Agroscope:

Mandelanbau in der Schweiz hat Potenzial

Sowohl aufgrund der Anbaueignung als auch dank dem Interesse potenzieller Abnehmer sieht man Mandeln als vielversprechende Kultur in der Schweiz. Hierzulande gibt es bereits wilde Mandelbäume und auch erste Mandelproduzenten. Da Obst wie Äpfel oder Kirschen als Hochstämmer unter anderem wegen hoher Kosten für die Kulturführung und Ernte bei sinkenden Einnahmen unter Druck stehen, ging die Forschungsanstalt Agroscope der Frage nach, ob Mandelbäume als rentable Alternative in der Schweiz funktionieren könnte. 

Für den Anbau geeignete Gebiete 
Grundsätzlich wachsen Mandelbäume überall dort, wo auch Aprikosen oder Wein gedeihen würde. Sie bevorzugen sandige Lehmböden mit hoher Durchlässigkeit und sind tolerant gegenüber Trockenheit sowie winterfest bis - 16 Grad und weniger.

Von Agorscope eingeholte Expertenmeinungen aus dem Ausland bestätigen, dass Mandeln in der Schweiz kultiviert werden könnten.

Wilde Mandelbäume im Wallis und 20 Mandelproduzenten
Allerdings zeigt die Praxis bereits, dass die Mandelproduktion hierzulande möglich ist. So gibt es im Kanton Wallis diverse Arten wildwachsender Mandeln, Walliser Flurnamen wie «Amandoley», «Amandoleyre» oder «Mandolaire»  weisen auf frühere Anbaugebiete hin.

Agroscope machte rund 20 Schweizer Betriebe ausfindig, die bereits heute über 330 Mandelbäume gepflanzt haben. Ausserdem werden laut der Forschungsanstalt mehrere hundert Bäume in Baumschulen kultiviert und es sind 15 Mandelsorten hierzulande bekannt. Die pionierhaften ersten Schweizer Mandelproduzenten äussern sich positiv zur Kultur.

Wenig Schädlinge, aber problematische Krankheiten
Im Vergleich zu Kirschen soll der Schädlingsdruck bei Mandelbäumen gering sein. Hingegen wurden Krankheiten wie Monilia, Gummifluss, Kräuselkrankheit oder Europäische Steinobstvergilbungs-Krankheit (ESFY) als potenzielle Probleme aufgelistet. Praktiker berichten zudem von Schwierigkeiten bei der Ernte (die Nüsse liessen sich nicht herunter schütteln). Die frühe Blüte macht die Kultur anfällig für Frostschäden.

Interesse seitens der Abnehmer vorhanden
Zwar bekunden «mehrere Abnehmer» Interesse an Schweizer Mandeln. Man sieht aber potenzielle Probleme bei den zu erwartenden hohen Preisen und der Qualität. Diese Herausforderung stelle sich heute bei Baumnüssen, deren Qualität eher unter dem ausländischen Schnitt liege, während der Preis das 4- bis 5-Fache betrage, zitiert Agroscope Vermarktungs-Experten. 

Mandelblüten liessen sich auch – ähnlich wie die Blüte anderer Obstbäume – touristisch vermarkten. Entsprechende Beispiele gibt es im Ausland. 

Sortenprüfung ist geplant
Die Recherche habe das Potenzial, aber auch noch viele offene Fragen gezeigt, schlussfolgert Agroscope. Den Anbau von Schweizer Mandeln will man weiterverfolgen, unter anderem ist eine Sortenprüfung mit 20 Mandelsorten im Agroscope-Steinobstzentrum Breitenhof geplant.

Quelle: Agroscope


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