Schweizer Agrarpolitik Forum

Wie hat die COVID-19-Pandemie unser Verhalten verändert?

Die Pandemie hat nicht nur unseren Alltag, sondern auch unser Handeln beeinflusst. Agroscope untersuchte, bei welchen Bevölkerungsgruppen und Verhaltensweisen die Veränderungen besonders gross waren und was das für unsere Gesundheit bedeutet.

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) befragte zwischen Juni und Juli 2020 1’028 Personen aus der ganzen Schweiz, wie sich ihre Arbeitssituation, ihr Bewegungs- und Ernährungsverhalten während des ersten Lockdowns im Pandemiejahr 2020 verändert haben.

Mehr selbstgebackenes Brot
Die Befragten gaben für 13 Lebensmittelkategorien an, ob sich deren Konsum während des ersten Lockdowns verringert, nicht verändert, oder erhöht hat. Die grösste Zunahme konnte im Bereich von selbstgebackenem Brot verzeichnet werden. Insgesamt 43 % der Befragten gaben an, mehr davon konsumiert zu haben. Die Zunahme bei selbstgebackenem Brot wurde auch in Studien aus anderen Ländern dokumentiert. Das Herstellen von Lebensmitteln und damit die Versorgung des Haushalts mit Essen kann ein Sicherheitsgefühl vermitteln, nach dem sich viele zu Beginn der Pandemie sehnten. Weitere Zunahmen wurden im Bereich der beiden Kategorien süsse (+ 25 %) und salzige Snacks (+ 24 %) verzeichnet. Auch hier lässt sich mutmassen, dass dies auf den Effekt von comfort food, also das Essen von bestimmten Lebensmitteln, um sich besser zu fühlen, zurückzuführen ist.

Weniger Fertigmahlzeiten
Zusätzlich konnten aber auch Abnahmen verzeichnet werden. Besonders stark hat mit 28 % der Konsum bei frischen Fertigmahlzeiten abgenommen. Gefrorene Fertigmahlzeiten haben mit 24 % ebenfalls einen deutlichen Rückgang verzeichnet. Da die Befragten angaben, generell mehr Zeit fürs Kochen aufgewendet zu haben, kann davon ausgegangen werden, dass vermehrt frische Produkte zubereitet wurden, statt auf verarbeitete Produkte zurückzugreifen.

Mehr Gemüse aber auch mehr Snacks und Alkohol im Home-Office
Bei der Frage nach dem Arbeitsort gaben 48 % der arbeitstätigen Befragten an, dass sie während des ersten Lockdowns weiterhin zur Arbeit fuhren, während 52 % teilweise oder komplett zu Hause gearbeitet haben. Weiter konnte festgestellt werden, dass Personen mit höheren Bildungsabschlüssen häufiger zu Hause gearbeitet haben. Da die Arbeit im Home-Office die Kontakte reduziert, bedeutete das für diese Personen ein kleineres Infektionsrisiko mit COVID-19. Die Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten, hat auch das Verhalten der Befragten verändert: Personen, die im Home-Office gearbeitet haben, gaben beispielsweise an, mehr Gemüse und Salat konsumiert zu haben, weniger Süsses gegessen oder sich mehr bewegt zu haben. Eine Teilgruppe von Personen im Home-Office hat im Vergleich zu Personen, die weiterhin ausser Haus arbeiteten, aber auch ihren Konsum an süssen Snacks erhöht, mehr Alkohol konsumiert und sich weniger bewegt.

Die Pandemie als Katalysator für Verhaltensänderung
Diese Resultate deuten darauf hin, dass die Pandemie ein Katalysator für Verhaltensänderungen war. Wie diese aber genau aussehen, hängt stark von der individuellen Situation und den Umständen der Befragten ab. Eine Tendenz zu positiven Verhaltensänderungen bestand bei Personen, die im Home-Office arbeiteten. Eine Tendenz zu negativen Verhaltensänderungen zeichnete sich bei Personen ab, die besonders besorgt waren, ob sie sich eine gesunde Ernährung leisten können. Personen mit niedrigerem Bildungsniveau und höheren BMI-Werten waren stärker von der Pandemie und den Massnahmen zur Eindämmung der Virusausbreitung betroffen. Sie machten sich während dem Lockdown deutlich mehr Sorgen darüber, ob eine gesunde und ausgewogene Ernährung noch verfügbar und finanzierbar ist.

Fazit

  • Das Arbeiten im Home-Office führte sowohl zu gesunden als auch zu ungesunden Verhaltensänderungen.
  • Der Konsum von frischen und gefrorenen Fertiggerichten hat während des ersten Lockdowns im Pandemiejahr 2020 deutlich abgenommen.
  • Der Konsum von selbstgebackenem Brot hat im ersten Lockdown deutlich zugenommen.
  • Die Resultate deuten darauf hin, dass die Pandemie bestehende Ungleichheiten in der Gesellschaft weiter verstärkt hat.

Weitere Informationen:
www.agrarforschungschweiz.ch


Erscheinungsdatum:



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