„Wir sind zuversichtlich, unseren Kunden die Lieferung zu 100 % garantieren zu können, sofern keine Fälle höherer Gewalt vorliegen", beginnt Wim Kleinjan, CEO von Fruity Pack. Grund dafür ist die neue Strategie, die dieser niederländische Obst- und Gemüseverarbeiter nach der COVID-19-Pandemie umgesetzt hat. Wim erklärt, dass die in dieser Zeit für den Gastronomiesektor geltenden Beschränkungen das erwartete Umsatzwachstum von 20 % in einen Verlust von 50 % verwandelt hätten. Heute erzielt das Unternehmen 200 % mehr Umsatz als vor der Pandemie.
Wim führt diese Entwicklung auf die Umstrukturierung der Lieferkette zurück. Früher war das Unternehmen stark von Importeuren abhängig; heute liegt der Schwerpunkt auf der direkten Zusammenarbeit mit Erzeugern weltweit. „Derzeit beziehen wir rund 95 % unserer Rohstoffe direkt." Hinzu kommen mehrjährige Vereinbarungen über Mengen und Preise, was den Erzeugern Klarheit verschafft. Außerdem können sie Pflanzen anbauen, die speziell auf die Vorgaben des Verarbeiters zugeschnitten sind, betont Wim.
© Fruity Pack
Lieferkontinuität
„Da wir näher an der Quelle sind, können wir schneller reagieren und haben einen besseren Überblick über Verfügbarkeit und logistische Entwicklungen", sagt er. Laut Kleinjan ist das entscheidend in einem Markt, in dem geopolitische Spannungen, der Klimawandel und Störungen in der Transportkette zunehmend für Unsicherheit sorgen. „Diese Optimierung der Lieferkette trägt zur Lieferkontinuität bei und ermöglicht es uns, eine Liefergarantie anzubieten."
Diese Strategie führt dazu, dass Fruity Pack aus seinen derzeitigen Räumlichkeiten herauswächst. „Wir haben nun unsere maximale Kapazität erreicht. Um unsere Produkte weiterhin täglich frisch und nicht aus dem Lager zu liefern, müssen wir die Kapazität unserer Fabrik deutlich erhöhen. Die Winterflaute ist fast vorbei, und Obst generiert immer im zweiten und dritten Quartal den größten Umsatz. Wir nutzen diese Mengen daher als Grundlage für unsere tägliche Frischproduktion", erklärt Wim.
Neubau
Um das weitere Wachstum zu unterstützen, erweitert das Unternehmen seine Produktionskapazität um eine neue Anlage, die Mitte 2026 den Betrieb aufnehmen wird. „Die 6.000 m² große Erweiterung wird vom aktuellen Gebäude getrennt sein. So können wir in der neuen Produktionsstätte starten, und erst wenn alles voll funktionsfähig ist, werden wir die beiden Produktionsstandorte verbinden und Nachhaltigkeitsverbesserungen in der bestehenden Anlage umsetzen. Unsere Kunden werden durch den Übergang zum neuen Gebäude keine Unannehmlichkeiten haben."
Die neue Anlage bietet auch Raum für weitere Automatisierung, was laut Wim unerlässlich ist, um steigende Löhne auszugleichen. Diese sind auf Faktoren wie Änderungen im Arbeitsrecht und die Behandlung von Zeitarbeitern zurückzuführen. „Die Branche ist arbeitsintensiv, aber wo immer möglich, wollen wir Prozesse rationalisieren. Dieser Übergang zu kapitalintensiven Abläufen erfordert erhebliche Investitionen", erklärt er.
„Unser Familienunternehmen kann das glücklicherweise ohne externe Geldgeber oder Private-Equity-Firmen bewältigen", fügt Wim hinzu. Das Ziel dieser Investitionen ist es, die Kosten unter Kontrolle zu halten. „Die Arbeitskosten sind in die Höhe geschossen und dürften noch weiter steigen. Wir wollen diese Automatisierung nutzen, um kostenmäßig alles zu tun, was wir können, um Preiserhöhungen auf ein Minimum zu beschränken", fährt er fort.
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Umfangreiches Vertriebsnetz
Neben der Produktion spielt die Logistik eine zentrale Rolle bei der Optimierung der Lieferkette von Fruity Pack, und der Obstverarbeiter hat ein umfangreiches Vertriebsnetz aufgebaut. „Unsere 35 Lkw beliefern täglich Vertriebszentren und Geschäfte in den Niederlanden und Belgien." Das Unternehmen bietet zudem die Möglichkeit, nach Verbrauchereinheiten (CU) zu bestellen, sagt der CEO. „Wir kommissionieren unser gesamtes Sortiment in gemischte Kisten. Das sorgt für minimalen Abfall in den Geschäften und die beste Frischegarantie", sagt er.
