Übersicht Weltmarkt Kartoffeln

Auf dem Kartoffelmarkt in Europa sieht man nun einen deutlichen Unterschied zwischen Nord und Süd. In den Ländern, in denen das Coronavirus/Covid-19 um sich greift, steigt die Nachfrage nach lokalen Produkten enorm. Zu Beginn der Epidemie hat sich beispielsweise die Nachfrage in Italien kurzzeitig verdreifacht, und die spanischen Erzeuger konnten mit der Nachfrage kaum Schritt halten. In den Niederlanden, Belgien und Deutschland ist der Markt ruhig, was bedeutet, dass die Preise unter Druck stehen. Aufgrund der Niederschläge in der letzten Zeit wurden die Kartoffeln in den Beneluxländern noch nicht gesetzt.

Auf dem nordamerikanischen Markt besteht vor allem Unsicherheit über den vorhandenen Kartoffelvorrat für den Markt, während in Ozeanien die Witterungsbedingungen zu einem geringeren Ertrag pro Hektar führen. In China sind die Preise für Kartoffeln aufgrund der knappen Lagerbestände und des durch das Corona-Virus behinderten Handels hoch.

Niederlande: Ruhiger Kartoffelexport, Preise stehen unter Druck
Im niederländischen Speisekartoffel-Export ist es im Moment ruhig. "Die Länder, die wir normalerweise beliefern, sind ausreichend versorgt", sagt ein Exporteur. "Bei jedem Packer, mit dem wir sprechen, ist es ruhig. Der Konsum ist geringer und das Coronavirus hilft hierbei auch sicher nicht. Wir haben ziemlich viele Exportkunden in den Bereichen Gastronomie, Gastgewerbe und Tourismus, und diese haben weniger Kunden, weil die Menschen zu Hause bleiben."

Dies setzt die Preise unter Druck. "Agrias kauft man jetzt für 19 bis 20 Cent. Der Preis für Speisekartoffeln liegt knapp darunter, aber wenn man 15 Cent bietet, bekommt man sie momentan ohne Weiteres. Es gibt einfach keine Nachfrage, und alle werden ein bisschen nervös", fährt der Exporteur fort.

"Auch die Importkartoffeln üben keinen Druck auf den Markt aus. Die ersten ägyptischen Kartoffeln sind auf dem Markt, aber die Mengen sind begrenzt und die Preise sind ebenfalls niedrig. Die nassen Bedingungen auf dem Land tragen auch nicht wirklich positiv hinzu. Die Arbeit beginnt oft erst im April. In Osteuropa wird jedoch bereits gepflanzt."

Belgien: Nasses Wetter macht Pflanzen von Kartoffeln unmöglich
Der Kartoffelmarkt ist im Moment recht ruhig. Die Preise sinken, weil die Nachfrage abnimmt. Wegen der milden Temperaturen in diesem Winter blieb die Nachfrage etwas zurück. Die Qualität der Kartoffeln ist trotz des trockenen Sommers gut. Aufgrund der großen Regenmenge, die in den letzten Wochen gefallen ist, wird erwartet, dass die Erzeuger vorerst keine neuen Kartoffeln pflanzen können. Wenn es so nass bleibt, ist es möglich, dass die alten Kartoffeln länger gebraucht werden.

Deutschland: Start der ägyptischen Saison
Vorläufig hält das Angebot an inländischen Lagerkartoffeln mit der Nachfrage Schritt. Obwohl die Verkäufe ruhig sind, ist man im Allgemeinen mit der aktuellen Marktsituation zufrieden. Neben den heimischen Speisekartoffeln gewinnt nun auch die Importsaison langsam an Fahrt. Unter anderem Italien, Zypern, Israel und Ägypten bestimmen jetzt das Importangebot auf dem Markt: "Bis vor kurzem war Israel Marktführer, jetzt konnte Ägypten dank der guten Qualität der Hauptsorte Princess eine gute Position auf dem Markt erobern", so ein Importeur. Obwohl deutsche Lagerkartoffeln länger angeboten werden und Frühkartoffeln immer früher auf den Markt kommen, sind die kleinen Premium-Kartoffeln aus Ägypten im März und April besonders beliebt.

