Georg Kolmhofer, Sesur Export, zum spanischen Kartoffelanbau:

"Es wird zunehmend schwierig, spanische Landwirte zu motivieren, Kartoffeln anzubauen"

Aufgrund des kalten und trockenen Frühjahrs und anschließenden permanenten Regenfällen während der Rodung im Mittelmeerraum blickt die südspanische Kartoffelwirtschaft auf ein schwieriges Anbaujahr zurück. Doch die Wetterextreme seien nicht die einzige Herausforderung, mit der die spanische Kartoffelbranche aus mittelfristiger Perspektive zu kämpfen hat, betont Georg Kolmhofer. Der gebürtige Österreicher lebt und arbeitet bereits seit über zwei Jahrzehnten im südspanischen Andalusien und warnt vor weiterem Verlust der Marktanteile im Exportgeschehen.

"Der Ertrag im Raum Sevilla war dieses Jahr definitiv unterdurchschnittlich", fasst Kolmhofer die zurückliegenden Kampagne zusammen. "Durch das trockene und kalte Frühjahr war der Knollenansatz geringer. Hinzu kommt. dass viele Landwirte aufgrund der hohen Düngerkosten auch vermehrt auf hohe Dosierungen verzichtet haben, was sich ebenfalls negativ auf die Netto-Erträge ausgewirkt hat. In Murcia und Cartagena - dem Hauptanbaugebiet für den Inlandsmarkt - hat es währenddessen zuviel Niederschlag und Dauerregen gegeben. Die LEH-Einkäufer haben infolgedessen auf Sevilla gewechselt, wo es ab März zwar nicht viel, aber für die Kartoffeln ausreichend geregnet hat. Somit konnten wir am Inlandsmarkt einen guten Absatz erzielen."


Georg Kolmhofer beim diesjährigen Weuthen Kartoffeltag

'Unrealistische' Qualitätsvorgaben und aktuelle Kostensteigerungen
Sowohl am spanischen Inlandsmarkt als auch am deutschen Exportmarkt seien die Qualitätsanforderungen in Sachen Speisekartoffeln beachtlich, schildert Kolmhofer. "Der Zertifizierungsdruck, den es in Deutschland bereits seit Jahren gibt, ist in Spanien zwar nicht als solches zu beobachten, dafür sind die optischen Ansprüche an der Kartoffel mittlerweile sehr herausfordernd. Wir kommen allmählich zu einem Punkt, wo die Anforderungsprofile nahezu unrealistisch sind. Das ist aber kein spanisches Problem, sondern ein europäisches Problem. Die für den LEH ungeeignete Ware anderweitig zu verwerten, ist in der Praxis leider auch nicht so einfach."

Aufgrund von Inflation und Kostensteigerungen habe der Druck auf den spanischen Kartoffelerzeugern in diesem Jahr nur noch zugenommen, fährt Kolmhofer fort. "Meines Erachtens ist die spanische Kartoffel das erste Massenprodukt welches mit den vollen Kostensteigerungen in der Produktion konfrontiert wurde. Sämtliche Kosten, ob Betriebsmittel, Dünger, Transport oder Lohnkosten, haben sich extremst verteuert. Im Hinblick auf die Liquiditätsproblematik bei vielen Bevölkerungsgruppen und damit den Verbrauchern können diese Steigerungen gerade bei einem Grundnahrungsmittel wie der Kartoffel nicht zu 100 Prozent weitergegeben werden. Das hat sich wiederum gewaltig auf die Margen ausgewirkt."

Verlust von Marktanteilen an Israel und Ägypten
Das Gros des spanischen Kartoffelexportvolumens wird bereits seit vielen Jahren nach Deutschland verladen. In den zurückliegenden Jahren wurden die dortigen Einkaufsstrukturen einem grundlegenden Wandel unterzogen, schildert Kolmhofer. "Jede LEH-Kette versucht, sich irgendwie im Einkauf zu involvieren, was bei einer kleinstrukturierten Landwirtschaft und Beschaffungsstruktur wie in Südspanien schwer durchzuführen ist. Darüber hinaus wird im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Regionalität so lange wie möglich alterntige Ware aus heimischem Anbau angeboten. Das ist zwar eine legitime Zielstrebung, dennoch für die spanischen Frühkartoffeln katastrophal, weil wir kaum Lagerkapazitäten vor Ort haben und spanische Frühkartoffeln für einen raschen Verzehr bestimmt sind."

Währenddessen haben andere Länder großzügig in den Kartoffelanbau investiert und ihre Stellung im Exportgeschehen schrittweise ausgebaut. "Ägyptische Frühkartoffeln haben durch die optimale Logistik nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen wichtigen Märkten rasch an Bedeutung gewonnen. Gleiches gilt für Israel, einen hochprofessionellen Markt mit exzellenten Qualitäten. Allerdings muss man sich die Frage stellen, warum diese Herkünfte einer europäischen Produktion vorgezogen werden", plädiert Kolmhofer.

Parallel zum harten Wettbewerb im Kartoffelexport beobachtet Kolmhofer einen weiteren Trend, der sich ebenfalls auf den spanischen Kartoffelanbau auswirke: "Vorgefertigte Industrieprodukte sind gewaltig auf dem Vormarsch zulasten des klassischen Speisekartoffelkonsums. Das heißt, die benötigte Menge wird kleiner, während der Wettbewerbsdruck im hart umkämpften Markt zunimmt. Dementsprechend wird es zunehmend schwierig, spanische Landwirte zu motivieren, Speisekartoffeln anzubauen." 

Stetiger Austausch mit namhaften Züchtern
Geboren und aufgewachsen in Österreich zog Georg Kolmhofer vor gut 20 Jahren in den Süden. Er arbeitete unter anderem bei einem Kartoffelhandelsunternehmen am Großmarkt Sevilla, wonach er vor zwölf Jahren zusammen mit einem Geschäftspartner das Unternehmen Sesur gründete. Als Hauptgesellschafter und Geschäftsführer hat er den Betrieb zu einem international anerkannten Partner entwickeln können. "Während der Saison können wir den Bedarf bis zu etwa 90 Prozent mit Frühkartoffeln aus der Eigenproduktion abdecken. Darüber hinaus bieten wir mit unseren Sortenversuchen einen Service für Züchter aus ganz Europa um deren neue Sorten und Stämme für deren Eignung im Mittelmeerraum zu testen."

Durch das in Europa sehr spezielle Klima in Andalusien haben die jeweiligen Züchtungsunternehmen durch die Partnerschaft mit Sesur die Möglichkeit, deren Sorten unter teilweise extremen Temperaturen bis zu 45 Grad im Versuchsanbau zu testen. Kolmhofer: "Wir sehen uns als Servicedienstleister des internationalen Kartoffelsektors. Im letzten Jahrzeht konnten bereits viele neuen Sorten definiert werden, welche sowohl gegen Hitze- und Wasserstress als auch gegen Krankheitsdruck resistent sind. Somit konnten die Züchter wertvolle Daten für die Weiterentwicklung von starken und nachhaltigen Sorten gewinnen."

Weitere Informationen:
Georg Kolmhofer
Sesur
+34 647625788
sesur@sesur.net  
http://sesur.net/  


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