Übersicht Weltmarkt Heidelbeeren

Während in den vergangenen Jahren zeitweise Preisdruck auf dem Markt herrschte, sieht es in diesem Jahr ganz anders aus. Aus Spanien gab es aufgrund der Wetterlage und eines Arbeitskräftemangels, im Zusammenhang mit den Maßnahmen rund um das Coronavirus, ein deutlich geringeres Volumen als normal. Italien schafft es nun, die Lücke zwischen Spanien und Polen zu schließen. In den Vereinigten Staaten hat die heimische Saison begonnen, aber im Osten des Landes fürchten die Erzeuger die Konkurrenz aus Kanada und Peru, die später in diesem Sommer auf den Markt kommen wird. In der Zwischenzeit baut Südafrika seine Exporte weiter aus.

Niederlande: Geringere Produktion aufgrund von Nachtfrost erwartet
Derzeit ist der Markt für Blaubeeren in den Niederlanden praktisch leer. Die spanische Heidelbeersaison neigt sich dem Ende zu, und die Mengen und die Qualität sind nicht ganz zufriedenstellend. Noch ein paar Wochen, dann beginnt die niederländische Saison. "In Woche 26 werden die meisten Unternehmen im Süden der Niederlande ernten", sagt ein Anbauer. Er rechnet mit einer deutlich geringeren Produktion. "Als Folge des Nachtfrostes, hauptsächlich ab Mitte Mai, erwarte ich eine um 30 bis 40% geringere Produktion hier in der Region. Die Temperatur um -2ºC war katastrophal. Ein Großteil des Produkts ist erfroren. Die Unterschiede zwischen den Unternehmen werden groß sein. Einige Betriebe haben überhaupt keinen Schaden, andere bis zu 70%. Dasselbe Bild sehen wir in Norddeutschland und Polen. Aus diesem Grund wird es keinen problemlosen Start geben. An Nachfrage nach niederländischen Beeren wird es kaum mangeln. Wir müssen nicht befürchten, dass wir einen Preisfall bekommen. Aber man muss es europäisch sehen, und dann wird genügend Produkt verfügbar sein. Man wird allerdings feststellen, dass die Verpackungseinheiten kleiner werden, wenn weniger Produkt verfügbar ist. Jetzt in der Hauptsaison packen wir normalerweise 500 Gramm ein. Das könnte auf 250 Gramm sinken."

Deutschland: Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage
"Die Nachfrage nach Heidelbeeren auf dem deutschen Markt ist derzeit relativ bescheiden", so beschreibt ein Zulieferer des Einzelhandel den aktuellen Markt. Seit Monaten ist die Nachfrage niedriger als in anderen Jahren. Aufgrund des Mangels an Arbeitskräften und der Wetterlage in den wichtigsten spanischen Anbaugebieten ist das Volumen deutlich geringer als normal. Die Gesamtproduktion liegt etwa 30-40 Prozent unter dem normalen Niveau, wird bestätigt.

Diese Ausnahmesituation wirkt sich hingegen positiv auf den Markt aus. Normalerweise gibt es während der europäischen Saison ein chronisches Überangebot und Preisdruck im Handel. "Jetzt sind Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht, und wir sehen relativ hohe, aber sicherlich nicht astronomische Preise", heißt es.

Angesichts der Ausnahmesituation und der geringen Ernte in Spanien endet die Saison dort früher als normal. Nun verlagert sich der Schwerpunkt auf höher gelegene Anbaugebiete, wie zum Beispiel Südfrankreich. In Frankreich wurden die ersten Blaubeeren geerntet, etwa 10 Tage früher als normal. Die ersten deutschen Blaubeeren werden erst Mitte Juli auf den Markt kommen. 

Hauptlieferanten der deutschen Heidelbeeren sind Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg (in Reihenfolge der Produktion), berichtet das Marktinstitut AMI auf der Grundlage der neuesten Zahlen.

