Übersicht Weltmarkt Äpfel

Jetzt, wo die europäische Saison sich dem Ende zuneigt, schauen die Händler in die südliche Hemisphäre, um Äpfel zu kaufen. Die Ernte hat dort gerade angefangen und die Nachfrage aus Europa steigt. Die Frage ist, ob diese Märkte den europäischen Markt mit ihren Äpfeln beliefern können. WAPA prognostiziert ein stabiles Angebot aus der südlichen Hemisphäre. Außerdem gibt es für die Länder gute Chancen auf dem asiatischen Markt, während der Marktanteil in Europa in den vergangenen Jahren unter Druck geraten ist. Die europäischen Händler suchen nach neuen Lieferanten. Beispielsweise importiert ein schwedischer Händler zum ersten Mal Äpfel aus der Ukraine. Länder mit einer normalen Ernte haben dieses Jahr Glück. Das trifft beispielsweise auf spanische Händler zu, die, vor allem mit dem Golden Delicious, gute Preise erzielen, da die Sorte in anderen Ländern schwer von Frost und Hagel getroffen wurde. 

Den aktuellen Zahlen von WAPA zufolge liegt die Gesamtexportmenge an Äpfeln aus der südlichen Hemisphäre bei 1.645.848 Tonnen. Das sind etwa 20.000 Tonnen mehr als im vergangenen Jahr. Die Erntemenge bleibt mit 5,3 Millionen Tonnen stabil. 



Neuseeland beginnt "außergewöhnliche" Saison
Die Ernte der ersten Sorten hat begonnen und die Anbaubedingungen sind "außergewöhnlich". In allen Regionen hat es genug geregnet, so dass die Bewässerung in dieser Saison kein Problem werden wird. Experten zufolge sind auch die Sonnenlicht- und Hitzewerte auf dem besten Stand seit 1998. All diese Faktoren führen dazu, dass die Qualität der Ernte voraussichtlich sehr gut werden wird. Die Menge fällt vermutlich etwas größer aus als im vergangenen Jahr. Deutschland bleibt der wichtigste Exportmarkt für Äpfel, gefolgt von der UK, den USA und Taiwan. Insgesamt gehen die Exporte in mehr als 80 Länder.

Es wird viel in Neuanpflanzungen, Packstationen und Kühllager investiert, so New Zealand Apples & Pears. Die Anbaufläche ist um 3% gestiegen, traditionelle Sorten wie Braeburn müssen auf dem Markt Platz für neue Sorten wie Jazz, Envy und die Pazifik Sorten machen. Die Nachfrage nach diesen bleibt weiterhin hoch.

2005 machten Royal Gala und Braeburn noch 77% aller Exporte aus, dieser Anteil liegt heute jedoch nur noch bei 40%. Das liegt teilweise daran, das Neuseeland inzwischen eine größere Sortenvielfalt zu bieten hat. 2005 gingen 13% aller Exporte nach Asien. Dieser Anteil ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Inzwischen werden fast 50% aller Exporte nach Asien und in den Mittleren Osten verschifft. New Zealand Apples & Pears zufolge wurde das Wachstum durch die wirtschaftliche Entwicklung in dieser Region ermöglicht.

Südafrika: Kleinere Mengen, starke Nachfrage aus der nördlichen Hemisphäre
Die Ernte hat bereits begonnen. Sie startete im Osten von Free State, der einen kleinen Anteil der südafrikanischen Produktion ausmacht, dann folgte das Westkap. Die Saison ist wegen des kühlen Frühlings und der späten Blütezeit etwas verspätet, wohingegen einige Bauern die Ernte von Panorama Golden bereits abgeschlossen haben. Die Aussichten sind bisher ziemlich gut, wobei es jedoch einige Probleme mit Sonnenbrand gibt. Die Größe der Früchte fällt vermutlich eher klein aus.

Die ersten Schätzungen für die Saison von Hortgro besagen ein 8% kleineres Erntevolumen. Das bedeutet eine Produktion von bis zu 31 Millionen Kisten (12,5 kg) in dieser Saison. Die Händler sprechen von einem Rückgang von zwischen 5 und 10%.

