Oron Ziv von Befresh Europe:

"Es ist schwierig, gute Margen im Obstexportgeschäft einzufahren"

"Letzten Endes sind wir ein Exportunternehmen. Wir arbeiten eng mit den Erzeugern zusammen. Wenn es eine schlechte Saison ist, beeinträchtigt uns das auch. Wenn wir unseren Job gut machen und keine großen Probleme haben, sollte jede Saison für uns okay sein. Man kann keine enormen Geldbeträge damit verdienen."

Neu gepflanzte Grapefruit

Obstexporteure müssen vorsichtig sein
"In Bezug auf Avocados ist es eine echte Off-Saison. In der momentanen Situation ist es besser, einen Schritt zurückzugehen. Die Chancen, Geld zu verlieren, sind größer als die, Geld zu verdienen", sagt Oron.

"Israels Produktion war dieses Jahr viel niedriger als letztes. Zusammen mit den momentanen hohen Preisen ist es für uns ein sehr riskantes Geschäft geworden. Wir sind deshalb vorsichtig."

"Bei den Mangos ist es auch eine ziemlich gute Saison. Dieses Jahr war zwei komplett unterschiedliche Saisons in einem. Im Juli/August war der Mangomarkt wirklich gut. Ab Anfang September brachten die Brasilianer massive Mengen auf den Markt. Er kollabierte komplett."

Fokus auf Zitrusfrüchte
"Zitrusfrüchte bleiben unser stabiles Hauptgeschäft. Natürlich ging mehr von dem Produkt an Europa, als die Grapefruitpreise letztes Jahr hoch waren. Dieses Jahr haben sie anscheinend ihre Preise reduziert. Wir hoffen, dass wir bessere Exportpreise erreichen. Aber weil wir gerade erst anfangen, ist es noch zu früh, um das genau zu sagen."

Der Grapefruitmarkt dieses Jahr
"Es würde im September keine Grapefruit geben, hatte jeder gesagt. Es sollte das beste Jahr aller Zeiten werden. Der September kam und niemand wollte eine einzige Box israelischer Grapefruit anfassen. Der Markt war voll mit dem südafrikanischen Produkt. Viele Erzeuger im Land haben ihr Obst zurückgehalten. Viele niederländische und französische Händler haben auch ihre Lagerbestände zurückgehalten. Das alles in Erwartung eines guten Markts im September", fährt er fort.

"Dann im September sah jeder, dass es keinen Grapefruitmangel gab. Der Markt war voll. Bis jetzt gibt es immer noch keine gute Nachfrage nach israelischer Grapefruit. Und es ist bereits November. Darum sage ich, dass niemand weiß, was passieren wird. Alles ist Spekulation. Wenn man kein gutes Programm mit Einzelhändlern besitzt, denen man vertrauen kann, hat man keine Chance."

Sunrise-Grapefruit-Obstgarten

Gemäßigte Erwartungen an Orri
Oron sagt, dass man nicht all diesen Zahlen glauben sollte, die vor der Saison verkündet werden. "Ich habe mit diversen großen spanischen Produzenten auf der Fruit Attraction gesprochen. Es gibt in dem Land leicht weniger Clementinen und Mandarinen. Aber nur zwischen 15 bis 20% weniger, nichts Dramatisches. Israel hatte auch weniger Orri, aber das ist auch nicht deutlich weniger. Früher dachten die Leute, dass es diese Saison keine Orri geben wird, weil die Bäume leer waren. Aber jetzt, wo die Saison naht, sehen die Menschen, dass die Bäume nicht so leer sind. Man kann nicht wirklich vorhersagen, wie die Saison jetzt fortschreiten wird."

"Die Vorhersagen prophezeien eine gute Saison. Aber die letzten Wochen des letzten Jahres waren sehr gut. Die Erzeuger, die es geschafft haben, ihre Orri vor Dezember zu ernten, haben gute Preise erhalten. Diese Preise sind aber alle im Januar abgestützt. Deshalb weiß ich nicht, wie die Situation dieses Jahr sein wird. Sehen wir uns zum Beispiel die Grapefruit an. Im Juni/Juli hatten die Menschen den Eindruck, dass die südafrikanische Saison bereits endet."

"Die Orri-Anbaufläche schrumpft auch, nicht im großen Stil, aber es beeinflusst bereits die Saison. Sogar wenn ein Erzeuger Geld verliert, muss er eine Art Prozess durchlaufen, bevor er sich entscheidet, seine Anbaufläche zu reduzieren. Es dauert 7-8 Jahren, bevor die Bäume voll produzieren, deshalb ist es nicht einfach, zurückzufahren."

"Vor zehn Jahren als die Orri so ein Verkaufsschlager war, ist jeder auf den Zug aufgesprungen. Die Menschen pflanzten Orri in Gegenden, die nicht ideal waren für Easy-Peeler. Sie hatten nicht immer das Wissen oder die Erfahrung, Orri anzubauen. Die Preise sind seitdem auf ein vernünftiges Niveau gefallen. Diese Erzeuger waren die ersten, die ausgestiegen sind."

Oron sagt, das Wichtigste, wenn man überlegt, eine Zitrussorte zu pflanzen, ist, eine auszuwählen, die eine gute Ernte einbringt. "Eine, die für die eigene Farm und die Gegend geeignet ist", sagt er abschließend.