Um dies zu unterstützen, besucht ein Außendienstteam die Geschäfte und berät zu Aspekten wie Bestellmustern und Regalgestaltung. Fruity Pack fungiert zudem als zusätzliches Kontrollaugenpaar in Sachen Qualität, merkt Wim an. „Wir haben eine spezielle App entwickelt, über die jeder Kommentar sowohl unseres Außendienstteams als auch unserer Kunden direkt an die Produktionsleiter weitergeleitet wird. So haben wir die Lieferkette unglaublich verkürzt und können maximale Qualität in den Geschäften garantieren."
Erweiterung des Sortiments
Die Sortimentserweiterung ist ein weiterer Teil der neuen Strategie. Das Unternehmen untersucht beispielsweise neue Convenience-Konzepte für verschiedene Verzehrmomente. „Dazu gehören Poké-Bowls, Mittagssalate mit Clean-Label-Positionierung und neue Verwendungsmöglichkeiten, bei denen Obst mit anderen Zutaten kombiniert wird. Ein Beispiel ist die Einführung von frischem, schokoladenüberzogenem Obst, wie beispielsweise schokoladenüberzogene Trauben. Dieses Produkt ist schon lange im Tiefkühlsegment erhältlich, wird nun aber frisch produziert, und wir testen es derzeit auf Filialebene", bemerkt Wim.
Ein Schlüsselelement der neuen Anlage ist die weitere Spezialisierung im Bereich Obst, fügt Wim hinzu. Das Unternehmen investiert in Einrichtungen wie Reifekammern für Mangos, um die Qualität und Gleichmäßigkeit von verzehrfertigem Obst zu verbessern. „Mangos gehören zu den anspruchsvollsten Frischwaren. Durch Investitionen in neue Technologien können wir hier erhebliche Fortschritte erzielen." Auch die Arbeiten an Anlagen zur Verarbeitung von Granatapfelkernen sind im Gange. „Neben den täglich aus Indien eingeflogenen Kernen werden wir eine eigene Linie von Granatapfelkernen auf den Markt bringen, die auf dem Seeweg transportiert werden", verrät er.
„Käufer können dann auf Luftfracht verzichten." Kleinjan weist zudem darauf hin, dass die Anfälligkeit dieses Transportmittels ein Faktor ist. „Angesichts der jüngsten geopolitischen Unruhen stehen sowohl die Preise als auch die Verfügbarkeit von Granatapfelkernen unter Druck. Wir haben es geschafft, täglich zu liefern, aber die Seefracht bietet mehr Sicherheit. Durch den Aufbau einer eigenen Verarbeitung sind wir weniger von der Luftfracht abhängig und können besser auf Bedenken hinsichtlich CO₂-Emissionen und Versorgungssicherheit eingehen", betont er.
Exporte
Neben dem Potenzial von hochwertigen Mangos und Granatapfelkernen sieht Wim Expansionsmöglichkeiten sowohl auf dem lokalen Markt als auch auf den Exportmärkten. „Wir beliefern Einzelhändler und Gastronomiekunden in verschiedenen europäischen Ländern, darunter Skandinavien, Deutschland, Frankreich, Belgien und Österreich. Dank unseres Standorts in Rotterdam können wir einen Großteil Nordwesteuropas innerhalb von 24 Stunden beliefern."
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„Die Nachfrage nach praktischen und gesunden Snacks wächst, und wir sehen Raum für weitere Entwicklung", erläutert Wim, doch gleichzeitig gebe es anhaltende Herausforderungen in Bezug auf Klima, Logistik und Kostenentwicklung. „Mit der neuen Anlage und unseren Investitionen wollen wir unser Familienunternehmen schrittweise auf die nächste Generation vorbereiten."
Fruity Pack richtet seinen Blick daher auf die langfristige Zukunft. „Die nächste Generation ist bereits im Unternehmen aktiv und übernimmt zunehmend die Führung im Tagesgeschäft. Ich hoffe jedoch, noch viele Jahre als Teil der aktuellen Generation aktiv zu bleiben. Mit unserer neuen Anlage und unseren Investitionen sind wir für die Zukunft gerüstet. Wir wollen morgen noch besser sein als heute", schließt Wim.
Weitere Informationen:
Fruity Pack B.V.
Telefon: +31 10 303 5100
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