Exporte und vor allem auch Importe aus Russland und der Ukraine sind für einige Bereiche der deutschen Agrarwirtschaft besonders wichtig. Mit dem russischen Angriff gegen die Ukraine stellt sich die Frage, wie sich die politische Lage auswirkt. Wir haben mit Händlern und Importeuren aus Deutschland gesprochen und weitere Stimmen aus den Medien zusammengetragen.
IPD: Sorge um Situation in der Ukraine
Import Promotion Desk zeigt sich uns gegenüber besorgt über die aktuelle Lage. "Das IPD Team ist in großer Sorge angesichts der aktuellen Nachrichten aus der Ukraine. Das Import Promotion Desk (IPD) ist seit 2018 in der Ukraine aktiv und unterstützt Produzenten aus den Sektoren natürliche Zutaten, frisches Obst & Gemüse und nachhaltige Holzprodukte bei ihrem Handel mit dem europäischen Markt." Aufgrund der noch weitestgehend unübersichtlichen Lage bittet IPD daher um Verständnis noch keine weiteren Aussagen machen zu können. "Wir hoffen auf das Beste und das ist Frieden."
Anevo Trading: Warenversorgung aus der Ukraine vorhanden
Ländliche Gebiete blieben vorerst unberührt, weil sich die Angriffe primär auf Ballungsräume wie Kiew, Charkiw, Lwiw und Militärstützpunkte konzentrieren würden, erzählt die Geschäftsführerin von Anevo Trading, Anneliese Vollweiler. Im letzten Jahr begann das Unternehmen aus Erlangen damit Waren aus der Ukraine in geringfügigen Mengen zu beziehen. Vollweilers Einschätzung nach werde es trotz der aktuellen Lage weiterhin Waren aus der Ukraine geben, teilte sie uns mit.
200.000-300.000 Ukrainer wären seit 2014 bereits von der Krim und vom Donbass nach Polen ausgewandert und Vollweiler geht davon aus, dass sich jetzt weitere den ehemals Geflüchteten anschließen werden. Bislang hatte Anevo Trading auch mit Russland zusammengearbeitet. "Wir haben neben Früchten auch eine zweite Abteilung für Öle. Wir erwarten am Montag die Ladung Sonnenblumenöl aus Russland, bevor die Sanktionen greifen."
Hannes Nagel: 'Inflationssorgen im Weißkohlexport'
Für die norddeutschen Weißkohlerzeuger im international anerkannten Anbaugebiet Dithmarschen sind die osteuropäischen Länder vor allem während der zweiten Saisonhälfte - etwa ab Februar-März - ein wichtiger Exportmarkt. "Wir merken, dass der Weg Polen-Ukraine-Belarus-Russland nicht mehr funktioniert wie es vorher der Fall war. Wir befürchten massive Inflationssorgen. Wir sind aber krisensicher und systemrelevant. Es wird immer weitergehen", berichtet Hannes Nagel, Weißkohlexporteur und Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens, auf Nachfrage von FreshPlaza.
Paris Direkt GmbH: 'Waldpilzimporte gefährdet'
Das Münsteraner Unternehmen Paris Direkt GmbH ist in Sachen Waldpilzen stark von Importen aus Osteuropa abhängig. "Auf Corona folgte neulich die Preisinflation, jetzt folgt die Ukraine-Krise. Das heißt, wir müssen uns immer wieder den Gegebenheiten anpassen und uns umorientieren. Der Pilzimport aus dem Osten wird mit Sicherheit herausfordernd, zumal wir nicht wissen, welche Sanktionen bis zum Start der Saison seitens der Bundesregierung ergriffen werden", so Ramazan Gülnar, Geschäftsführer des Unternehmens.
Vor allem im Spätsommer - August-September - wird es heikel, prognostiziert Gülnar. "In dem Zeitraum gibt es aufgrund der Hitze tendenziell weniger Ware in den Balkan-Ländern, weshalb wir auf Russland und die osteuropäischen Waldpilzländer angewiesen sind. Ansonsten wäre Polen die einzige Alternative, wobei die Mengen bei weitem nicht ausreichen, um den gesamten Bedarf am deutschen Markt zu decken. Dementsprechend müssen wir schon mit explodierenden Waldpilzpreisen rechnen."
Weitere Stimmen aus der Branche
Auch die Quedlinburger Firma Satimex (Sachsen-Anhalt) erzielt in Russland einen Jahresumsatz von bis zu vier Millionen Euro - das entspricht etwa 70% ihres Gesamtumsatzes. "Als mittelständiges deutsches Saatgutunternehmen für den Export von Gemüse- und Blumensaatgut ist Russland für unsere Firma von essentieller Wichtigkeit", sagte Geschäftsführer Eike Kampe im Interview mit Stern. Wenn Russland seinerseits keine Saatgutimporte mehr zulasse und das Geschäft einbreche, drohten in seiner Firma Entlassungen, heißt es weiter.
Die Metro AG hat wiederum 16 ihrer 26 Firmen vorübergehend geschlossen und sorgt sich vor allem um ihre 3400 Mitarbeiter und deren Familien, wie rp-online berichtet. Auch Firmen wie Henkel, die Telekom und Lufthansa haben entsprechend reagiert.