Übersicht Weltmarkt Kirschen

Wenig Angebot und eine hohe Nachfrage kennzeichnen derzeit den Markt für Kirschen. Insbesondere im Mittelmeerraum sind die Mengen aufgrund ungünstiger Witterungsbedingungen zurückgegangen. In anderen Gebieten, wie Griechenland und der Türkei, profitiert man hiervon. Infolgedessen werden auch niederländische und belgische Kirschen zu hohen Preisen verkauft, sind aber hauptsächlich für den heimischen Markt bestimmt. Es wird erwartet, dass die Kirschensaison aufgrund der großen Nachfrage und des geringen Angebots in einigen Ländern früher als normal enden wird. Unterdessen sieht Neuseeland Chancen auf dem Markt und arbeitet an hochwertigen Kirschen für den Export.

Niederlande: Kirschbauern profitieren von niedriger europäischer Ernte
Die niederländische Kirschensaison ist derzeit in vollem Gange. Nach Angaben der Landwirte laufen die Verkäufe gut. Aus europäischer Sicht gibt es viel weniger Kirschen, und die niederländischen Erzeuger profitieren davon. Auch die niederländische Kirschenernte liegt etwas unter dem Durchschnitt. Inländischer Verkauf ist nach wie vor wichtig für den Absatz von niederländischen Kirschen. Gegenwärtig gibt es auch eine gewisse Nachfrage nach niederländischen Exportkirschen, aber nach Ansicht der Erzeuger wird der Exportmarkt immer ein Nischenmarkt bleiben. Gegenwärtig gibt es auf dem Markt etwas mehr Konkurrenz durch die griechischen und türkischen Kirschen. Niederländische Erzeuger und Händler sind verärgert darüber, dass Kirschen dieser Herkunft noch immer im Einzelhandel zu finden sind, während die niederländische Saison in vollem Gange ist. 

Belgien: Hohe Nachfrage und geringere Mengen
Die belgische Kirschensaison ist in diesem Jahr früh gestartet. Die Saison ist etwa 5 bis 10 Tage früher als normal, wordurch es scheint, als ob die Kirschsaison vorverlegt wurde. Die frühen Kirschensorten haben sich sehr gut verkauft, aber es gibt auch eine große Nachfrage nach den späteren Sorten, so dass nach Aussage eines Händlers schöne Preise für die Kirschen gezahlt werden. Durch den Frost sind schätzungsweise 30 bis 40 Prozent der Kirschen verloren gegangen. Vom Volumen her ist dies mit der Kirschsaison 2018 vergleichbar. Ein belgischer Händler ist mit der Qualität und Größe sehr zufrieden, aber bei der Regenmenge, die in den letzten Wochen gefallen ist, ist es möglich, dass die Kirschen platzen.

Deutschland: Moderate Erträge unter deutschen Landwirten
"Kirschen sind in der Sommersaison ein Standardprodukt, doch war die diesjährige einheimische Ernte wegen des Nachtfrostes und  Frostschäden lange Zeit ungewiss. Bislang waren die Auswirkungen auf den Handel jedoch nicht so schlimm", berichtet ein Händler. "Im Moment ist genügend Volumen verfügbar. Die Großhandelspreise für heimische Kirschen liegen - je nach Größe - bei etwa 6-8 Euro/kg. 28-30 mm sind in großen Mengen erhältlich. Auf den Wochenmärkten werden vor allem die großen Früchte verkauft, aber die sind momentan nur begrenzt erhältlich."

Es war ein enttäuschendes Jahr für die Landwirte. Frost und andere Probleme haben zu schlechten Erträgen geführt. "2020 ist eines der schlimmsten Jahre, die ich je erlebt habe", sagt ein Landwirt. Dennoch ist in den größten Anbaugebieten, einschließlich der Fränkischen Schweiz in Süddeutschland, noch kein Mangel zu erwarten.

Das ausländische Angebot kommt u.a. aus Spanien, Griechenland, Italien und der Türkei. Je nach Herkunft sind die Preise bis zu 30% höher als im letzten Jahr.

