Wie kann man nachhaltiger werden, wenn die größten Emissionen des Unternehmens nicht innerhalb des eigenen Betriebs entstehen, sondern außerhalb, in der Lieferkette? Darüber sprach Marissa van Adrichem, Sustainability Manager beim Obst- und Gemüsehandelsunternehmen Best Fresh Group, während des Tuinbouw Footprint Event 2026. Das Handelsunternehmen hat berechnet, dass der eigene Betrieb nur 4 % des Fußabdrucks ausmacht. „Die größten Auswirkungen liegen in der Lieferkette, in den Gliedern außerhalb unseres Unternehmens. Wir müssen gemeinsam mit unseren Lieferanten, unseren Kunden und anderen Unternehmen der Branche daran arbeiten, Verbesserungen zu erzielen."
© Sharon SchoutenMarissa van Adrichem während des Horticulture Footprint Event 2026
Komplexe Lieferkette
Die Best Fresh Group ist ein Familienunternehmen mit über 400 Mitarbeitern und in verschiedenen Bereichen des Obst- und Gemüsesektors tätig. Zu den Aktivitäten gehören der Eigenanbau, Handelsunternehmen, die den Einzelhandel, den Foodservice und die Industrie beliefern, sowie Logistikzweige, die sich auf Reifung, Lagerung und Sortierung konzentrieren. Aufgrund dieser komplexen Lieferkette war eine detaillierte Analyse erforderlich, bevor mit den Footprint-Berechnungen begonnen werden konnte.
Die Entscheidung, vor drei Jahren damit zu beginnen, hat verschiedene Gründe. Erstens legte die Organisation eine neue Positionierung fest, die auf eine Zukunftsvision mit verantwortungsbewussten Produkten ausgerichtet ist. Zweitens spielt Effizienz eine Rolle; die Reduzierung des Energieverbrauchs führt langfristig zu Kosteneinsparungen. Marissa hob dabei die Zusammenarbeit mit der Finanzabteilung hervor, um Nachhaltigkeit transparent zu machen.
Der dritte Grund ist der zunehmende Druck durch Gesetzgebung und Abnehmer. So verlangen Kunden immer häufiger wissenschaftlich fundierte Verpflichtungen, wie sie beispielsweise die Science Based Targets Initiative (SBTi) vorsieht. Dies zwingt Unternehmen dazu, einen Reduktionsplan für die kommenden zehn bis zwanzig Jahre zu formulieren.
Umweltauswirkungen außerhalb des Unternehmens
Aus den Analysen der Organisation geht also hervor, dass die größten Umweltauswirkungen außerhalb der eigenen Unternehmensgrenzen liegen: Eine Aufteilung, bei der der eigene Betrieb für 4 % des gesamten Fußabdrucks verantwortlich ist. Innerhalb des eigenen Betriebs stammt etwa die Hälfte der Energie aus zugekauften Quellen und der Rest aus eigener Erzeugung, unter anderem über Solaranlagen. Die restlichen 96 % verteilen sich auf die Lieferkette, den Transport und die Verarbeitung von Produkten.
Der größte Anteil, etwa 40 %, entfällt auf die zugekauften Produkte, also den weltweiten Anbau von Obst und Gemüse. Hinzu kommen weitere 30 % für den Transport, der sich aus verschiedenen Verkehrsträgern zusammensetzt: Straßenverkehr, Wasser- und Lufttransport. Dies gilt sowohl für eingehende Warenströme als auch für den Vertrieb an die Abnehmer. Hinzu kommen noch die Verarbeitung und die Verpackung. Die Verarbeitung umfasst unter anderem das Schneiden, Verpacken und die Verwertung von Restströmen. „Wenn man schneidet und einen Teil der Schalen oder Restströme wegwirft, hat das ebenfalls Auswirkungen", erklärt Marissa.
