Fotoreportage: 74. BDC-Jahrestagung in Eindhoven

Rede- und Diskussionsbedarf prägen den derzeitigen Pilzsektor

Vom 29. September bis einschließlich 1. Oktober lud der Bund Deutscher Champignonerzeuger (BDC) zur 74. Jahrestagung nach Eindhoven in den Niederlanden ein. Im örtlichen Van der Valk-Hotel diskutierten die anwesenden Fachbesucher über die derzeitigen Herausforderungen im Kulturpilzsektor, etwa steigende Energiepreise, Inflation und die damit einhergehende Kaufzurückhaltung beim Verbraucher. Auch die längerfristige Entwicklung der Branche, insbesondere die zunehmende Automatisierung, das Marketing rundum deutsche Zuchtpilze sowie neue Varianten von Substrat und Deckerde, wurde ausführlich diskutiert.

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Staffelübergabe an der BDC-Spitze
Die 74. Jahrestagung des BDC stand ebenfalls im Zeichen der Staffelübergabe. Nach dem Rücktritt des langjährigen und engagierten Vorstandsvorsitzenden Michael Schattenberg wurde Hans Deckers, Geschäftsführer der Rheinischen Pilz-Zentrale (RPZ), zum neuen Vorstandsvorsitzenden gewählt. Der neue Mann am Ruder des Branchenverbandes freut sich über die diesjährigen Besucherzahlen. "Es freut mich, dass wir ein volles Haus haben, obwohl wir dieses Jahr in den Niederlanden tagen", begrüßte er die anwesenden Teilnehmer. 


Dr. Torben Kruse (stv. Vorstandsvorsitzender), Hans Deckers (BDC-Vorstandsvorsitzender) und Michael Schattenberg (ausscheidender Vorstandsvorsitzender) 

Inflation und Kaufzurückhaltung prägen Vermarktungslage
Die momentante Inflationssteigerung und damit einhergehende Kaufzurückhaltung beim Verbraucher wirken sich ebenfalls auf die Vermarktungslage bei den deutschen Kulturpilzen aus, schilderte Prof. Dr. Stephan Meyerding (r) der Uni Hamburg im Öffnungsvortrag. Das erschwerte Vermarktungsumfeld sei eindeutig auf die derzeitige Ukraine-Krise zurückzuführen, skizzierte er anhand von Marktstudien und Verbraucherbefragungen. "Doch nach der Krise werden die positiven, langfristigen Verbrauchertrends, etwa Nachhaltigkeit und vegane Ernährung, wieder vermehrt in den Vordergrund rücken", prognostizierte Meyerding abschließend.

Währenddessen gelte es, deutsche Speisepilze als preiswertes Produkt in Krisenzeiten zu positionieren, so Michael Legrand (rechts) vom Grünen Medienhaus. Unter dem Namen 'Gesunde Pilze' befasst sich der Branchenexperte seit nunmehr 13 Jahren mit dem umfassenden Marketing rundum die deutschen Speisepilze und der zeitgemäßen Marktplatzierung des Produktes. Die Kampagnestrategie wird nun den aktuellen Gegebenheiten angepasst, indem auch die Herausforderungen im aktuellen Pilzanbau in der Marketingstrategie betont und aufgeklärt werden müssen. 

Energiekrise, Torfersatz und alternative Anwendungsbereiche
Die steigenden Energiepreise wirke sich bereits massiv auf den Pilzanbau aus, weshalb dieses Thema auch im Rahmenprogramm nicht fehlen durfte. Michael Behr (rechts) des Bundesverbandes der Energie-Abnehmer (VEA) referierte ans erschwerte Marktumfeld in Sachen Energie. "Der Spotmarkt ist kein Allheilmittel, denn beide Märkte bieten Vor- und Nachteile. Stehen Sie neuen Ideen positiv und offen gegenüber und stecken Sie den Kopf nicht in den Sand", lautete seine klare Botschaft. Er wies ebenfalls auf das steigende Interesse an der eigenen Energie-Erzeugung, etwa mittels PV, hin.

In Sachen Deckerde für die internationale Pilzzucht versucht man nun seit einigen Jahren vom Torf wegzukommen. Das Schweizer Unternehmen Cormo AG hat es in enger Zusammenarbeit mit Legro geschafft, eine nachhaltige Alternative auf der Basis von Maisstroh zu entwickelt, welche bereits bei mehreren namhaften Zuchtbetrieben getestet wird. Basierend auf ersten Ergebnissen sagte Referent Jonas Léchot (rechts): "Die Mischung mit 1/3 Cormo-Deckerde ist der 100% Schhwarztorf-basierten nicht weit im Rückstand. Mit gezielten Änderungen ist Gleichwertigkeit durchaus möglich. Wir erwarten, dass die Anwendungssicherheit unseres Produktes nach diesen Anpassungen erhöht und dass wir Produzenten somit ein nachhaltig verfügbares Produkt anbieten werden können."

Karin Scholtmeijer (rechts), Referentin der Universität Wageningen. informierte über die Verwendung von Pilzen als neue Proteinquellen. Scholtmeijer zufolge werden im Hinblick auf die Rohwarenverknappung zusätzliche Proteinquellen benötigt, die idealerweise im nachhaltigen Kreislaussystem erzeugt werden können. Pilze bieten in dieser Hinsicht mehrfach Vorteile, nicht zuletzt da sie auf engsten Raum im geschützten Anbau produziert werden, weshalb verglichen mit anderen Gemüsekulturen relativ wenig Fläche gebraucht wird. Darüber hinaus seien Pilze besonders nährstoffreich und gleichzeitig Kalorien- sowie Fettarm, was wiederum den heutigen Zeitgeist trifft.

Neue Maßstäbe in Sachen Automatisierung: Das Schubladensystem
Traditionell wird der Tagungsort anhand der Betriebsbesichtigung am Schlußtag gewählt. In diesem Jahr lud der Bio-Champignonzüchter Jeffrey Heeren (Heereco BV) zum Blick hinter die Kulissen ein. Vor wenigen Monaten nahm der Zuchtbetrieb das hochautomatisierte Schubladensystem in Betrieb, ein bahnbrechendes Anbauverfahren im Pilzanbau. Eine erhöhte Ernteleistung bis zu 250 Prozent, sprich 60-70 Picks pro Minute, sei laut Henk van Gerwen (rechts), Projektbetreuer der ersten Stunde, realisitisch. Weitere Vorteile des neuen Systems seien die einfache Kontrolle und Bedienung sowie die stabile und ergonomisch optimale Pflückplattform. Nichtsdestotrotz müsse Heeren zufolge der Zuchtprozess noch an einigen Stellen angepasst werden, damit das Verfahren in naher Zukunft reibungslos funktionieren kann.


Jeffrey Heeren, Geschäftsführer der Heereco BV und Gastgeber der diesjährigen Exkursion, und Hans Deckers, BDC-Vorstandsvorsitzender

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Weitere Informationen:
https://der-champignon.de/ 


Erscheinungsdatum:
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