Wie reagiert der deutsche Handel auf die steigenden COVID-Infektionszahlen?

"In der letzten Septemberwoche ist die Stimmung schlagartig umgeschlagen"

Die Infektionszahlen für COVID-19 steigen in Europa wieder rapide an. Sowohl in Deutschland als auch in den Nachbarländern gibt es wieder strengere Richtlinien und Maßnahmen zur Eindämmung des Virus. Der Obst- und Gemüsesektor war beim letzten Lockdown glimpflich davon gekommen, für die Gastronomie sah es anders aus und viele Unternehmen haben sich bisher kaum erholen können. Wie ist die Stimmung im Sektor?

Messen und Veranstaltungen
Die Bekanntmachung der Organisatoren der Fruit Logistica zu Beginn der Woche hat Wellen im Obst- und Gemüsesektor geschlagen: Auch die, die es nicht wahrhaben wollten müssen nun wohl einsehen, dass die Pandemie alles andere als vorbei ist. Statt ihrem üblichen Datum im Februar findet die Weltleitmesse der Branche nun in eingeschränkter Version als Hybridveranstaltung Mitte Mai statt. Akteure der Branche zeigen sich gespalten: "Durch die Veränderungen und die vermutlich mit einhergehenden Einschränkungen verliert die Messe ihren wertvollen Charakter." Ein anderer wiederum hält die Idee für gut: "Wir sollten uns weniger darauf konzentrieren ob Veranstaltungen stattfinden können, sondern intensiv daran arbeiten wie man sie sicher durchführen kann."

Für so manche Unternehmen hatte die Planung für Veranstaltungen bereits begonnen: "Wir haben uns bereits auf die Teilnahme auf Fach- und Hausmessen vorbereitet, inzwischen wurde das aber alles wieder abgesagt." Die Tatsache, dass die Fruit Logistica im Februar nicht stattfinden wird hätte die Unsicherheit in der Branche geschürt, heißt es.

Eine Messe, die auch wie geplant noch stattfinden soll, ist die expoSE/expoDirekt Ende November in Karlsruhe. "Dank unseres detaillierten Sicherheitskonzeptes und den niedrigen Infektionszahlen in der Region, hoffen wir weiterhin, dass die Messe stattfinden kann. Wir sind zuversichtlich, trotzdem behalten wir die Entwicklungen natürlich genau im Auge", heißt es seitens der Veranstalter.

"Die Temperatur fällt schnell"
Die Unsicherheit sei ein größeres Problem als die tatsächlichen Infektionszahlen, meint der Sprecher eines Gastronomie-Zulieferanten, der die aktuellen Entwicklungen kritisch betrachtet. "Wir befinden uns in einer Patt-Situation. Eigentlich war die Entwicklung der letzten Monate sehr positiv: Die Umsatz- und Produktionszahlen sind gestiegen, wir haben keine zusätzlichen Kunden mehr verloren. In der letzten Septemberwoche ist es jedoch schlagartig umgeschlagen. Das Beherrbergungsverbot in manchen Bundesländern hatte einen Dominoeffekt zur Folge. Jetzt haben alle in alle im Gastgewerbe - zurecht - Angst vor einem zweiten, allgemeinen Lockdown." Auf die Frage nach der Stimmung in der Branche ist seine Einschätzung: "Die Temperatur fällt schnell."

"Sterben auf Raten in der HORECA"
Was man in den letzten Monaten oftmals hörte, vor allem von Betrieben aus dem Bereich der Gastronomiezulieferung, war: "Einen zweiten Lockdown würden wir nicht überleben." Jetzt könnte dieser Punkt jedoch wieder erreicht sein. "Niemand will, dass Leute krank werden. Trotzdem sollten wir den wirtschaftlichen Aspekt nicht von der Hand weisen", kommentiert ein Experte. "Staatliche Hilfen können die Betriebe zwar über kurz oder lang über Wasser halten, den Sektor aber nicht nachhaltig schützen. Es geht uns nicht darum Geld zu bekommen - wir wollen unser Geschäft retten und den Markt retten."

Die Schließung des Gastgewerbes sei unverhältnismäßig: "Hotellerie und Gastronomie mussten die strengsten Hygienekonzepte vorlegen und sind nun die Ersten, die geschlossen werden. Wir fühlen uns benachteiligt, wenn es gleichzeitig beispielsweise keine Verbote für Versammlungen, Geschäftsreisen oder private Zusammenkünfte gibt. Und welche langfristigen Auswirkungen das auf die Branche hat ist noch nicht abzusehen."

Hoffnung auf differenzierte Lösungen
Es sei die Hoffnung, dass die Sicherheitskonzepte noch besser durchdacht werden und Verstöße im Zweifelsfall höher bestraft. "Wenn wir aus Angst, dass etwas schief laufen könnte, generell alles dicht machen, dann wird uns das alle in den Ruin treiben."

Regierung verschiebt Entscheidung
Gestern wurde eigentlich eine Entscheidung zum Beherrbergungsverbot von Kanzlerin Merkel erwartet, diese wurde nun aber bis nach den Herbstferien vertagt. Die Tagesschau berichtet:

Nach über acht Stunden beenden Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten ihre Beratungen. "Wir sind in einer Phase der Pandemie, die ernst ist", sagt Merkel vor der Presse. Deutschland sei bereits in einer exponentiellen Phase, in der Infektionen rasch zunähmen. Beim Thema Beherbergungsverbote konnte die Runde keine Einigkeit erzielen. Über den Verlauf der Herbstferien werde an den bestehenden Regeln beim Beherberbungsverbot "im großen und ganzen" festgehalten, sagt Merkel. Dieser Teil des Beschlusses stelle sie "noch nicht ganz zufrieden". Nach dem Ende der Herbstferien in Bayern am 8. November werde man erneut beraten, "wie wir das halten".

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hingegen hat vor einem zweiten Lockdown gewarnt. Der Gesellschaft und Wirtschaft drohten "erheblichste Schäden".


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