Phillipe Binard gibt einen Ausblick auf die kommende europäische Saison

"Die kommende Apfel- und Birnensaison sieht vielversprechend aus"

Im Rahmen der USApple Outlook 2020 Konferenz, die vergangene Woche vom 20. bis zum 21. August stattgefunden hat, hat Phillipe Binard vom Weltverband für Äpfel und Birnen einen Einblick in die vergangene und kommende europäische Apfelsaison gegeben. Insgesamt liegt die Schätzung für die europäische Saison 2020 bei 10,7 Millionen Tonnen. Die Menge teilt sich auf 21 Länder auf (einschließlich Großbritannien). Die Saison wird voraussichtlich fünf bis sieben Tage früher beginnen und es sieht so aus als würden die Kaliber insgesamt größer ausfallen.

2019-2020 Saison Überblick
Genau wie der Rest der Welt hat natürlich auch die Apfelindustrie die Folgen der Corona-Pandemie zu spüren bekommen. Binard sagte dazu: "Die drei Trends, die wir beobachten konnten waren, dass die lokalen Verkäufe gut gelaufen sind, die Importe aus der südlichen Hemisphäre stabil waren und die Exporte in bestimmte Länder stark zurückgegangen sind. Außerdem haben wir gesehen, dass die Produktionskosten wegen der Pandemie stark gestiegen sind und die Nachfrage seitens der Verbraucher größer geworden ist. Außerdem hat sich das Einkaufsverhalten der Verbraucher verändert. Die Nachfrage nach Produkten, die länger haltbar sind, ist gestiegen und auch lokale Produkte, Bio und abgepackte Produkte sind gefragter. Es bleibt abzuwarten, welcher dieser Trend sich bis in diese Saison halten wird und welche wieder abflachen. Auch die wirtschaftliche Krise wird sich in der kommenden Saison auf das Kaufverhalten der Verbraucher auswirken."

Die Preise waren vergangene Saison sehr gut, so Binard. "Bemerkenswerterweise sind die Preise für polnische Äpfel zum ersten Mal deutlich gestiegen. Zum Teil waren die Preise genau so hoch wie die für italienische Äpfel. Dieser Trend könnte sich bis in die neue Saison ziehen", sagte er. 

Kommende Saison 2020-2021
In diesem Jahr rangiert die Apfelernte im Jahrzehnt Ranking relativ weit unten, etwa 4 Prozent unter dem Zehnjahresdurchschnitt. "Das liegt zum Teil daran, dass die Ernte in Frankreich, Spanien und Portugal letztes Jahr ziemlich holprig war", sagte Binard. Er fügte hinzu: "Während der Anbausaison in diesem Jahr haben die Wetterbedingungen sich auf die Erträge ausgewirkt. Der Winter war in ganz Europa ziemlich mild, Ende März und sogar im April hat es dann aber Frost gegeben und das hat natürlich Folgen für die Apfelernte. Diesen Sommer hat es in vielen Anbauregionen Hitzewellen und Dürre gegeben und auch das wiederum hat natürlich Folgen für die Ernte."

Insgesamt sieht die kommende Apfel- und Birnensaison recht vielversprechend aus. Es wird eine größere Birnenernte geben, weil sich die Situation in Italien zum Teil beruhigt hat. Auf dem Großteil der Apfelplantagen wird die Ernte eine Woche früher als sonst anfangen und sie wird voraussichtlich recht groß ausfallen", sagte Binard. "Was die einzelnen Sorten angeht, so wird es das erste Jahr sein, in dem die Golden Delicious Mengen unter 2 Millionen Tonnen fallen. Die Gala Mengen steigen aber weiter an und werden dieses Jahr voraussichtlich einen Höhepunkt erreichen. Jonagold und Jonagored sind leicht rückläufig, bei Jonagold sind es sogar mehr als 20 Prozent weniger diese Saison. Neue Sorten hingegen nehmen immer weiter zu."

In Deutschland werden in diesem Jahr viele Äpfel im Garten geerntet, weshalb sich der Start der kommerziellen Saison verzögert. "In Deutschland liegt die Gartenproduktion schätzungsweise bei 850.000 Tonnen, die kommerzielle Produktion hingegen bei 950.000 Tonnen", sagte Binard. In Polen wird normalerweise auch recht viel im Garten angebaut, in diesem Jahr sind die Mengen wegen des Wetters aber deutlich geringer.

Bedenken für kommende Saison
Obwohl es jede Saison neue Herausforderungen gibt, ist dieses Jahr wegen der Pandemie natürlich etwas ganz anderes. "Es gibt zum Beispiel Bedenken, ob wir genug Erntehelfer für die Saison zusammenbekommen werden. Die Europäische Union arbeitet daran, die Erntehelfer dort hin zu bringen, wo sie benötigt werden. Das läuft alles innerhalb der EU, aber es gibt natürlich auch eine hohe Nachfrage aus Marokko und der Ukraine. Es gibt definitiv Schwierigkeiten, die Arbeitskraft zu sichern und das könnte sich natürlich auf die Ernte auswirken."

Die Bio-Produktion entspricht zurzeit einem Anteil von 5 Prozent der Gesamtmenge. Die Europäische Union strebt eine steigende Bio-Produktion an. "Es gibt eine große Diskussion um den sogenannten Green Deal und Farm to Fork Strategien und die EU will, dass 25 Prozent der gesamten Anbaufläche genau dafür genutzt werden. Das Problem dabei ist, dass die Produktion die Nachfrage decken können muss und da wird eine Diskrepanz entstehen. Der Vorstoß der Politik entspricht einfach nicht der Realität auf dem Markt."

Insgesamt sehen die Mengen, Kaliber und die Qualität der diesjährigen Ernte gut aus. Es ist aber noch nicht ganz klar, wie der Markt aussehen wird, vor allem weil die Pandemie für viel Unsicherheit sorgt. "Wir haben von März bis Mai wegen der Pandemie ziemlich gut verkauft, deswegen ist die große Frage, ob die Industrie auch in der kommenden Saison daran festhalten kann", sagte Binard abschließend.


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