Ganze 55.200 Tonnen Frischware haben die Deutschen im vergangenen Jahr verbraucht und damit rund 20.000 Tonnen mehr als 2018 bzw. 30.000 Tonnen mehr als 2017. Zählt man die TK-Produkte dazu, wurden im vergangenen Jahr sogar 80.000 Tonnen verspeist – pro Kopf fast 1 Kilo.* Heidelbeeren sind nach Erdbeeren (Verbrauch rund 3 Kilo pro Kopf/2019*), die beliebtesten Beeren der Deutschen. (*Quelle: AMI; Destatis)

Frankreich: Ernte hat vor zwei Wochen begonnen
Die Ernte der Blaubeeren läuft in Frankreich seit über zwei Wochen. Die Erzeuger können sich über die Qualität nicht beklagen, aber die Nachfrage ist nicht hoch. Dennoch sind die verfügbaren Mengen aus Frankreich, Spanien und Portugal wichtig. Im Allgemeinen steigt der Konsum von Blaubeeren in Frankreich von Jahr zu Jahr. Das Niveau ist noch nicht das gleiche wie in den meisten nordeuropäischen Ländern, aber es gibt sicherlich einen Markt für Blaubeeren.

Spanien: "Blaubeeren sind dieses Jahr das Flaggschiff der Beerenproduktion"
Glücklicherweise verlief die diesjährige Blaubeersaison in Spanien ganz anders als ursprünglich angenommen, insbesondere angesichts der katastrophalen Saison im letzten Jahr, als in diesem Sektor viel Geld verloren ging. "Heidelbeeren sind zweifellos die diesjährige Leitkultur unter den Beeren", sagt ein Anbauer. Die Preise sind stabil geblieben, was zum Teil dem kalten und regnerischen Wetter im April zu verdanken ist. Dies gewährleistete eine diversifiziertere und stabilere Ernte ohne Sortenüberschneidungen und sicherte die Spitzenproduktion. Die Pflanzer in Huelva arbeiten derzeit mit den späten Blaubeersorten und hoffen, bis Ende Juni weitermachen zu können. Die Länder, in die Spanien exportiert, gehen nicht davon aus, dass sie selbst in der Lage sein werden, große Mengen Blaubeeren auf ihrem eigenen Markt verkaufen zu können, so dass Spanien diese Marktlücke schließen kann.

Italien: Piemont füllt mit der Duke eine Marktlücke
In der Provinz Piemont hat die Heidelbeersaison gerade erst begonnen. Die Nachfrage nach Blaubeeren ist stark und die Qualität des Produkts ist gut, besser als in den vergangenen Jahren. Im Vergleich zur Vorsaison ist der Ertrag pro Hektar etwas geringer, was wahrscheinlich auf den milden Winter zurückzuführen ist. Die wichtigste und am meisten angebaute Sorte ist die Duke. Neben Geschmack, Haltbarkeit und Größe reift die Duke etwa zu der Zeit, wenn Spanien am Ende der Saison steht und Polen noch nicht begonnen hat, damit das italienische Produkt das Regal füllen kann. Das Hauptbestimmungsland für die Blaubeeren ist das Vereinigte Königreich mit 60% der Früchte. Die restlichen 40% gehen an den Binnenmarkt, Deutschland und in die Schweiz.

Ein Großhändler in Norditalien sagt, die Preise für Blaubeeren seien gut. Fast alle Blaubeeren sind italienischer Herkunft. Die Nachfrage ist nicht konstant. Der Markt zeigt daher Höhen und Tiefen. Die Preise variieren zwischen 8 und 10 €/kg. Der Supermarkt hat einen festeren Trend, der sich nach den schwersten Maßnahmen gegen das Coronavirus stabilisiert hat. Der Verkauf an das Gaststättengewerbe wird nach wie vor durch einen Mangel an Tourismus im Land beeinträchtigt.

China: Verkauf als Staude beliebt
Im Allgemeinen hat sich der Markt noch nicht vollständig vom Coronavirus erholt, schon gar nicht bei relativ teuren Früchten wie Blaubeeren. Die Verkäufe gehen recht langsam voran. Im Moment gibt es noch viel Volumen aus Yunnan, obwohl die Saison schon vorbei ist. Darüber hinaus gibt es Blaubeeren aus Liaoning mit sehr konkurrenzfähigen Zahlen und es gibt Blaubeeren aus Shandong. Der Preis für dieses Produkt ist 15% niedriger als im letzten Jahr. Auch Freilandheidelbeeren kommen mit Preisen um 30 RMB/500 Gramm (3,73 €/500 Gramm) auf den Markt. Es gibt einen sich abzeichnenden Trend in China, wo die Blaubeeren wie Trauben an der Staude verkauft werden. Dies ist bei den Verbrauchern beliebt, weil es Frische ausstrahlt.

