Volker Peters (Helle Niedersachsen) zum heutigen Kartoffelmarkt

"Die Kartoffelproduzenten erweitern ihre Fläche weil eine gute Alternative fehlt"

Nur wenige Branchen wurden so durch die Corona-Pandemie beeinträchtigt wie die Kartoffelwirtschaft. Von den Hamsterkäufen im Frühjahr bis zu den Absatzproblemen bei Schälkartoffeln im Zuge der aktuellen Gastro-Schließung: Für die deutsche Kartoffelbranche war 2020 zweifelsohne ein bemerkenswertes Vermarktungsjahr. Volker Peters - Geschäftsführer der Helle Niedersachsen GmbH - blickt zurück sowie nach vorne.

"Der Speisekartoffelmarkt ist aktuell wieder in Bewegung, es wird Ware nachgefragt. Auch die Vermarktung von Chipskartoffeln funktioniert, obwohl die Preise unterhalb des Vertragsniveaus liegen. Der Pommesbereich verzeichnete im September und Oktober einen kleinen Aufwärtstrend, wurde aber im Zuge der erneuten Gastroschließung wieder nahezu zum Erliegen gebracht. Die Verarbeitung der Schälware leidet zweifelsohne am Meisten unter den Auflagen. Momentan wird nur eine Verarbeitungskapazität um 30 Prozent erzielt", schildert Peters die aktuelle Situation.


Volker Peters beobachtet mehr Wertschätzung beim Verbraucher für die heimische Kartoffel.

Aufruf zur Flächenreduzierung
Der europäische Branchenverband NEPG hat neulich zu einer europaweiten Flächenreduzierung um 15 Prozent aufgerufen. Der Empfehlung wurde auch in Niedersachsen mit Erstaunen entgegengenommen. Peters: "Wir haben unsere Flächen die letzten Jahre tendenziell ausgeweitet. Parallel dazu gab es sowohl im Jahr 2018 als auch in 2019 Trockenheitsprobleme in großen Teilen Europas. Nun hatten wir dieses Jahr generell genügend Niederschlag, weshalb die Kartoffeln überall gut herangewachsen sind. Außerdem wissen wir nicht wie es mit dem Corona-Virus weiterläuft. Hinzu kommt noch das schleppende Brexit-Aufkommen, welches uns indirekt auch trifft. Da ist momentan viel Unsicherheit in der Branche."

Währenddessen verzeichnet die europäische Kartoffelwirtschaft jährlich beträchtliche Überschüsse. Eine Flächenreduzierung wäre laut Peters keine Komplettlösung für das eigentliche Problem der Branche. "Die Landwirte erweitern ihre Fläche weil eine gute Alternative fehlt. Getreide oder Zucker sind preistechnisch weniger interessant. Der Zwiebelanbau ist augenscheinlich die einzige lukrative Option. Wenn aber alle auf Zwiebeln umsteigen, hätten wir auf Dauer das gleiche Problem wie bei den Kartoffeln", warnt er.


Qualitätsbeurteilung

Das Bundesland Niedersachsen gilt seit jeher als das größte Kartoffelanbaugebiet Deutschlands. Etwa die Hälfte des gesamten Volumens wird hier erzeugt. "Wir haben im Prinzip immer Überschüsse, weil wir die hiesigen Erträge nie selbst konsumieren könnten. Gleichzeitig wird Regionalität gerade bei den Kartoffeln ein bedeutendes Einkaufsargument: Man will bevorzugt regional erzeugte Kartoffeln. Da sehe ich in Zukunft ebenfalls ein Problem, dass wir unsere Kartoffeln nicht mehr einfach nach Sachsen oder woanders hinfahren können. Das heißt, wir müssen nur darauf hoffen, dass es in Holland oder Polen trockenheitsbedingte Ausfälle gibt, damit wir unsere Überschüsse entweder in den Westen oder den Osten schicken können."


Links: Kartoffelprobe im Feld, rechts: abgesackte Ware für den Handel

Mehr Wertschätzung beim Verbraucher
Die diesjährige Corona-Pandemie hat aber aus Sicht des Vermarkters auch Gutes für die Kartoffelbranche gebracht. "Viele haben während der Krise erkannt dass die Kartoffel ein unentbehrliches Grundnahrungsmittel ist, weswegen mehr Wertschätzung beim Verbraucher für die Kartoffel als Bestandteil unserer Ernährung geschaffen wurde."

Gleichzeitig müsse man dafür Sorgen, dass vernünftige Qualitäten ins Regal gelangen. "Im April, als die Pommes-Fabriken teilweise abgeschaltet wurden, wurde teilweise Verarbeitungsware im Speisemarkt platziert. Bei Industrieware handelt es sich aber um ganz andere Sorten, was bei dem einen oder anderen Verbraucher auch entsprechend auf Unverständnis gestoßen ist. Alles in allem sehe ich aber langfristig betrachtet schon Perspektive für die heimische Kartoffel." 

Weitere Informationen:
Helle Niedersachsen Raiffeisen Kartoffel GmbH
Volker Peters
Klein Bünstorfer Straße 20
29549 Bad Bevensen
Telefon: +49 5821 8660
Telefax: +49 5821 8670
E-Mail: info@helle-niedersachsen.de 
Web: www.helle-niedersachsen.de  


Erscheinungsdatum:
Author:
©



Erhalten Sie den täglichen Newsletter in Ihrer E-Mail kostenlos | Klick hier


Weitere Nachrichten in dieser Branche:


© FreshPlaza.de 2021

Melden Sie sich für unseren täglichen Newsletter an um immer auf dem neusten Stand zu bleiben!

Anmelden Ich bin bereits angemeldet