Vereinigtes Königreich: Produzenten mit der Saison zufrieden
Die Kirschenernte begann für einen Erzeuger aus Kent Ende Juni. Der Rest folgte am 1. Juli. Die Vegetationsperiode verlief prima. Nördliche Winde verursachten einen gewissen Volumenrückgang während der Blüte, aber abgesehen davon war es eine gute Blütezeit. Die Qualität ist gut, obwohl es in den Obstgärten an großen Kalibern mangelt. Über den Brix und den Geschmack kann man sich jedoch nicht beklagen. Die Nachfrage nach Kirschen ist hoch. 

Frankreich: Schlechtes Wetter erschwerte das Pflücken
Die Kirschsaison in Frankreich ist beendet. Das Land kam aufgrund des schlechten Wetters und der vielen Niederschläge etwas früher als normal auf den Markt. Dies wirkte sich vor allem auf die frühe Sorte Burlat aus, deren Qualität in diesem Jahr nicht sehr gut war. Auch in anderen Regionen hatte das Wetter seinen Einfluss auf die Ernte. Später in der Saison wurde die Situation für die späteren Sorten besser.

Italien: Hohe Nachfrage und geringe Mengen verursacht hohe Preise
Die Kirschensaison in Apulien wird Ende dieser Woche definitiv abgeschlossen sein. Sowohl die extraspäten Sorten (von denen es wenig Anbau gibt), als auch die Ferrovia in den kälteren Gebieten der Region (einschließlich Gioia Del Colle und Cassano), werden derzeit geerntet. Aufgrund der begrenzten Mengen und der hohen Nachfrage ist der Verkaufspreis hoch. Die Bergkirschen in der Region Venedig machen sich gut, die 26+ Maße sind leicht zu verkaufen. Die Bergkirschen in Venedig kommen später auf den Markt als in Mittel- und Süditalien und nehmen einen interessanten Marktanteil ein. Die Ernte wird bis nach dem 15. Juli fortgesetzt und bleibt bis zum 31. Juli verfügbar.

Die Vermarktung der Vinschgauer Kirschen begann einige Tage früher als üblich. Dank der guten Jahreszeit und günstigeren Temperaturen. Regina und Kordia haben beide ihren Lebensraum im Vinschgau zwischen 800 und 1300 m ü.M. mit einem guten Wachstumsklima gefunden. Die Mengen sind ähnlich wie im letzten Jahr und werden auf 500 Tonnen von 40 Hektar Land geschätzt. Bis zur ersten Augustwoche werden Kirschen in ganz Italien, sowohl im ambivalenten Handel, als auch im Einzelhandel verkauft.

Spanien: Höhere Preise werden die Erzeuger nicht für Mengenrückgänge entschädigen
Die Kirschsaison in Spanien neigt sich dem Ende zu, die meisten Früchte sind bereits geerntet worden, mit Ausnahme der Kirschen aus höheren gelegenen Obstgärten in den Bergregionen. Im Allgemeinen war diese Saison aufgrund der Auswirkungen klimatischer Einflüsse, wie reichliche Niederschläge, aber auch Hagelstürme in einigen Regionen, durch sehr geringe Mengen gekennzeichnet. In fast allen spanischen Anbaugebieten und im übrigen Mittelmeerraum gingen die Ernten zurück. Infolgedessen sind die Preise besser als in der vergangenen Saison, gleichen aber den erheblichen Volumenrückgang nicht aus. Angesichts des geringen Volumens konzentrieren spanische Unternehmen sich in diesem Jahr vor allem auf den europäischen Markt, da es viele Beschränkungen bei der Luftfracht gab, die Exporte zu weiteren Bestimmungsorten beinahe unmöglich machten.

Türkei: Mehr neue Märkte für türkische Kirschen
Die türkische Kirschsaison ist bisher gut verlaufen, und die Erzeuger berichten, dass die Qualität in den letzten Jahrzehnten sehr gut war und die Nachfrage auf verschiedenen Märkten groß ist. Insbesondere China wird zu einem immer wichtigeren Handelspartner für den Verkauf von Kirschen. Das Coronavirus hat kaum Auswirkungen auf den Markt in der Türkei gehabt. Etwas schwieriger war die Luftfracht nach China. Für den europäischen Markt, auf dem alles per Lkw geht, gab es für die Türken auch kaum Probleme.