Österreich: Guter Absatz auf inländischem Markt
Der Absatz in Österreich hat sich nach der massiven 'Hortung' der letzten Wochen etwas stabilisiert. Die Exporte hingegen sind sehr ruhig: das Angebot ab Lager ist reichlich. Aufgrund der steigenden Temperaturen sind jedoch insbesondere Kartoffeln in ungekühlter Lagerung nicht allzu lange haltbar.

Frankreich: Großer Unterschied zwischen französischen Regionen untereinander
Die Kartoffelsaison war für jede Region Frankreichs unterschiedlich. In der Champagne waren die Mengen und die Qualität in diesem Jahr gut, aber andere Regionen hatten mit einer verspäteten Ernte zu kämpfen, was sich auf die Qualität auswirkte. Für einige Landwirte wird diese Saison länger als die vorhergehende sein.

Italien: Coronavirus verdreifacht in den ersten Tagen die Nachfrage nach Kartoffeln
Der Kartoffelverkauf hat im Einzelhandel deutlich zugenommen, und die Nachfrage der verarbeitenden Industrie ist gestiegen. Bei den Großhandelsmärkten ging der Absatz und damit auch die Nachfrage des Hotel- und Gaststättengewerbes zurück.

"Zu Beginn der Corona-Epidemie in Italien, vor allem in den ersten Tagen, als die Menschen Angst vor der Quarantäne hatten, führte die Panik dazu, dass die gesamte Bevölkerung Vorräte angelegt hat", sagt ein Händler in Norditalien. "Die Nachfrage im Einzelhandel verdreifachte sich. Danach normalisierte sich die Situation wieder. Wir arbeiten nun wieder regelmäßig und haben den ersten Export in die Schweiz gestartet. Es gibt viel Aufmerksamkeit, um das Virus einzudämmen, aber die Unternehmen arbeiten noch immer daran. "Wir spüren die Auswirkungen des Virus nur in begrenztem Maße", sagt der Händler. "Wir können einfach problemlos Verpackungen und anderes Zubehör bestellen und wir laden und entladen weiterhin Kartoffeln. Wir arbeiten weiter daran, Engpässe in den Supermärkten zu verhindern. Wir führen sogar sonntags Gespräche mit den Käufern, weil Kartoffeln ein vielseitiges Produkt sind und eine große Nachfrage besteht. 90% der Verbraucher kaufen die Kartoffeln nur in den letzten Tagen der Woche."

In Sizilien hat die Ernte von neuen Kartoffeln um Syrakus vor einer Woche mit einem guten, ersten Verkauf begonnen. "In den letzten beiden Tagen haben wir jedoch nur in begrenztem Umfang gearbeitet", sagt ein Landwirt. "Die Zukunft sieht im Moment nicht sehr rosig aus, und vieles ist unklar."

Spanien: Nachfrage nach Kartoffeln explodiert
Nach den ruhigen Monaten Januar und Februar stieg die Nachfrage nach Kartoffeln an, als in Spanien das Corona-Virus entdeckt wurde. Laut einem der größten spanischen Erzeuger ist es fast unmöglich, all diese Nachfrage zu befriedigen.

Bislang sieht die Kartoffelsaison preislich positiv aus. Die Durchschnittspreise sind von 28 auf 35 Eurocent pro Kilo im Bereich der Spitzenqualitäten gestiegen. Aufgrund der guten Wetterbedingungen und der milden Temperaturen werden Anfang dieses Jahres Frühkartoffeln aus Murcia und Andalusien erwartet. Danach wird die Ernte in den Regionen Castille-La Mancha und Castille en-León erfolgen. Zurzeit kommen die Kartoffeln auf dem spanischen Markt aus Frankreich (ganzjähriger Vorrat), Ägypten, Marokko und Algerien.

