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Französisches Plastikverpackungsgesetz:

Frischwarensektor steckt in einer Sackgasse

Obst und Gemüse mit einem Gewicht unter 1,5 kg dürfen seit vergangenem Samstag in Frankreich nicht mehr in Plastikverpackungen verkauft werden. Das ist die Konsequenz der Entscheidung vom 8. Oktober 2021, die aufgrund des französischen Agec-Gesetzes getroffen wurde.

Diese Nachricht schockierte alle Fachleute in der Frischwarenbranche. Darüber hinaus prangert der Berufsverband die Eile beim Inkrafttreten des Gesetzes und die fehlende Beratung im Vorfeld an. "Der Gesetzgeber interessiert sich nicht für den Ersatz von Kunststoffverpackungen", betont der Vorsitzende Laurent Grandin.

Obwohl den Profis eine Frist von 6 Monaten zur Entsorgung ihrer Bestände an Kunststoffverpackungen eingeräumt wurde, könnten einige Produkte mangels Alternative aus den Regalen verschwinden. "Momentan haben wir eine Karenzzeit von 6 Monaten, aber wir haben noch keine Lösung, um empfindliche Früchte nach Ablauf dieser Frist zu transportieren und zu liefern“, erklärt Generalsekretär Daniel Sauvaitre von Interfel.

Wettbewerbsverzerrung
Das größte Problem? Dieses Plastikverbot gilt nur für den Obst- und Gemüsesektor in Frankreich. Aus diesem Grund haben mehrere Organisationen und Verbände beim Staatsrat Berufung eingelegt, darunter Plastalliance, Interfel und der französische Verband für Obst-, Gemüse- und Gartenbau, da sie eine Verzerrung des Wettbewerbs auf dem europäischen Markt befürchten. "Ich hätte mir gewünscht, dass es keine Wettbewerbsverzerrungen gibt und das Gesetz nicht nur in Frankreich, sondern in ganz Europa Anwendung findet", sagt der Direktor der Genossenschaft Limdor Jean-Luc Soury.

Keine Lösung für bestimmte Produkte
Für bestimmte Produkte gibt es keine Lösung, wenn es um plastikfreie Verpackungen geht. Das ist zum Beispiel bei Radieschen und Feldsalat sowie bei anderen sogenannten feuchten Produkten der Fall, die nicht in Kartons verpackt werden können. "Wir brauchen noch Zeit, um etwas besser geeignete Materialien und Technologien zu finden", erklärt Régis Chevallier.

"Zur Verpackung von Radieschen gibt es derzeit keine Alternative. Die Produkte werden die Erwartungen der Verbraucher nicht erfüllen und die Radieschen werden austrocknen", erklärt Jacques Rouchaussé, Präsident des französischen Gemüsebauernverbandes.

Die Etikettenfrage
Ein weiteres Problem ist das Verbot von Klebeetiketten, weshalb Interfel die Regierung auffordert, die Anwendung des Verordnungstextes zu verschieben und erneut einen Text anprangert, der wie bei Verpackungen nicht rechtzeitig auf alle Produkte verallgemeinert werden kann. Diese Regelung führt zu Wettbewerbsverzerrungen zwischen Ländern und Lebensmittelsektoren. Tatsächlich verbietet dieses Gesetz das Anbringen von Aufklebern in Frankreich, jedoch nicht die Vermarktung von gekennzeichneten Produkten außerhalb der Landesgrenzen. Französische Betreiber werden ihre Produkte nicht mehr mit diesen im Rest der Welt verwendeten Aufklebern identifizieren und bewerben können.

Hohe Investitionen und steigende Rohstoffpreise
Da die Kartonpreise weiter steigen, müssen auch Hersteller/Verpacker massiv in neue Maschinen investieren. Diese Kosten sind für kleine Unternehmen nur schwer zu tragen. "Limdor hat fast 100.000 Euro in eine Maschine investiert, die Früchte in Kartonschalen von vier bis sechs Früchten verpackt", erklärt Jean-Luc Soury. "Das mussten wir machen, wenn wir unsere Äpfel verkaufen wollten. Es ist ein zusätzlicher Preis für uns und unsere Produzenten, die diese Ausrüstung bezahlen."

Gleiches gilt für Pomanjou: "Seit fast 18 Monaten steigt der Kartonpreis ununterbrochen und der Rohstoffpreis explodiert. Bei Karton sehen wir eine Preissteigerung von 60%", sagt Direktor James Launay. Mehr als 100.000 Euro musste das Unternehmen investieren, um seine Produktionslinie umzubauen und auf Karton umzustellen.

"Bei manchen Verpackungen, bei denen die Kosten das 5- bis 6-fache der aktuellen Preise betragen können, ist es manchmal einfach nicht umsetzbar. Um zum Beispiel Äpfel in Kartons verpacken zu können, kann der Investitionsbetrag je nach Lagerbestand variieren  und sich mitunter auf 1 Million Euro belaufen. Das können sich nicht alle Packstationen leisten", erklärt Laurent Grandin.

Rechtzeitig Ausnahmegenehmigung für die Verwendung von Gummibändern um Gemüsebündel
Während des französischen Gemüsekongresses in Nantes am 10. Dezember 2021 kündigte Landwirtschaftsminister Julien Denormandie gerade noch rechtzeitig eine Ausnahme für die Verwendung von Gummibändern um Gemüsebündel wie Radieschen, Karotten und aromatische Kräuter an. "Wir werden eine genaue Bestandsaufnahme aller technischen Fragen machen und sie dem Minister für ökologischen Übergang vorlegen", sagte Cyril Pogu, Vizepräsident von Légumes de France, bei dieser Gelegenheit.

Unterscheidung zwischen Bio- und konventionellen Produkten
Ein weiteres Anliegen der Branche ist die Frage: "Wie werden wir an der Kasse zwischen Bio- und konventionellen Produkten unterscheiden?" Die meisten Obst- und Gemüsesorten, die in Supermärkten in Plastikverpackungen verkauft werden, sind Bio-Produkte.

Im Obst- und Gemüsesektor herrscht also noch viel Unsicherheit. Zudem kämpft die Branche mit der Frage, wie man die neuen Vorschriften am besten langfristig erfüllt.


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