In Südeuropa setzen heftige Stürme und starke Regenfälle die Versorgung mit Bio-Obst und -Gemüse unter Druck. Nach Angaben des niederländischen Obst- und Gemüsegroßhändlers Udea wurde die Ernte von Kulturen wie Paprika und Tomaten beeinträchtigt, und Gewächshäuser sowie die Transportinfrastruktur wurden beschädigt. Auf dem niederländischen Markt wirkt sich dies auf Verfügbarkeit, Preise und Qualität aus. „Das Angebot schwankt und ist manchmal begrenzt. Wir sehen zwar keine leeren Regale, müssen aber in Bezug auf Sorten und Qualität flexibler sein", sagt René Oosting, Koordinator für Frischprodukte, und verdeutlicht damit die Auswirkungen.
Sind extreme Bedingungen die neue Normalität?
René sagt, die jüngsten Wetterbedingungen seien ungewöhnlich, aber nicht einmalig. „Wir erleben zunehmend extremes Wetter, nicht nur in Spanien und Italien, sondern auch in anderen Anbaugebieten." Das hat erhebliche Folgen: Ernteausfälle, beschädigte Gewächshäuser und eine kürzere Haltbarkeit aufgrund hoher Luftfeuchtigkeit. „Es ist schwer vorherzusagen, was verfügbar sein wird und wie lange die Produkte haltbar sind", sagt René. Die Extreme überraschen selbst erfahrene Erzeuger. Sie könnten in stabilere Gewächshäuser investieren, doch das ist kostspielig und bringt nicht sofort höhere Erträge.
© Udea
Schäden durch extremes Wetter in Südeuropa
Diese Störungen bedeuten höhere Preise und schwankende Qualität. „Wenn es auf dem konventionellen Markt zu Engpässen kommt, sind auch Bio-Produkte schnell vergriffen." Das könnte den Druck auf die Lieferungen noch weiter erhöhen. Und die Preise steigen spürbar. „Gurken sollten etwa 0,60 EUR mehr pro Stück kosten", erklärt René. Um die Verfügbarkeit zu sichern, akzeptieren sie manchmal auch Abweichungen von den Standardgrößen.
Partnerschaften mit Erzeugern sind entscheidend
Udea legt großen Wert auf langfristige Beziehungen zu den Erzeugern. „Keine kurzfristigen Verträge, sondern eine Zusammenarbeit über mehrere Jahre." Das gibt den Erzeugern die nötige Sicherheit, um beispielsweise in Gewächshäuser und Anbaumethoden zu investieren. Neben Absatzgarantien unterstützt Udea seine Erzeuger durch Wissensaustausch und praktische Hilfe. Beispiele hierfür sind der Austausch unter Erzeugern und Investitionen in nachhaltige Technologien wie Solaranlagen und Tropfbewässerung auf den Anbauflächen. „Es geht darum, Perspektiven zu bieten und gemeinsam ein zukunftssicheres Anbausystem aufzubauen", sagt Oosting.
Lehren für die Branche
Die Situation verdeutlicht die Notwendigkeit, sich an den Klimawandel anzupassen. „Extremwetterereignisse treten immer häufiger auf. Die Branche muss zusammenarbeiten, um ihre Widerstandsfähigkeit zu erhöhen." Eine offene Kommunikation zwischen Erzeugern, Händlern und Einzelhändlern ist unerlässlich. René plädiert zudem für weniger starre Unterscheidungen zwischen Bio und konventionell, um einen besseren Wissensaustausch zu ermöglichen.
Diese Umbrüche rücken die Wahl zwischen Importen und lokaler Produktion in den Mittelpunkt. „Wenn Importe unsere Nachhaltigkeitsstandards nicht erfüllen, entscheiden wir uns manchmal bewusst gegen deren Einsatz", betont René.
© UdeaRené Oosting von Udea zusammen mit Biobauern
Positive Anzeichen in den Niederlanden
Es gibt jedoch positive Entwicklungen in den Niederlanden. „Blattgemüse, Spargel und Gurken entwickeln sich gut." Die lokale Produktion dient somit als entscheidender Puffer. Laut René liegt die Zukunft im Gleichgewicht: globale Zusammenarbeit gepaart mit starkem lokalem Anbau. „Flexibilität, Partnerschaften und langfristiges Denken sind wichtiger denn je", schließt er.
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