Normalerweise sind alle Kühllager zu dieser Zeit des Jahres ausgebucht. In diesem Jahr sind jedoch noch einige frei. Das liegt an dem voraussichtlich kleineren Erntevolumen. Bis Ende der 5. Woche wurden 500.000 Kisten exportiert. Ziele waren vor allem afrikanische Länder und Asien. Auch in der nördlichen Hemisphäre gibt es eine gute Nachfrage.

Argentinien hofft auf eine gute Saison
Dem argentinischen Sektor drohte, wegen der steigenden Kosten in den vergangenen Jahren, eine Krise. Der Sektor und die Regierung arbeiten deswegen zusammen, um diesen Einfluss so weit zu verringern wie möglich. Ein Apfelexporteur hofft diese Saison darauf, mehr nach Europa zu exportieren und so die Auswirkungen der Krise im Land zu vermindern. Europa und die USA sind wichtige Anlaufziele für argentinisches Baumobst. Außerdem gehen die Exporte nach Brasilien, Mexiko, Kanada, Osteuropa, in den Mittleren Osten und in den Fernen Osten. Auch der lokale Markt nimmt Äpfel auf.

Indien: Neuseeländisches Wissen für Bauern im Himalaya
Die neuseeländische Industrie hat ein Abkommen mit Indien unterzeichnet, die Bauern in der Provinz Himachal Pradesh zu unterstützen. Diese Bauern im Norden Indiens bauen eine Reihe an verschiedenen Produkten an. Äpfel machen 85% der Produktion aus. Der neuseeländische Sektor will den Bauern in diesen indischen Regionen dabei helfen, ihre Produktion zu verbessern.

Guter Markt an der Ostküste der USA
Das Angebot an der Ostküste ist gut. Ein Händler sagt, dass die Verkäufe nach Plan verlaufen. Es gibt bei keiner Sorte ein Überangebot und die Nachfrage ist gut. Die Ernte in New York ist besser als in der vergangenen Saison. "Wir haben eine gute Ernte mit großen Kalibern, es ist genau das Gegenteil im Vergleich zur letzten Saison", sagt ein Händler.
Auch bei traditionellen Sorten wie Empires, Mclntosh und Jonagold sind Angebot und Nachfrage stabil. Die Nachfrage für andere Sorten wie Gala Fuji, Honeycrisps und Koru ist gestiegen. Außerdem wurden die ersten Importe aus Neuseeland zu einem guten Preis verkauft.

Polen: Qualität nicht ausreichend für den Fernexport
Die Händler haben wegen des Frosts im Frühling und zu Anfang des Sommers eine schwierige Saison. Ein Händler sagt, dass es ein gutes Jahr für Bauern ist, da die Preise hoch sind und es viele Möglichkeiten gibt, die Äpfel zu verkaufen. "Der Markt ist zurzeit stabil und die Preise sind so hoch wie im vergangenen Jahr. Das Angebot ist jedoch 30% kleiner", sagt ein Händler. "Es gibt auf verschiedenen Märkten eine hohe Nachfrage, aber die Qualität ist nicht ausreichend für Fernexporte. Deswegen konzentrieren wir uns auf Europa."

Auch wenn die Situation zurzeit gut ist, kann sie sich schnell verändern. Das polnische Apfelangebot reicht noch für drei oder vier Monate. Es ist schwierig zu sagen, wie sich der Markt entwickeln wird, weil man nicht sagen kann, wie die Qualität der Äpfel nach der Lagerung im Kühllager sein wird. Jonagold und Jonagored waren am schlimmsten vom Frost betroffen. Das Angebot dieser Sorten wird voraussichtlich als erstes zur Neige gehen. In jedem Fall wird es jedoch genug Idared, Gloster, Ligol, Gala und Golden Delicious geben, um die Lücke zu füllen.

