Niederländische Zwiebelexporteure sehen viele Chancen in dieser Saison

Der niederländische Zwiebelsektor macht sich mal wieder für eine neue Saison bereit. "Jetzt gerade gibt es etwas weniger Nachfrage als in den vergangenen Jahren. Die ganze Welt scheint sich von letztem Jahr zu erholen, als viele Leute ihr Geld an Zwiebeln verloren haben. Das verletzt das Vertrauen ein wenig. Daher ist die Nachfrage etwas geringer als in den vergangenen Jahren," sagt Lindert Moerdijk von MSP Uienhandel.

Aber der Zwiebelexporteur aus Zeeland bleibt optimistisch. "Ich sehe das immer positiv. Ich erwarte in diesem Jahr genügend Exportmöglichkeiten. Erstmal wird es spannend zu sehen wie es bis Ende September, Anfang Oktober läuft mit den Zwiebeln vom Feld. Der Regen ist manchmal sehr stark und im November werden wir erfahren, inwiefern das die Qualität der Saatzwiebeln beeinflusst hat."

"In jedem Fall haben wir eine tolle Mischung aus großen und kleinen Zwiebeln und wir werden beides brauchen. Verfügbarkeit wird nicht das Problem sein. Natürlich wird es Nachfrage geben aber aktuell ist es unproportional verteilt." Lindert erwartet nicht, dass die Zwiebelproduktion in der Gegend zu schnell anwächst. "Auf lange Sicht erwarte ich sogar, dass die Anbaufläche zu klein werden wird. Im Moment sagen wir alle mal die Produktion sei zu groß aber es gibt regelmäßig Probleme ausreichend gute Qualität zu liefern. Das das im letzten Jahr kein Problem war ist schade. Aber es wird nicht jedes Jahr derartig viele Zwiebeln auf der Welt geben und wahrscheinlich auch nicht besonders oft."

Laut dem Packer kann das Qualitätsproblem auch erklärt werden. "Alle Zwiebelpacker wachsen von Schuppen zu Schuppen. Für den Prozess ist das nicht effizient. Jeder möchte die Produkte über die Straßen transportieren aber sie alle bauen provinzielle Straßen über die sie dann mit 120 km/h fahren. Das kann nicht gut für das Produkt sein. Außerdem ist die Art wie Qualität sortiert wird in den letzten 30 Jahren nicht verändert worden."

MSP investiert in eine Lösung mit einer revolutionären Zwiebelfabrik, welche nächstes Jahr fertig gestellt werden soll. "Ein Projekt, dessen Ziel es ist dem Sektor zu helfen- Während des Designprozesses haben wir uns genau angeschaut wie die Architektur und der Produktionsprozess vereint werden können. Bisher sind wir immer noch hauptsächlich auf Exportmärkten aktiv aber ich erwarte, dass dieser Prozess auch für den Einzelhandel interessant werden könnte. Bei unserem Ansatz für Nachhaltigkeit, Effizienz, Lebensmittelsicherheit, vorsichtige Abwicklung und Qualität wird uns kein Supermarkt ignorieren können," sagt Lindert.

Laut Lindert wird die Konkurrenz im nächsten Jahr ebenfalls aus den Niederlanden kommen. "Wenn wir das einzige wettbewerbsfähige Land auf einem Markt wie beispielsweise Brasilien sind, dann konkurriert man dort. Jeder möchte seine Position behalten oder stärken. Und ob sich das jemals ändern wird? Der Zwiebelhandel ist ein recht freier Markt und deshalb macht er auch so Spaß."

Piet van Liere:
“Immer weniger Cowboys im Zwiebelhandel”
Piet van Liere von FlevoTrade Dronten sieht ebenfalls viele Möglichkeiten. "Ich glaube alle sind recht pessimistisch, das bin ich nicht. Meiner Meinung nach gibt es ausreichend Exportmöglichkeiten auf der Welt. Wir können Zwiebeln nach Afrika, Südeuropa, Osteuropa, Brasilien und Fernost versenden. Es sieht gar nicht schlecht aus beim Export. Ich sagen nicht, dass die Zwiebeln teuer sein werden aber es wird viele globale Chancen geben."

"Wir sehen große Unterschiede bei der Ernte. In Europa kann man an manchen Stellen die Folgen des Wetters sehen und die Erträge sind nirgendwo toll. In den Niederlanden haben wir top Ernten mancherorts und andere Grundstücke haben mittelmäßige Erträge. Die Qualität der Zwiebeln die bisher geerntet wurden war super, schöne Farbe und Qualität aber jetzt - Mitte September - müssen noch 50-65% geerntet werden. Das ist nicht zu unterschätzen. Wenn das Wetter gut bleibt ist das in Ordnung aber wenn es weiter regnet könnte es problematisch werden. Außerdem macht sich Fusarium an manchen Stellen bemerkbar, aber das ist eindeutig in den Feldern zu erkennen und man muss vorsichtig beim Einkauf sein. In jedem Fall gibt es eine gute Verteilung der Ernte und die Angebote für die Erzeuger liegen ebenso bei einem fairen, annehmbaren Preis."

