Nach den aktuellen BLE-Daten im Fünfjahresdurchschnitt 2020/21 bis 2024/25 liegt der Selbstversorgungsgrad bei Äpfeln nur noch bei 48,7 Prozent und bei Erdbeeren bei lediglich 40,6 Prozent. Damit stammt inzwischen mehr als jede zweite in Deutschland konsumierte Erdbeere und jeder zweite Apfel aus dem Ausland.
Besonders deutlich wird die Entwicklung im Gesamtbild der deutschen Lebensmittelversorgung: Während Deutschland bei Fleisch einen Selbstversorgungsgrad von 120 Prozent, bei Milch von 107 Prozent und bei Kartoffeln sogar von 153 Prozent erreicht, liegt der Selbstversorgungsgrad bei Obst insgesamt nur noch bei 20 Prozent. Bei Gemüse sind es lediglich 37 Prozent.
Der heimische Obst- und Gemüsebau gehört damit zu den am stärksten unter Druck stehenden Bereichen der deutschen Landwirtschaft. Hauptursache sind die massiv gestiegenen Produktionskosten der vergangenen Jahre – insbesondere die stark erhöhten Arbeitskosten im Mindestlohnbereich. Gerade arbeitsintensive Sonderkulturen wie Erdbeeren und Äpfel sind davon besonders betroffen.
Steigende Importabhängigkeit
"Die aktuellen Zahlen sind ein deutliches Warnsignal für die Versorgungssicherheit in Deutschland. Wenn sich die Produktion heimischer Betriebe wirtschaftlich nicht mehr rechnet, werden immer mehr Obstbaubetriebe aufgeben. Die Folge ist eine weiter steigende Importabhängigkeit", erklärt Claus Schliecker, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau. Viele Obstbaubetriebe hätten ihre Anbauflächen in den vergangenen Jahren bereits reduziert oder den Anbau ganz eingestellt. Vor allem im Erdbeeranbau sei der Rückgang inzwischen deutlich sichtbar.
Während deutsche Betriebe unter immer höheren Lohn- und Produktionskosten arbeiten, produzieren Wettbewerber im europäischen Ausland vielfach zu deutlich niedrigeren Kosten. Dadurch verschärft sich der Wettbewerbsnachteil deutscher Erzeuger von Jahr zu Jahr. Die Bundesfachgruppe Obstbau fordert deshalb dringend eine praxisgerechte Abschlagsregelung beim gesetzlichen Mindestlohn für saisonale Erntearbeiten sowie bessere Möglichkeiten zur Beschäftigung von Saisonarbeitskräften aus Drittstaaten. Nur so könne verhindert werden, dass sich die heimische Produktion weiter aus Deutschland verlagert.
Heimische Obstversorgung auf der Kippe
„Wer regionale Lebensmittelversorgung, kurze Transportwege und heimische Produktion politisch erhalten will, muss auch wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehören dringend wettbewerbsfähige Bedingungen für arbeitsintensive Sonderkulturen und verlässliche Möglichkeiten zur Beschäftigung von Saisonarbeitskräften. Andernfalls verlieren wir Schritt für Schritt unsere heimische Obstversorgung", so Schliecker. Die aktuellen BLE-Zahlen machen deutlich: Der Rückgang der heimischen Obstproduktion ist längst kein Einzelproblem mehr, sondern eine Frage der Ernährungssicherung und der Zukunft des landwirtschaftlichen Standorts Deutschland.
Weitere Informationen:
https://www.obstbau.org