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Costa Rica-Special: EARTH-Universität

Wo Bananenproduktion auf Hochschulbildung trifft

Kann ein Obsthandelsunternehmen gleichzeitig Hochschulbildung anbieten? Ja, das ist möglich. Die EARTH University in Costa Rica beweist es. Dort werden Bananenanbau und -export mit einem Bildungsauftrag kombiniert, der auf nachhaltigen Anbau, Innovation und Führungskompetenz ausgerichtet ist.

EARTH bietet einen vierjährigen Bachelor-Studiengang in Agrarwissenschaften an. "Wir haben mehr als 400 Studierende, die die Führungskräfte von morgen werden. Sie kommen aus rund 40 Ländern in Nord- und Südamerika, der Karibik und Afrika. 52 % sind Frauen" sagt Fernando Gil, CEO von EARTH Ventures, dem kommerziellen Zweig der Universität.

© EARTH Ventures

Etwa ein Viertel der Studierenden kommt aus Afrika, unter anderem dank eines Stipendienprogramms der Mastercard Foundation. "Mehr als 90 % der Studierenden erhalten finanzielle Unterstützung", fügt Gil hinzu.

Bananen als Botschafter
Die kommerziellen Aktivitäten von EARTH sind keine Nebensache. Sie stehen sowohl im Finanzmodell als auch in den Werten der Einrichtung im Mittelpunkt. Durch diese Aktivitäten werden die Kernwerte in die Praxis umgesetzt, insbesondere Nachhaltigkeit und gesellschaftliches Engagement. EARTH Ventures trägt zum jährlichen Betriebsbudget der Universität bei. "Unsere Bananen sind Botschafter unserer Mission", sagt Adrián Jiménez, Manager für kommerziellen Anbau.

© FreshPlaza
Adrián Jiménez, Leiter des kommerziellen Anbaus, und Fernando Gil, CEO von EARTH Ventures, dem kommerziellen Zweig der EARTH-Universität

Das Landgut von EARTH liegt in der Provinz Limón und umfasst 3.376 Hektar. Davon sind 450 Hektar mit Bananen bepflanzt. Der Ertrag liegt bei rund 1,1 Millionen Kartons pro Jahr, alle der Sorte Cavendish. Der wichtigste Markt sind die Vereinigten Staaten, wo Whole Foods Market seit mehr als 23 Jahren der größte Kunde von EARTH ist. "Es ist ein sehr wichtiger Partner, nicht nur für die kommerziellen Aktivitäten, sondern für die gesamte Universität", sagt Jiménez.

Der zweitwichtigste Markt ist Deutschland, über eine Zusammenarbeit mit der Supermarktkette EDEKA. "Alle Gewinne aus diesen Aktivitäten fließen in Stipendien für Studierende und das Betriebsbudget von EARTH. Außerdem schaffen wir Arbeitsplätze in den umliegenden Gemeinden: mehr als 300", betont Gil.

Eine Universität wie keine andere
EARTH wurde 1986 als internationale, nicht-kommerzielle private Einrichtung gegründet. Der Ursprung liegt in einer gemeinsamen Initiative der Regierungen von Costa Rica und den Vereinigten Staaten in den turbulenten 1980er Jahren, einer Zeit bewaffneter Konflikte in Mittelamerika. Der damalige Präsident Costa Ricas hatte eine klare Botschaft an Washington: Die Region brauchte keine Waffen, sondern Bildung. "Indem wir zukünftige Führungskräfte ausbildeten, die ihre Gemeinden zum Besseren verändern würden, konnten wir wirklich etwas für die Region bewirken", erzählt Jiménez über die Geschichte der Einrichtung.

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Das Zulassungsverfahren ist äußerst selektiv: Jährlich gehen mehr als 1.000 Bewerbungen aus über 50 Ländern ein, für etwa 120 Plätze. Die Bewerber werden sowohl einzeln als auch in Gruppen in ihrem eigenen Land interviewt. Dabei werden Eigenschaften berücksichtigt, die sich in einem akademischen Test nur schwer messen lassen, wie Führungspotenzial und persönliche Werte. "Wenn man Ernährungssysteme verändern will, ist Führung unerlässlich."

Der Lehrplan spiegelt diesen Anspruch wider. Die Studierenden haben sechs Tage pro Woche Unterricht, elf Monate im Jahr. "Das Programm vermittelt den Studierenden Wissen und Fähigkeiten im Bereich nachhaltiger Anbau und verantwortungsvoller Umgang mit natürlichen Ressourcen", erklärt Gil. "Außerdem lernen sie, als Unternehmer Chancen zu schaffen und Lösungen für reale Probleme zu finden. Das macht EARTH-Absolventen zu vollwertigen Fachkräften."

