rogério Schmitt (Governo do Estado de Santa Catarine) gab den Teilnehmern einen Einblick in die Zwiebelbranche in Südamerika und speziell Brasilien. Brasilien sei ein großes Produktionsland, mische aber am Markt nicht mit bisher: "Die angebauten Mengen reichen nicht aus um den inländischen Markt zu versorgen, so werden noch immer große Mengen, vor allem aus den Niederlanden, importiert." Hier nutzt man die Rückfracht zum eigenen Vorteil: Obst wird aus Brasilien nach Holland exportiert und auf dem Rückweg Zwiebeln nach Brasilien gebracht. Das ist kostengünstiger und effizienter: "Es ist günstiger einen Container Zwiebeln nach Brasilien zu schicken als nach Paris."


Daniel Rogério Schmitt und Hans-Christoph Behr

Der technische Fortschritt sorge für immer größere Erträge bei sinkender Fläche, die Lagerkapazitäten lassen aber noch zu wünschen übrig. "Das ist der springende Punkt – gerade bei unserem Feuchtwarmen Klima bedarf es hier noch an Investitionen."

Gijsbrecht Gunter von der Holland Onion Association sprach über den Einfluss der Niederlande auf den Zwiebelweltmarkt – und einen Anti-Globalisierungs-Trend. "Die Politik kann den Zwiebelhandel behindern, auch wenn dieses Produkt selten etwas mit den Differenzen der Länder zu tun hat."

Zwiebeln seien das am meist konsumierte Gemüse weltweit und gleichzeitig gebe es eine nur kleine Fläche, auf denen ganzjährig Zwiebeln angebaut werden können. "Mit der steigenden Weltbevölkerung und Beliebtheit der Zwiebel erwarten wir ein Wachstum beim Konsum um 60% bis 2050." Die 95% der niederländischen Produktion, die für den Export bestimmt ist, könne so also helfen, die Weltbevölkerung zu ernähren. Gunter stellte verschiedene Exportdestinationen für die Ware und deren jeweilige Vorgaben für die Zwiebeln vor um die Möglichkeiten und Probleme im Handel weiter zu verdeutlichen.

Eine gute Lagertechnik ist ausschlaggebend für die Qualität der Zwiebeln am Markt. Henk Tebben von Engie Refrigeration stellte dafür die Kondenstechnik des Unternehmens vor, und stieß auf großes Interesse bei den Teilnehmern. Die Kondenstechnik ermöglicht die Trocknung und Lagerung ohne Abhängigkeit von Außenluft – was die Lösung besonders energieeffizient macht. Das ermögliche den Umgang mit den wichtigsten Trends für die Zwiebel- aber auch die Gemüsebranche im Allgemeinen: höhere Qualitätsanforderungen, unvorhersehbareres Wetter und die Nachhaltigkeit. "Die Trocknung nutzt die Energie der Zwiebel und die Anlage so fast Energieneutral."

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Für weitere Informationen:

Sonja Illert
Marktexpertin Gartenbau
Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH
Tel: (0228) 33805-255

Daniel Rogério Schmitt
Governo do Estado de Santa Catarine
www.sc.gov.br

Gijsbrecht Gunter
Holland Onion Association
Louis Pasteurlaan 6
2719 EE Zoetermeer
Tel: +31 79 368 11 00
Web: www.holland-onions.org 
Mail: info@holland-onions.org

Henk Tebben
ENGIE Refrigeration
Josephine-Hirner-Straße 1 & 3
D-88131 Lindau
Tel: 49 (0)8382 706-0
Web: www.engie-refrigeration.de
Mail: refrigeration@de.engie.com 


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