Südafrika: Exporte um 50% gestiegen
Der südafrikanische Blaubeersektor ist auf dem Vormarsch. Die Exporte sind 2019/2020 im Vergleich zum letzten Jahr um 50% gestiegen. 12.282 Tonnen im Vergleich zu 8.000 Tonnen im Jahr 2019/2018. Für die Saison 2021 wird erneut ein starker Anstieg der Blaubeerexporte auf 17.000 Tonnen und 2022 ein weiterer Anstieg auf 25.000 Tonnen erwartet. Man erwartet, dass dieses starke Wachstum sich innerhalb von 5 Jahren etwas abflachen wird.

Das neue Joint Marketing Forum für den südafrikanischen Verband der Beerenproduzenten hatte kürzlich ein Treffen, um die Vermarktung und Logistik der Heidelbeeren zu diskutieren. Nach Meinung einiger Kenner ein Zeichen dafür, dass der Sektor reift. Die südafrikanische Ernte wird innerhalb eines Monats im Norden des Landes beginnen.

Vereinigte Staaten: Durchschnittliche Mengen erwartet
Die Mengen an Blaubeeren sind gut, aber die Nachfrage auf dem US-Markt verzeichnet Höhen und Tiefen, was hauptsächlich auf das Coronavirus zurückzuführen ist. Ein Produzent weiß, wie man diese Schwankungen in Worte fassen kann: "März war ein guter Monat für Blaubeeren, April war dramatisch und Mai war nicht so gut wie März, aber sicherlich besser als April". Im April trafen viele Blaubeeren aus Mexiko und Georgia ein und auch Florida hatte eine gute Ernte. Auch das Kaufverhalten der Verbraucher war wegen des Coronavirus sehr unterschiedlich, und es gab eine starke Konkurrenz von den Erdbeeren.

Kalifornien befindet sich jetzt auf dem Höhepunkt der Ernte, und es wird noch etwa zwei Wochen dauern. Die Erzeuger merken an, dass diese Saison eine der besten seit langem ist und es eine große Nachfrage nach den Blaubeeren gibt. Das Volumen ist mit dem des letzten Jahres vergleichbar. Auch North-Carolina und Georgia sind nun mit den späteren Sorten auf dem Höhepunkt ihrer Lagerbestände. Die Nachfrage nach Blaubeeren ist trotz des Coronavirus nach wie vor stark und auch die Verpackung (Schalen) tragen dazu bei, dass die Verbraucher die Blaubeeren kaufen. In den letzten vier Wochen wurde auf dem Markt ein überdurchschnittlich hoher Preis verzeichnet, was das Gegenteil der Wochen zuvor ist.

Nach Kalifornien verlagert sich der Anbau nach Oregon, wo ebenfalls hohe Erwartungen an die diesjährige Ernte bestehen. Die Erzeuger erhoffen sich bessere Preise, da ihr Selbstkostenpreis gestiegen ist und der kanadische Dollar an Wert verloren hat. Auch in New-Jersey und Michigan wird die Ernte beginnen, aber dort befürchtet man niedrigere Preise auf dem Markt aufgrund von Importen aus Kanada und Peru an der Ostküste der USA. Es wird erwartet, dass in diesem Jahr auch Peru früher als im letzten Jahr mit Blaubeeren auf den Markt kommt und dass dies den Druck auf dem Markt erhöhen wird.

Australien: Sektor ergreift Maßnahmen zur Behebung des Umsatzdefizits
Aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus in Australien erwartet Berries Australia einen Verlust von 30 Millionen AUD (18,3 Millionen EUR) im Verkaufswert der Blaubeeren. Um darauf zu reagieren, hat der Sektor eine freiwillige Gebühr eingeführt, die sich an die großen Käufer von Blaubeeren richtet, und versucht, den Markt im eigenen Land zu schützen. Heidelbeeren werden das ganze Jahr über in verschiedenen Regionen angebaut. Im Winter verlagert sich die Produktion nach New South Wales. Die Produktion war 2019 im Vergleich zu 2018 um 13% auf 19.008 Tonnen gestiegen. Der Wert stieg um 10%. Der Export von Heidelbeeren ging um 9% auf 201 Tonnen zurück, aber der Wert stieg um 8%. Eine kleine Menge von 1.555 Tonnen wird importiert, hauptsächlich aus Neuseeland.

Nächste Woche: Übersicht Weltmarkt Melonen


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