Ein bahnbrechendes Nachhaltigkeitsprojekt
Etwa 20 % der Bananenplantagen von EARTH werden nach einem speziellen Programm bewirtschaftet, das gemeinsam mit der deutschen Supermarktkette EDEKA und dem World Wildlife Fund (WWF) entwickelt wurde. In diesem Gebiet werden regenerative Anbaumethoden getestet: weniger Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Alternativen zur Bekämpfung von Nematoden, Erhalt der Biodiversität, Reduzierung der Treibhausgasemissionen und bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten.

© FreshPlaza

Das Ziel, wie Jiménez es beschreibt, ist es, einen Mittelweg zwischen konventionellem und biologischem Bananenanbau zu finden. "Biologischer Anbau eignet sich nicht für alle. Aber die Art und Weise, wie wir derzeit Bananen anbauen, ist auf lange Sicht ebenfalls nicht nachhaltig. Wir müssen eine Alternative finden", sagt der Manager für den kommerziellen Anbau.

Ein vollständig biologischer Anbau ist im feuchten tropischen Klima größtenteils nicht realisierbar, doch die konventionellen Methoden werden immer problematischer. Das Projekt soll ein Vorbild für die gesamte Branche sein.

Die wirtschaftliche Herausforderung ist jedoch groß. Die Verbraucher davon zu überzeugen, dass dieser Ansatz einen höheren Preis rechtfertigt, ist nicht einfach. "Wenn man einen Supermarkt betritt, entscheidet man innerhalb weniger Sekunden, was man kauft. Das geschieht fast automatisch", sagt Jiménez. Um den Verbrauchern die Botschaft der Nachhaltigkeit zu vermitteln, benötigt man die richtigen Handelspartner: Akteure, die die Mission von EARTH wirklich verstehen und teilen.

© EARTH Ventures

Krankheiten: die größte Bedrohung
Was den Anbau betrifft, scheut sich Jiménez nicht, die Bedrohungen für den Bananensektor beim Namen zu nennen. Black Sigatoka ist derzeit das dringlichste Problem in Costa Rica. "Der Pilz hat sich angepasst. Die aktuellen klimatischen Bedingungen sind sehr günstig für den Pilz, und wir haben immer weniger Mittel, um ihn zu bekämpfen. Das grundlegende Problem ist, dass der weltweite Bananensektor zu klein ist, um große Investitionen in neue Pilzbekämpfungsmittel anzuziehen. Die meisten Mittel, die derzeit eingesetzt werden, stammen aus anderen Kulturen. Es gibt keine neuen Wirkstoffe, und die traditionellen Alternativen verlieren zunehmend an Wirksamkeit." Die einzige langfristig tragfähige Lösung sind laut Jiménez resistente Sorten.

Costa Rica ist bislang frei von der Krankheit Fusarium Tropical Race 4. Doch Jiménez macht sich keine Illusionen. "Wir sind die Nächsten. Das steht fest." Er sieht drei unverzichtbare Antworten: resistente Sorten, strenge organisatorische Disziplin und gesunde Böden.

© EARTH Ventures

In Bezug auf Moko konnte EARTH selbst die Fallzahlen innerhalb von sechs Jahren um 90 % senken, indem konsequent Protokolle befolgt wurden. Zudem steht die Universität kurz vor der Installation von Bioreaktoren zur Herstellung biologischer Mischungen gegen Nematoden. "Unsere tropischen Böden schwächen sich Jahr für Jahr ab. Die Wurzelsysteme sind in einem schlechten Zustand. Wir müssen in großem Umfang nützliche Mikroorganismen hinzufügen, um den Boden wieder in seinen früheren natürlichen Zustand zu versetzen", so Jiménez.

Es gibt Platz für einen weiteren Kunden
EARTH sucht aktiv nach neuen Handelspartnern in Europa. Jiménez glaubt, dass es Platz für einen weiteren großen Kunden gibt, vorzugsweise einen Einzelhändler mit einer starken Nachhaltigkeitsvision und einem Kundenstamm, der Wert auf die Geschichte hinter dem Produkt legt, nicht nur auf den Preis. EARTH nahm 2025 über Procomer, die costa-ricanische Exportförderungsagentur, an der Fruit Logistica teil, vor allem um die Beziehung zu EDEKA zu stärken. Die Teilnahme an Messen steht auch für die Zukunft auf der Agenda.

"EARTH verkauft nicht einfach nur Bananen", so Jiménez abschließend. "Es verkauft ein Modell – aus Bildung, Nachhaltigkeit, gesellschaftlicher Wirkung und verantwortungsvollem Anbau –, das zufällig auch sehr gute Bananen hervorbringt. Hinter unseren Bananen steckt eine starke Geschichte."

Weitere Informationen:
Adrián Jiménez Zúñiga (Commercial Crops Manager EARTH Ventures).
EARTH-Universität
Costa Rica
Tel.: +506 8315-4816
[email protected]
www.earth.ac.cr

Fernando Gil (Geschäftsführer EARTH Ventures)
Tel.: +506 2713-0000
[email protected]

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