China: Weniger Importe, aber Markt erholt sich
Auf die kalifornischen Kirschen folgten Anfang Juni die Kirschen aus Washington. Die Preise waren wegen der geringen exportierten Mengen hoch. Ab Anfang Juli zeigt der Preis einen Abwärtstrend. Die Entschärfung der Krise auf dem Binnenmarkt führte dazu, dass die Kaufkraft der chinesischen Verbraucher wieder zunahm. Infolgedessen nimmt die Nachfrage der Online-Konsumenten nach Kirschen wieder zu.

Das Importvolumen von Kirschen lag in diesem Quartal deutlich unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Ungefähr 85% der chilenischen Kirschen sind in diesem Jahr zum chinesischen Neujahrsfest in China angekommen. Ende Januar, mit dem Ausbruch des Coronavirus, war der Markt träge, und die Importeure wagten es nicht, Kirschen zu kaufen. Die Zahl der im Hafen von Shekou eintreffenden Kirschen ging im April stark zurück und lag bei rund 100 Containern. Nach dem Ende der chilenischen Saison übernahmen die Vereinigten Staaten den Betrieb, aber die Verkäufe waren schleppend. Einerseits wegen des Handelskonflikts zwischen den beiden Ländern, der hohe Zölle auf importiertes Obst zur Folge hatte, und andererseits wegen der schlechten Logistik, die durch das Coronavirus verursacht wurde.  

Vereinigte Staaten: Saison wegen starker Nachfrage und wenig Produkt früher beendet
Die Mengen an Kirschen von amerikanischem Boden sind in dieser Saison begrenzt. Eigentlich gibt es im Moment nur einen Mangel. Die Erzeuger im amerikanischen Bundesstaat Washington sagen, die Saison sei zur Hälfte vorbei. Frühjahrsfröste und andere ungünstige Wetterbedingungen haben die Erträge im Vergleich zu früheren Schätzungen halbiert. Es sind jedoch große Kirschengrößen auf dem Markt, und das Verpacken für die Supermärkte läuft gut, obwohl die Lieferung vom Feld in die Lager wegen der Regenfälle in der Gegend derzeit etwas hinterherhinkt. Kirschen kommen jetzt hauptsächlich aus dem Yakima-Tal, Quincy und frühe Sorten aus dem Flusstal. Der Ertrag pro Hektar wurde von 8-10 pro Hektar auf 2-4 Tonnen pro Hektar angepasst.

Unterdessen bleibt die Nachfrage nach Kirschen stark, was zu hohen Preisen auf dem Markt führt. Einige Erzeuger sehen sogar einen Preisanstieg von 50% im Vergleich zur letzten Saison. Aufgrund der Knappheit auf dem Markt und der hohen Nachfrage wird die Saison wahrscheinlich um den 5. August herum, eine Woche früher als normal, beendet sein. Der Höhepunkt der Saison wird zwischen dem 8. und 11. Juli erwartet, danach nimmt die Produktion ab.

Australien: Prozentuell gesehen höchster Export für Kirschen in diesem Jahr
Der Vorsitzende der Cherry Growers Association erklärte, dass, obwohl die Ernte, wie von den Erzeugern berichtet, zwar auf breiter Front rückläufig sei, die Exporte jedoch im Verhältnis zu dieser geringeren Ernte keinen Rückgang darstellten. Tatsächlich waren die Exporte für den australischen Markt proportional gesehen die höchsten, die es je gab. Dies mache deutlich, dass die Zukunft der australischen Kirschenproduktion vor allem an die der Exportmärkte gebunden sei, so der Vorsitzende.

Neuseeland: Stärkung der Marktposition
In Neuseeland wurde ein neues Unternehmen gegründet: Deep Creek Fruits, um zwei Kirschenentwicklungen in Zentral-Otago zu stärken. Eines der Hauptziele ist es, von der steigenden weltweiten Nachfrage nach Kirschen aus Neuseeland zu profitieren, wobei Summerfruit für die nächsten 20 Jahre ein wertmäßiges Wachstum der Kirschenexporte in Neuseeland von 40 Prozent prognostiziert. Der Sektor hat ein starkes langfristiges Wachstum gezeigt. Deep Creek Fruits wird im Sommer 2021-2022 seine ersten Kirschen von Spitzenqualität auf den globalen Exportmarkt bringen. Die Kirschen werden von Dezember bis Februar geerntet.

Nächste Woche: Übersicht Weltmarkt Orangen


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