Rote Pomelo

Orri-Saison kann nur besser werden
"Ich stehe den Orri nicht negativ gegenüber", betont er. "Es kann nur eine bessere Saison als die letzte werden. Es scheint, dass weniger Obst verfügbar ist, nicht nur aus Israel, sondern auch aus anderen Regionen. Obwohl, wenn man das israelische Gesamtvolumen betrachtet, in einem sehr großen Jahr um die 90.000 Tonnen exportiert werden. Wenn es ein schlechtes Jahr ist, werden es zwischen 50.000 und 55.000 Tonnen sein. Trotzdem, wenn man das ins Verhältnis zu dem gesamten Easy-Peeler-Markt in Europa setzt, ist es nichts. Aber wenn Spanien wirklich signifikant weniger hat, sollte es besser sein."

Regulative Herausforderungen
"Jetzt werden die phytosanitären Vorschriften immer strikter. Vor allem bei den Zitrusfrüchten und Granatäpfeln. Jedes Jahr gibt es eine neue Krankheit oder einen neuen Schädling. Der Neuste ist die Aprikosenfliege. Man muss die Herkunft jeder Palette markieren. Und wenn sie aus sogenannten gelben Gegenden stammt – die Gegenden, die vermutlich von diesen Krankheiten betroffen sind – dann müssen sie viel gründlicher überprüft werden. Das gilt nur für die EU. Andere Märkte sind noch weniger strikt."

"In Europa ist das System auch viel straffer geworden dank dieser neuen Regulationen, die ich erwähnt habe. Diese neuen Regeln sind manchmal Quatsch. Manchmal lehnen sie einen gesamten Container ab, weil ein kleines Blatt nicht korrekt geschnitten war."

Oron betont: "Aber das sind die Regeln. Manche Eintrittshäfen weisen auch mehr Container zurück als andere. Man muss auch die Einzelhändler beruhigen, die nicht Teil von politischen Problemen sein möchten, dass man kein Obst aus Konfliktgebieten mitbringt. Aber das ist es auch. Sie möchten nichts weiter wissen. Es ist eigentlich eine ziemlich komplizierte Sache. Die Grenze zwischen besetzten und nicht besetzten Gebieten ist nicht immer klar. Dann fängt man an, sich um die Politik zu kümmern und nicht die Frucht."

Sunrise- Grapefruit am Baum

Steigende Betriebskosten
"Seefracht ist und bleibt der günstigste Weg, Güter zu transportieren. Aber beachten Sie, je günstiger die Reedereien, desto weniger verlässlich. Wenn man keine dringende Cargo hat, kann man den günstigsten Transporteur wählen. Man weiß, dass es länger dauern wird. Wegen der Empfindlichkeit der Produkte riskieren wir nichts. Sie müssen pünktlich sein. Die Verluste, die durch Qualitätsprobleme entstehen könnten, sind viel höher als das, was man extra zahlt."

"Wenn man die Arbeitskosten in Israel mit denen in Marokko und Ägypten vergleicht, sind diese dort viel niedriger. Dann gibt es noch die momentane Situation. Der lokale Schekel ist vielleicht eine der stärksten Währungen der Welt. Trotz der andauernden Spannungen in der Region. Es ist sehr schwierig, in diesem Geschäft gute Margen einzufahren."

"Wir haben unsere Reise 2005 in Europa begonnen. Damals lag der Schekel-Euro-Wechselkurs bei 5,5. Zu seinen Höchstzeiten erreichte er sogar 5,8. Jetzt liegen wir bei 3,8. Obwohl die Preise in Europa sich nicht stark geändert haben", sagt Oron. "Man würde jetzt zum Beispiel eine Box Grapefruits für fast das Gleiche bekommen wie damals. Man müsste vermuten, dass, wenn man 15€ für eine Box bekam, man jetzt 30€ bekommt. Nein, wenn es ein gutes Jahr ist, bekommt man 16/17€. Wenn es ein schlechtes Jahr ist 13/14€", erklärt Oron.

Alternativmärkte
"Unser Partnerunternehmen BeFresh Russia tätigt viele Geschäfte in Russland. Wenn man sich die Volumina ansieht, fällt auf, dass es gut läuft. Andererseits gibt es ein paar Produkte, für die man keine andere Wahl hat, gäbe es den russischen Markt nicht. Das sind Produkte wie Paprika, Radieschen, Sellerie und Karotten. Europa nimmt manchmal Karotten, aber das meiste geht nach Russland."

"Die Paprikasaison hat gerade erst vor drei, vier Wochen begonnen. Sie beladen bereits 80-100 Container pro Woche mit diesen Produkten. Der ganze Handel von hier nach Russland geschieht in Dollar, weshalb er nicht von dem sinkenden Wechselkurs dort betroffen ist. Aber im Endeffekt bezahlen die russischen Haushalte alle in Rubel, also kostet es viel."

"Wir liefern die letzten drei, vier Jahre Erzeugnisse nach Asien. Dieses Jahr liefern wir mehr als je zuvor nach Asien im Allgemeinen. Das umfasst Südkorea, China, Singapur und Hongkong. Wir liefern sogar an Australien. Der asiatische Markt unterscheidet sich komplett vom europäischen. Wir handeln dort hauptsächlich mit unseren westlichen Partnern. Der ganze Papierkram ist viel komplizierter. Das muss alles bis auf den letzten Buchstaben korrekt sein", sagt Oron.

Für mehr Informationen:
Oron Ziv
BeFresh Europe
Tel: +972 4 6191736
Email: oron@befreshcorp.net
www.befreshcorp.net 


Erscheinungsdatum:
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