Die drei Säulen der Strategie
Best Fresh möchte eine Position im „Obst- und Gemüsesektor" behalten, erzählte Marissa. Sie charakterisiert die Strategie nicht als einen Punkt am Horizont, sondern als eine Linie: „Ein Punkt ist sehr konkret, da weiß man genau, wohin man geht. Bei einer Linie weiß man es auch ungefähr. Man weiß nicht genau, wie man dorthin gelangt, aber wir kennen die Richtung, und das ist gut genug."
Der Nachhaltigkeitsansatz basiert auf drei Säulen: gesunde Menschen, gesunder Planet und gesunde Unternehmen. Innerhalb dieser Struktur arbeiten interne Teams an Themen wie Emissionen, Verpackungen und Arbeitsbedingungen. „Es spielt keine Rolle, wie klein dein Schritt ist, jeder Schritt zählt."
Hindernisse und Herausforderungen
In den Unternehmen ist die Trennung zwischen den Abteilungen oft noch ein Problem, sagt Marissa. „Die Vorstellung, dass Nachhaltigkeit nur eine Abteilung betrifft, muss durchbrochen werden", sagt sie. „Sie muss bei allen Entscheidungen eine Rolle spielen." Außerdem wird die Gewinnmaximierung immer noch oft über die Nachhaltigkeit gestellt. Ziel ist es, die Nachhaltigkeit zu einem integralen Bestandteil des Ertragsmodells zu machen, anstatt sie als zweitrangiges Ziel zu betrachten, und sie somit in alle kommerziellen und betrieblichen Entscheidungen einzubeziehen.
Dabei stellt die Verfügbarkeit von Daten ein Hindernis dar. Derzeit wird häufig mit Annahmen und Branchendurchschnitten gearbeitet. Laut Marissa ist das eine unvermeidliche Phase: „Wir haben noch nicht alle Daten. Mehr noch, wir haben die meisten Daten noch gar nicht. Das bedeutet, dass wir mit Annahmen arbeiten. Das ist nicht schlimm, es ist alles, was wir derzeit haben. Es wird jedes Jahr besser."
Während man sich anfangs an der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) orientierte, wendet Best Fresh nun den Voluntary SME-Standard an, eine europäische Richtlinie, die bei der strukturierten Berichterstattung über Nachhaltigkeit hilft. „Das hilft uns sehr, Klarheit in unserer Berichterstattung und Struktur zu bewahren. Wir arbeiten dabei eng mit GroentenFruit Huis und anderen Unternehmen der Branche zusammen, um zu prüfen, ob wir die gleichen Datenpunkte verwenden können, damit die Daten vergleichbar werden."
Ratschlag an die Branche
Und das ist auch der Ratschlag an die Branche: Lass dich nicht aufhalten, sondern fang einfach mit dem an, was du hast. Denn einerseits ist die Ausrichtung auf Daten unerlässlich, um Subjektivität zu vermeiden, aber gerade durch den Start erhält man auch Einblick in das, was fehlt. Gleichzeitig betonte Marissa, wie wichtig es ist, Projekte klein und überschaubar zu halten. „Es ist viel sinnvoller, ein kleines Projekt oder einen kleinen Pilotversuch mit hoher Erfolgsaussicht in Angriff zu nehmen. Das schafft Vertrauen, und die daraus gewonnenen Erkenntnisse nutzt man für das nächste Projekt."
Und schließlich wiederholte Marissa, dass die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden der einzige Weg ist, um die Auswirkungen in der Lieferkette, in der 96 % der Emissionen entstehen, tatsächlich zu reduzieren. Das bedeutet auch, Informationen über Produktion und soziale Zertifizierungen offen zu teilen. Nur dann kann man gemeinsam vorankommen. „In solchen dynamischen Lieferketten, in denen jeden Tag alles anders ist, muss man die Zusammenarbeit suchen. Man lernt voneinander und kann sich gegenseitig helfen. Das macht es auch einfacher, Schritte zu unternehmen."
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