Obwohl die Bio-Anbaufläche in der Polderlandschaft wächst ist FlevoTrade nur minimal daran beteiligt. "Die Fläche wird größer aber bisher ist sie noch nicht in der Überzahl. Zusätzlich haben wir gesehen, dass Abnehmerländer auch selbst in den Anbau von Bio-Zwiebeln investieren."

Das insgesamte Wachstum der niederländischen Zwiebelfläche wird sich vermutlich fortsetzen, meint der Exporteur. "Das meiste Wachstum kann neben den traditionellen Anbaugegenden erwartet werden. Die Anbaufläche wächst schon seit über zehn Jahren und wir müssen uns so langsam überlegen ob wir all diese Zwiebeln weiterhin in den Niederlanden anbauen können. Wenn es genug Zwiebeln nah an der Heimat gibt, muss man nicht importieren. Aber besonders in den Grenzregionen ist es ein Leichtes den Schritt zu den Nachbarländern zu gehen."

In Flevoland warten die Menschen schon ungeduldig auf die Umsetzung des FlevoKust Hafens in Lelystad. "Der Hafen soll am 01. Januar fertig werden. Das wird gut für uns sein, da es dem Zwiebelsektor im Zentrum der Niederlande eine kompetitivere Position verschafft," sagt Van Liere.

Er berichtet weiter, die Zwiebelwelt bewege sich mehr und mehr in Richtung von permanenten Beziehungen zwischen Erzeugern, Exporteuren und Käufern. "Wir arbeiten mit dem Prinzip von einem Kunden pro Markt und wir bilden eine Versorgungskette mit dem Kunden. Partnerschaft ist das magische Wort und wir arbeiten gemeinsam an dieser Kette und stellen sicher, dass jeder ein Profit machen kann. Es gibt immer weniger Cowboys in der Welt der Zwiebeln."

Jan Franje:
“Es gibt einen Plan für optische Sortierung aber er wird noch nicht genutzt”
Laut Jan Franje von Franje Onions, war die Stimmung auf dem Zwiebelmarkt negativ, dank des Regens wurde sie aber wieder belebt. "Es müssen noch so einige Zwiebeln geerntet werden, daher ist es schwierig jetzt schon Aussagen zu treffen. Die Qualität des Produktes ist gut und wir werden weiterhin gewissenhaft arbeiten. Alle Ziele arbeiten auch sehr gut mit. Logistisch gesehen sind wir in einer optimalen Position aber in den Niederlanden sind wir oft unsere eigenen Konkurrenten. Wir brauchen alle Exportziele und seit dem russischen Embargo ist die zweite Hälfte der Saison, ab Januar, immer etwas schwerer geworden. Im Senegal wurde ebenso begonnen mit Lizenzen zu arbeiten, was es nicht leichter macht."

In den vergangenen Jahren ist die niederländische Anbaufläche in einer geraden Linie gewachsen. "Ich kann nicht vorhersagen ob sich diese Linie so weiter entwickelt. Wenn es schwieriger wird sollte die Fläche ebenso zurück gehen. Aber unsere Vorfahren hätten niemals gedacht, dass wir auf über eine Millionen Tonnen Zwiebeln kommen würden. In den letzten Jahren haben wir auch eine große Anbaufläche in Belgien, mit neuerem Boden, geschaffen. Also warum sollte der Trend sich nicht fortsetzen?"

"Der Handel mit Bio-Zwiebeln ist im Moment sehr ruhig aber das ist normal für diese Jahreszeit. Die permanenten Verbindungen bleiben wie immer bestehen aber es gibt kaum zusätzlichen Druck. In dieser Zeit hat jedes Land die eigenen Bio-Zwiebeln. Außerdem ist die Fläche für Bio-Zwiebeln in ganz Europa gewachsen."

Die Entwicklung von optischer Sortierung wird von den Brüdern Franje aufmerksam verfolgt. "Wir haben auch schon einen Plan bereit gehalten aber werden ihn noch nicht einsetzen. Natürlich ist es eine enorme Investition und es würde viel Platz einnehmen in unserer Anlage. Bisher ist es noch keine Notwendigkeit und die tolle Qualität in diesem Jahr lässt es noch weniger dringlich wirken."


Weitere Informationen:
MSP Uienhandel
Lindert Moerdijk

FlevoTrade Dronten
Piet van Liere

Franje Onions
Jan Franje

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