Antonio Ruiz, Geschäftsführer von Murgiverde:

"2021 werden 50% unserer Produktion Bio sein"

Zu dieser Jahreszeit ist der Markt fast vollständig von zentral- und nordeuropäischem Gemüse auf Gemüse aus dem südlichen Teil Europas umgestiegen. "Letzte Woche sind wir zu spanischen Paprikas gewechselt, auf Gurken aus Almería sind wir schon vor drei Wochen umgestiegen", sagt Antonio Ruiz, Geschäftsführer von Murgiverde, einer Kooperative aus Almería. "Zum Glück ist die niederländische Saison bereits vorbei. Normalerweise überschneidet sie sich mit der Saison aus Almería und dann kommen die Bestellungen ziemlich unregelmäßig rein."

Die wichtigsten Produkte für das Unternehmen sind Gurken, Paprikas und süße Palermo Paprikas. Die Kooperative aus dem Westen der Provinz produziert und vermarktet sein gesamtes Produktsortiment selbst. Dazu gehören auch Zucchinis, Auberginen, Tomaten, scharfe Paprikas, Sweet Bite Paprikas, Melonen und Wassermelonen.

"Die Anbaufläche für Paprikas, die meist in Gewächshäusern produziert werden, ist diese Saison in der Provinz gewachsen. Allerdings spiegelt sich das noch nicht in den Erträgen wieder. Im Oktober hatten wir die niedrigsten Temperaturen seit drei Jahren, das hat den Wachstumsprozess natürlich verlangsamt", sagt Antonio. "Die Anbaufläche für Gurken ist, genau wie die von Zucchinis, ziemlich stabil geblieben. Es hat dieses Jahr aber vor allem bei den Kürbisgewächsen viele Virusinfektionen gegeben, weshalb die Produktion um 10 bis 15 Prozent kleiner ausfallen wird. Da die Nachfrage aber ziemlich groß ist, sind die Preise ein wenig höher als sonst zu dieser Zeit des Jahres", sagt er. "Auch das Coronavirus hat dabei eine Rolle gespielt."

Laut dem Geschäftsführer hat die Covid-19 Pandemie das Verbraucherverhalten und damit auch die Nachfrage verändert. "Die großen Supermärkte wollen nicht, dass ihnen die Vorräte ausgehen; deswegen bestellen sie ein bisschen mehr, als sie wirklich brauchen und stellen erst dann die Bestellungen ein", sagt Antonio. "Die Nachfrage kommt fast ausschließlich von den großen Einzelhändlern, weil der HoReCa-Channel wegfällt und der Markt damit seine übliche Verkaufsstruktur verloren hat."

Allerdings ist die Unsicherheit bei der Nachfrage diese Saison nicht die einzige Herausforderung im Hinblick auf die Pandemie. "Wir als Unternehmen bekommen die Folgen ganz deutlich zu spüren. Bei uns fallen sehr oft Mitarbeiter aus und wir können unsere volle Produktionskapazität nicht erreichen, weil wir viele neue Regeln wie die Abstandsregelung einhalten müssen", sagt er. "In ein paar Wochen beginnt die Weihnachtssaison und ich denke nicht, dass die Nachfrage darunter leiden wird. Wenn es einen Lockdown gibt, können die Leute nicht in Restaurants essen gehen, also werden sie weiterhin viel Zuhause kochen. Wir werden allerdings einige Probleme mit unserer eingeschränkten Produktionskapazität bekommen", sagt Antonio. 

Die fünf Abfertigungszentren, die Murgiverde an verschiedenen Standorten in der Provinz Almería hat, haben sehr flexibel auf die Umstellungen reagiert. "Im Moment ist das ein großer Vorteil für uns", sagt Antonio.

"2021 werden 50% unser Produktion Bio sein"
Murgiverde konzentriert sich sehr auf den Bio-Anbau und ein integriertes Schädlingsmanagement. Dadurch ist die Kooperative inzwischen zum größten Bio-Produzenten in ganz Almería geworden. "Von den 1.800 Hektar, die wir haben, werden 700 für den Anbau von Bio-Gemüse genutzt", sagt Antonio. "So können wir das ganze Jahr über ein großes Bio-Sortiment anbieten."  

Die Kooperative geht davon aus, dass im nächsten Jahr 50 Prozent ihrer Produktion Bio sein werden. "Der Bio-Sektor ist in den letzten Jahren stark gewachsen und das gleiche gilt für den Konsum von Bio-Produkten. Vorne mit dabei sind vor allem Deutschland, Dänemark, Schweden, die Schweiz und Österreich. Außerdem kommen noch andere Länder dazu, in denen auch immer mehr Bio-Produkte gegessen werden. Dazu gehören Frankreich, Großbritannien und die Niederlande."

Das Unternehmen möchte einen Schritt weitergehen und ein Vorreiter der Qualitäts-Bio-Produktion werden. Daher arbeitet es zurzeit daran, das Demeter Zertifikat zu erhalten. "Wir haben uns vor drei Jahren entschieden, auf das Demeter Zertifikat hinzuarbeiten. Jetzt haben wir 30 Hektar, aber wenn alles so läuft wie wir es erwarten, können wir bis Ende nächsten Jahres die 100 Hektar Marke knacken."

Brexit kommt immer näher
Murgiverde liefert seine Produkte in viele europäische Länder sowie in verschiedene Märkte in Übersee wie Nordamerika. Ab Januar 2021 könnte der Brexit für einen Umbruch im britischen Handel sorgen. "Es ist ein sehr wichtiger Markt für uns, wir exportieren etwa 20 Prozent unserer Gesamtproduktion dort hin", sagt der Geschäftsführer. "Wenn es einen endgültigen Brexit-Deal geben sollte, müssten wir uns ziemich schnell mit Problemen wie Zöllen und Verspätungen bei der Logistik auseinandersetzen. Auf mittelfristige Sicht könnten außerdem die Produkte ziemlich teuer werden, wenn das Pfund an Wert verliert und die Importkosten steigen. Dadurch wären wir dann gegen Drittländer nicht mehr wettbewerbsfähig." Das wiederum könne dazu führen, dass es zu viele Produkte im europäischen Markt geben werde, wie es schon nach dem russischen Boykott der Fall gewesen sei, warnt Antonio.

"Außerdem wäre es sehr gut, wenn der nordamerikanische Markt, der ein großer Abnehmer unserer Bio-Produkte ist, sich früher für uns öffnen würde. Im Moment dürfen wir erst ab dem 1. Dezember dort hin liefern", sagt er. Das Unternehmen exportiert Bio-Paprikas und -Gurken in die Vereinigten Staaten und nach Kanada. Dort werden sie im Premium-Segment verkauft. Allerdings wird es dieses Jahr wahrscheinlich nicht so viele Chancen im Exportmarkt geben, da die Preise für den Lufttransport wegen der Pandemie extrem gestiegen sind.


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