Arbeitgeberverband erwartet keine Besserung und schlägt mehr Automatisierung vor

Produzenten beklagen Engpässe bei Saisonarbeitskräften

Auch 2019 sind viele Saisonarbeiter aus Osteuropa nicht erschienen oder sind vorzeitig gegangen. Der Arbeitgeberverband erwartet keine Besserung und schlägt mehr Automatisierung vor, berichtet Top Agrar.

Die nur eingeschränkte Verfügbarkeit von Erntehelfern war in diesem Jahr für viele Sonderkulturbetriebe im Rheinland erneut ein sehr ernstzunehmendes Problem, das oftmals zu einer angespannten Arbeitskräftesituation geführt hat. Darauf hat der Präsident des Provinzialverbandes Rheinischer Obst- und Gemüsebauern, Christoph Nagelschmitz, letzte Woche auf dem Verbandstag in Köln-Auweiler hingewiesen.

Auch 2019 hätten wieder viele Erntehelfer aus Osteuropa ihre Arbeit nicht aufgenommen oder aber vorzeitig abgebrochen, beklagte Nagelschmitz. Deshalb hätten die Landwirte viele Flächen teilweise nicht abernten können.

Existenzängste
Angesichts der niedrigen Produktpreise könnten die Landwirte ihre Saisonarbeitskräfte nicht höher entlohnen, stellte Nagelschmitz fest. Bei einem gesetzlichen Mindestlohn pro Stunde von 9,19 Euro in diesem und 9,35 Euro im kommenden Jahr sollten die Arbeitsplätze auf den landwirtschaftlichen Betrieben finanziell aber durchaus attraktiv sein. „Ohne bezahlbare und motivierte Erntehelfer kann es keinen Obst- und Gemüsebau in Deutschland geben“, warnte der Verbandspräsident.

Zudem sieht er die technischen Möglichkeiten zur Einsparung von Arbeitszeiten bereits weitgehend ausgenutzt, und bis zum Einsatz von Ernterobotern sei es noch ein weiter Weg.

Nagelschmitz lenkte den Blick auch auf die Bauernproteste der letzten Wochen: „Ich kann es sehr gut nachvollziehen, dass sich der teilweise über Jahre angestaute Unmut jetzt Bahn bricht und Landwirte und Gärtner auf die Straße gehen.“ Die Bauern fürchteten um die Existenz ihrer Betriebe, denn die Auflagen, die auf sie zukämen, würden immer unerträglicher. Dann aber auch noch „der Sündenbock der Nation“ zu sein, sei zu viel des Guten. Der Verbandspräsident hob hervor, dass sich der Berufsstand jetzt nicht auseinanderdividieren lassen dürfe, sondern mit einer Stimme sprechen müsse.

Möller: Lieber in Technik investieren
Der ehemalige Hauptgeschäftsführer vom Gesamtverband der deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA), Burkhard Möller, konnte den Bauern wenig Hoffnung machen. Er sieht keine Anzeichen für eine grundlegende Verbesserung der Verfügbarkeit von Saisonarbeitskräften im Sonderkulturanbau. Möller riet den Obst- und Gemüsebauern, mehr in Technik zu investieren, um von der Handarbeit wegzukommen. Hier müssten die Landwirte aber genau abwägen, ob sich das bei den derzeit schlechten Rahmenbedingungen überhaupt noch lohne.

Möller zeigte sich aber überzeugt, dass der rheinische Obst- und Gemüseanbau auch weiterhin existieren werde, wenn auch auf einem niedrigeren Niveau.

Quelle: Top Agrar


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