Mart Valstar (Best Fresh) über den Einfluss des Coronavirus auf den Obst- und Gemüsesektor:

"Trotz all der Begrenzungen, finde ich meinen leeren Terminkalender irgendwie beruhigend"

Mart Valstar, Geschäftsführer von Best Fresh, schreibt jede Woche für seine Kollegen in den Niederlanden, das sind Unternehmen wie ABC Logistics, Bioworld, Eminent, Sous Fresh, Valstar und Yex, ein Corona-Update. Das Update aus dieser Woche wird allerdings das letzte sein. "Ich denke, es ist Zeit aufzuhören. Der größte Schock ist vorbei und das, was wir jetzt erleben, ist eben das 'neue normal'", so Valstar. 

Das "neue normal" wird allerdings viele Konsequenzen mit sich bringen. "Die Regeln werden jetzt schrittweise gelockert und die Gesellschaft wird wieder auf die Füße kommen. Aber es ist natürlich ein großer Rückschlag, den wir jetzt nach und nach aufarbeiten müssen. Wir müssen auch lernen, mit der Unsicherheit umzugehen. Die größte offene Frage ist natürlich, wie wir mit dem Virus umgehen sollen."


Mart Valstar

Auswirkungen von Corona 
Auf die Frage hin, was mögliche Langzeitfolgen des Coronavirus sind, sagt der Best Fresh Geschäftsführer: "Ich denke, dass es weniger Schlangen geben wird. Außerdem denke ich, dass das E-Commerce Geschäft größer werden wird. Dabei wird es allerdings voraussichtlich einen Unterschied zwischen B2B und B2C geben. Ich denke, dass viele Kunden wegen Sicherheitsbedenken jetzt online bestellen. Viele wollen nicht in die Supermärkte gehen. Aber ich denke auch, dass sich das wieder einpendeln wird. Irgendwann gehen die Verbraucher wieder öfter einkaufen. Noch eine Folge des Coronavirus: Entgegen des Nachhaltigkeits-Trends sind Plastik-Verpackungen wieder sehr gefragt. Das ist allerdings nicht überraschend. Die Verbraucher wollen saubere Produkte. Aber ich denke, dass auch das nur ein kurzfristiger Trend ist."

"Der Einzelhandelssektor boomt seit Corona. Die anderen Verkaufskanäle hingegen stehen eher hinten an. Das sieht man überall. Die Supermärkte können von der Situation profitieren und das ist auch gut so. Sie haben sehr hart dafür gearbeitet. Die Gastronomie hingegen leidet unter der Krise. Auch sie verdient ein Einkommen. Viele Restaurants haben sich umgestellt und bieten jetzt einen Take-Away Service an. Aber ich denke, dass sie dadurch nur einen Bruchteil ihrer Einbußen ausgleichen können und das zu kleinen Gewinnmargen. Ich finde es schwierig, die langfristigen Folgen für die Gastronomie einzuschätzen."

"Auch das Home Office wird eine ganz andere Rolle spielen. Wir als Sektor hinken, was das angeht, ein bisschen hinterher. In den vergangenen Jahren haben wir stark in unser ICT System investiert. Ich persönlich habe das immer zu teuer gefunden. Aber das zahlt sich in so Zeiten wie jetzt natürlich aus. Es funktioniert einwandfrei, auch von Zuhause aus. Wir haben deswegen viele unserer Mitarbeiter inzwischen im Home Office", erklärt Mart.

"Unsere Mitarbeiter dürfen aber auch reinkommen und hier arbeiten, solange sie sich an die Auflagen des niederländischen Gesundheitsministeriums halten. Es gibt wirklich Unterschiede. Einige arbeiten lieber von Zuhause aus, andere wollen so schnell wie möglich zurück ins Büro. Das kommt immer auf die Lebensumstände der Mitarbeiter an."

Der leere Terminkalender ist beruhigend
Mart selber kommt immer ins Büro - auch wenn es leer ist. "Mein Terminkalender ist seit einigen Wochen ziemlich leer, aber ich muss sagen: ich finde das ziemlich beruhigend. Ich habe viel über früher nachgedacht. Damals warst du arbeiten und dann bist du nach Hause gegangen. Heute gibt es noch so viele Dinge neben der Arbeit und deshalb finde ich die Wochen im Moment sehr entschleunigend. Ich habe nie darüber nachgedacht, aber irgendwo haben die leeren Straßen ja auch was positives."

Die Best Fresh Unternehmen haben sehr unter Corona gelitten. "Das größte Problem von Eminent ist, dass das Unternehmen einen Großteil seines Umsatzes in der Gastronomie Industrie macht. Deshalb haben sie im Moment natürlich hohe Einbußen. Sie beliefern auch traditionelle Großhändler. Allerdings haben in dem Bereich die Beschränkungen des Lufttransports Auswirkungen. Yex merkt das vor allem bei den Importen von exotischem Obst und Valstar bekommt es bei den Gemüseverkäufen zu spüren", erklärt Mart.

"Ich bin mir aber darüber bewusst, dass unsere Industrie trotz der ganzen Einschränkungen noch verhältnismäßig gut läuft. Es gibt noch immer große Probleme in den Krankenhäusern und in Kranken- und Pflegeheimen. Wenn man nicht in diesen Branchen arbeitet, dann kommt man damit gar nicht in Berührung. Für den Blumen Sektor hat das natürlich auch Auswirkungen. Die Preise müssen wieder steigen und es wird wohl noch dauern, bis der Hortikultur-Sektor wieder läuft."

Valstar spricht in den höchsten Tönen von der Regierung: "Sie haben uns sehr gut unterstützt. Ich habe allerdings ein wenig Angst, wie sich alles entwickeln wird. Denn mit jeder neuen Maßnahme wird es natürlich noch komplizierter. Im Moment bleibt mir nichts anderes, als danke zu sagen. Das gilt natürlich auch für Organisationen wie VNO NCW und GroentenFruit Huis. Sie haben uns Zeiten der Krise sehr geholfen. Was ich meinen Mitstreitern in der Branche wünsche? Dass wir alle gesund bleiben. Esst mehr Gemüse!"  

www.bestfreshgroup.com


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