China: Höhere Preise durch geringeren Lagerbestand und trägem Handel
Derzeit ist der Preis für Kartoffeln auf dem chinesischen Markt hoch. Dies ist nicht nur auf das Coronavirus zurückzuführen, das den Transport erschwert und damit den Handel verlangsamt, sondern auch darauf, dass die Lagerbestände in diesem Jahr etwas geringer sind. Deshalb gibt es derzeit einen höheren Preis für die neu auf den Markt kommenden Kartoffeln. Es gibt drei Gebiete in China, in denen Kartoffeln produziert werden, derzeit kommt die Versorgung aus dem Süden Chinas. Im Mai kommt das neue Angebot aus dem Osten des Landes.

Es gibt auch Exporte, aber aufgrund des Coronavirus geht das im Moment etwas langsamer. Aufgrund des hohen Preises sind die Kartoffeln auf dem internationalen Markt weniger attraktiv. In den kommenden Monaten wird der Preis langsam wieder sinken, und dann werden mehr Exporte erwartet.

Nordamerika: Umfang des Karoffelvorrates ist undeutlich
Die Kartoffelvorräte in Nordamerika sind knapp, aber es ist unklar, wie gering sie sind. Die Lagerbestände sind seit Beginn der Saison begrenzt. Der Frost im Frühjahr 2019 hat die Kartoffeln angegriffen. Die Erträge pro Hektar waren deutlich geringer und die Größe der Kartoffeln war viel kleiner als normal. Im Oktober gab es erneut Frost in Idaho, der 20 bis 25% der Idaho-Ernte beschädigte und die Bestände auf dem Markt stark beeinträchtigte.

Es besteht derzeit eine große Unsicherheit über den Umfang der Vorräte an Kartoffeln auf dem Markt. Es ist unklar, wie groß der geeignete Vorrat an Lagerkartoffeln ist. Dies hat seinen Einfluss auf den Handel, da die Firmen jetzt vorsichtiger mit dem Verkauf sind, weil sie schließlich bis zum Ende der Saison verkaufen wollen. Die Ungewissheit über das Coronavirus verstärkt diese Unsicherheit noch mehr. Angesichts der Menge der verkauften Kartoffeln gab es in den letzten 30 bis 90 Tagen auch eine Umstellung im Einzelhandel. Die Supermärkte wollen nur noch Kartoffeln in die Regale legen, die auch schnell wieder verkauft werden.

Es gibt nur sehr wenige rote Kartoffeln auf Lager, aber sie sind länger auf dem Markt als erwartet. Von den gelben Kartoffeln sind bereits neue Bestände verfügbar und werden am schnellsten gehandelt. Die weißfleischigen Kartoffeln werden diesen Monat vergriffen sein und machen Platz für die erste neue Ernte in Nord-Florida. Bei den rotbraunen Kartoffeln besteht noch viel Unsicherheit, obwohl bis Juli keine Knappheit erwartet wird. Der Preis für letztere ist um 15-20% gestiegen.

Australien: Dürre in Tasmanien
Im Jahr 2019 wurden 50.005 Tonnen Kartoffeln exportiert, was einem Anstieg von 10% entspricht, während der Exportwert um 4% stieg. In Tasmanien stehen die Landwirte jedoch vor der trockensten Pflanzperiode von Kartoffeln aller Zeiten, während das Wassermanagement ein ständiges Problem darstellt. Der Kartoffelanbau wird jedoch nicht behindert.

Neuseeland: Wetterbedingungen sorgen in dieser Saison für kleinere Erträge
Das Wetter in Neuseeland ist für die aktuelle Saison eher ungewöhnlich, und das hat seine Auswirkungen auf die Kartoffelerträge. Einigen Experten zufolge ist dies eine der schwierigsten Perioden in 10 - 15 Jahren. Die Erträge werden vor allem in Pukekohe geringer ausfallen. In der Region Manawatu wird ein durchschnittlicher Ertrag erwartet. Der Großteil der Ernte in Canterbury wird diesen Monat beginnen, nachdem zu Beginn der Saison gelegentlich extreme Wetterbedingungen herrschten.

Für nächste Woche: Übersicht Weltmarkt Orangen


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