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Laurens Maartens, NBWM:

Brexit: May taumelt und der Pfund purzelt

 

Vorgestern schien ein Brexit-Abkommen in Reichweite zu sein. Jetzt vergrößert sich die Chance, dass Großbritannien die Europäische Union bald ohne angemessene Vereinbarungen verlassen wird. Auf dem Devisenmarkt wurde die Wiederauflebung des Pfunds laut Laurens Maartens von der NBWM zu einem schmerzhaften Gleitflug.

Das Brexit-Chaos ist wieder komplett. Etwas mehr als 24 Stunden nachdem ein ordentlicher Austritt aus der Europäischen Union einen Schritt näher gekommen zu sein schien, sei eine Vereinbarung jetzt weiter entfernt als je zuvor. Der britische Premierminister May hat am Dienstag mit der EU eine Einigung über die Bedingungen des Brexit erzielt. Zuvor schien sie am Mittwoch die Unterstützung ihrer eigenen Regierung zu erhalten. So waren zwei der wichtigsten drei Hürden genommen.

May taumelt
Beim Sprung über die zweite Hürde wurde sie jedoch aus dem Gleichgewicht gebracht. Es ist sehr gut möglich, dass May fällt, bevor sie die dritte Hürde erreicht: Unterstützung für die Vereinbarung vom Unterhaus bekommen. Am Donnerstagmorgen stellte sich nämlich heraus, dass sich die Regierung hinsichtlich des Brexit-Abkommens weniger einig ist als May zuvor andeutete. Brexit-Minister Daniel Raab hat seinen Rücktritt angekündigt. In seinen Augen bedroht die Vereinbarung die Einheit Großbritanniens.

Den Wählern in die Augen schauen
Es wird keine harte Grenze zu Irland geben, während zwischen Nordirland und dem Festland wohl kontrolliert werden muss. Darüber hinaus kann es lange dauern, bis das Land die Beziehungen zur EU endgültig abbrechen kann. Wenig später trat auch Arbeitsministerin Esther McVey zurück. Sie würde den Wählern nicht mehr in die Augen schauen können, wenn sie der Vereinbarung zustimme.

Misstrauensantrag
Der Druck wurde noch größer, als Jacob Rees-Mogg am Donnerstag nachmittag einen Misstrauensantrag gegen May einreichte. Es ist nochmal die Frage, ob er aus dem Parlament ausreichend Unterstützung erhalten wird. Auch wenn dies gelingt, bleibt abzuwarten, ob eine Mehrheit im Unterhaus die Premierministerin absetzen will. In diesem Fall sind Neuwahlen fast unvermeidlich, während der Brexit-Tag am 29. März immer nähere kommt.

Riesenunterschied
Aufgrund der zunehmenden politischen Unsicherheit ist der Kursgewinn des Pfunds vollständig verschwunden. Nach den Nachrichten über das Abkommen mit der EU stieg die Währung gegenüber dem Euro um fast 1%. Am Donnerstag fiel das Pfund jedoch um 2%. Diese Art von Preisbewegungen dürfte in den kommenden Wochen häufiger auftreten. Der Unterschied in den wirtschaftlichen Auswirkungen zwischen einem Brexit mit guten Vereinbarungen und einem Abzug ohne Vereinbarung ist immerhin sehr groß.

Pfund: alles oder nichts
Dieser Unterschied zeigt sich bei einer Tour durch Währungsspezialisten, die das britische Fondshaus Schroders kürzlich gemacht hat. Bei einem Brexit ohne gute Vereinbarungen beträgt der erwartete Wechselkurs mit dem Dollar 1,10 bis 1,15. Bei einer festen Vereinbarung liegt das bei etwa 1,40. Derzeit liegt dieser Wechselkurs übrigens bei 1,28. Das Scheinmanöver vergangenen Tage ist nur ein Vorgeschmack auf das, was kommen wird: Der Pfund wird in den kommenden Monaten seine Richtung festlegen.

Laurens Maartens (laurens.maartens@nbwm.nl) ist ein Währungsexperte bei der Nederlandsche Betaal & Wisselmaatschappij. Er begann seine Karriere 1998 bei der Schweizer Bank UBS. Seitdem hat er bei verschiedenen Parteien im In- und Ausland gearbeitet. Er kommentiert die aktuellen Währungsentwicklungen in Zeitungen, auf Websites und im Radio. Darüber hinaus bietet er Vorträge und Schulungen für Unternehmer im Bereich Währungsmanagement an. Diese Kolumne spiegelt seine persönliche Meinung wider. Diese Informationen sind nicht als professionelle Anlageberatung oder als Empfehlung für bestimmte Investitionen über die Nederlandsche Betaal & Wisselmaatschappij NV gedacht.


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