Falls sich die Qualität nach dem Öffnen der Kühllager als enttäuschend herausstellen sollte, wird das für die Bauern jedoch keine Katastrophe sein, sagt ein Händler: "Die Preise sind hoch, manchmal sogar höher als sie es im letzten Jahr waren. Daher ist das Risiko gering, dass sie keine Äpfel verkaufen werden." Es könnte jedoch ein herausforderndes Jahr für die Händler werden.

Schweden sucht nach neuen Anbietern
Wegen der kleinen Ernte im vergangenen Jahr sind die Preise hoch. Die Importeure suchen nach Alternativen zur südlichen Hemisphäre. Ein Händler erklärt, dass sie in diesem Jahr zum ersten Mal aus der Ukraine importieren werden. Er ist optimistisch, was die Qualität angeht. Neben den traditionellen schwedischen Sorten, haben die Verbraucher eine Präferenz für Gala und Royal Gala. Der Importeur sagt, dass die polnische Produktion in diesem Jahr sehr enttäuschend ausfiel, was den Weg für andere Anbieter frei macht. Die Ukraine hat sich für Sorten wie Gala, Golden Delicious, Granny Smith, Fuji und Florina als eine gute Alternative herausgestellt.

Lage auf dem niederländischen Apfelmarkt bleibt kritisch
Durch die Frostschäden ist das Apfelangebot in den Niederlanden und vor allem in Belgien sehr viel kleiner als in den vergangenen Jahren ausgefallen. Die Preise bleiben daher auf einem stabilen Level und es wird voraussichtlich vor der neuen Ernte eine Lücke auf dem Markt entstehen. Indessen werden die ersten Äpfel aus Übersee erwartet, aber das Angebot wird nicht groß genug sein, um die Lücken auf dem Markt zu schließen. Der Preis für niederländische Elstar ist im deutschen Großhandel um 15 Cent gestiegen und liegt nun bei 1,45€.

Frühes Ende für italienische Äpfel
Die Händler sind zufrieden mit dem, was sie in der ersten Hälfte der Verkaufssaison erreicht haben. Der positive Trend, der zu Beginn der Saison prognostiziert worden war, stellte sich als wahr heraus. Ein Händler beschreibt den Markt aus "außergewöhnlich, es ist eine Saison, die es seit zehn Jahren nicht mehr gab". Das bedeutet jedoch nicht, dass die Bauern keine Verluste erlitten hätten. Ein großer Verband berichtet von Gesamtverlusten in Höhe von 25% bei verschiedenen Sorten. Royal Gala -15%, Red Delicious -26%, Braeburn -34%, Golden Delicious -45%, Fuji -4%, Pink Lady -15%. Andere Sorten liefen jedoch viel besser. Die Granny Smith Ernte bleibt stabil und Neuanpflanzungen von Kanzi und Envy kompensieren die Verluste.

Die Preise sind, vor allem in Deutschland und Italien, sehr gut. Dort war die Menge der wichtigsten Sorten (Golden Delicious und Jonagold) deutlich geringer als im vergangenen Jahr.

Die Verkäufe liefen gut und der Markt war in den letzten Monaten des Jahres ebenfalls stabil. Die Saison wird voraussichtlich etwas früher abgeschlossen werden. Am 1. Februar gab es 33% weniger im Lager als im vergangenen Jahr. Bei Golden Delicious war das Lager tatsächlich 50% leerer als im Vorjahr. Bei Royal Gala wird die Ernte voraussichtlich in den ersten zehn Tagen im März abgeschlossen werden. Clubsorten wie Kanzi und Pink Lady werden hingegen bis Ende April oder Anfang Mai erhältlich sein. Die Saison wird einen Monat früher als sonst enden. Auch Red Delicious wird bis Mai erhältlich sein. Envy wird bis Ende des Monats auf dem Markt bleiben und Ambrosia wird noch einige Wochen verfügbar sein. Ein anderer Händler erklärt, dass er gerade mit dem Verkauf von Pinova begonnen habe, eine Sorte für die Frühlingsmonate.

Zurzeit wird daran gearbeitet, den asiatischen Markt, vor allem Indien, Sri Lanka und Mongolien, zu erschließen. Die Exporteure haben mit einem Unterangebot zu kämpfen. Ein Händler erklärt, dass er diese Saison nur 10% von dem hat, was im vergangenen Jahr auf diese Märkte exportiert wurde.

Frankreich: Verkaufszahlen sinken wegen des Frosts
Wegen der Kälte im Frühling 2017 gab es in diesem Jahr eine höhere Nachfrage als Angebot verfügbar war. Das betrifft vor allem Zentral- und Nordeuropa. Die französichen Bauern blieben von den Auswirkungen des Frosts nicht verschont. Einige Plantagen waren nie zuvor betroffen und plötzlich waren sie es, so der Bericht eines französischen Händlers. Da er keine schlechtere Qualität liefern wollte als in den vergangenen Jahren, musste der Händler, der einige Produkte selbst anbaut, viele Äpfel entsorgen und so ist die Menge geringer als geplant. Wenn die französische Ernte kleiner ausfällt, importieren die Händler aus Südamerika. Dennoch bleibt die Frage offen, ob das Angebot aus der südlichen Hemisphäre ausreichen wird, um die Lücken auf dem europäischen Markt zu schließen. Ein Händler glaubt, dass dies nicht der Fall sein wird.

Spanien zieht Vorteil aus Unterangebot auf dem europäischen Markt
In einem Jahr, in dem die meisten Länder eine kleinere Apfelernte eingefahren haben, profitieren die Länder mit einer normalen oder größeren Ernte. Das trifft unter anderem auf Spanien zu. Die Ernte in dem Land fiel normal aus. Die spanischen Bauern und Händler erzielen immer höhere Preise. Golden Äpfel erreichen rekordverdächtige Preislevel, aber auch insgesamt sind die Preise, vor allem für große Kaliber, höher.

Im August, zu Anfang der Saison, waren die Preise noch auf einem vergleichbaren Niveau wie im vergangenen Jahr. In den folgenden Monaten stiegen sie jedoch an. Der Preis für Golden lag diese Woche bei 70 Cent für einen Klasse 1 Apfel, sagt ein Händler. Die Nachfrage nach diesen Äpfeln ist vor allem in Italien sehr hoch. Die Äpfel werden in Italien verpackt und dann auf dem lokalen Markt verkauft.

In Spanien ist normalerweise einer von zwei konsumierten Äpfeln aus Italien importiert. "In einem Jahr wie diesem können wir jedoch ein wenig Marktanteil zurückgewinnen. Die Saison wird daher voraussichtlich mit leeren Lagern beginnen. "Bei diesen Preisen will einfach jeder Bauer sofort auf den Markt."

Israelisches Überangebot nicht für den Export geeignet
Das Überangebot an lokaler Produktion setzt die israelischen Apfelpreise unter Druck. Die meisten Sorten werden für etwa 2,30€ pro Kilo verkauft. Schon in den vergangenen Jahren waren die Preise niedrig gewesen. Es ist das Ergebnis von beschränkten Exportmöglichkeiten und dem Einfluss von günstigen Importen aus der Türkei. Jedes Jahr werden etwa 120.000 Tonnen an Äpfeln geerntet. Die Plantagen liegen überwiegend in der nördlichen Hälfte des Landes, wo das Klima sehr gut ist.

Wegen des Krieges in Syrien haben die Exporteure ein wichtiges Exportziel verloren, weshalb es auf dem lokalen Markt mehrere tausend Tonnen zusätzliche Mengen gibt. Normalerweise suchen die Händler in solchen Situationen einfach nach neuen Exportzielen. Auch wenn auf dem osteuropäischem Markt in den vergangenen Jahren einige Erfolge erzielt werden konnten, eignet sich der Großteil der israelischen Apfelernte nicht für den Export. Die Bauern und die Regierung arbeiten zusammen, um bessere Sorten für die lokalen Anbaubedingungen zu finden, die gute Erträge erzielen und eine gute Exportqualität haben. Die Zusammenarbeit wurde erst kürzlich ins Leben gerufen, sodass sich die Auswirkungen erst in etwa fünf Jahren auf dem Markt zeigen werden. 


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