Der Klimawandel und trockene Sommer führen zu strukturellen Veränderungen im deutschen Obstanbau. In Rheinhessen hat der Obstbauer Peter Schwalbach Sauerkirschen, Pflaumen und Mirabellen durch Walnüsse und seit kurzem auch Mandeln ersetzt, die sich unter den aktuellen Bedingungen in Wolfsheim gut behaupten.
In der südlichen Pfalz stieg Willi Kuhn durch eine familiäre Erbschaft in den Nussanbau ein. Der Urgroßvater seiner Frau besaß eine Plantage mit großen Nüssen und dünnen Schalen. „Ich wollte schon seit den 1960er Jahren selbst solche Bäume anbauen", sagt er. „Aber mit Nüssen, die ich selbst gesammelt hatte, gelang mir das nicht." Ein Tipp führte ihn zu einer Walnussbaumschule im Kaiserstuhl. Aufgrund der amerikanischen Fruchtfliege und Staunässe entschied er sich für Haselnüsse statt Walnüsse und fügte später Kastanien hinzu. Er bewirtschaftet mittlerweile rund 17 Hektar, darunter 3 Hektar Kastanien, 6,5 Hektar Haselnüsse, 4,5 Hektar Mandeln und 2 Hektar Pekannüsse.
Auch im Vereinigten Königreich beeinflussen wärmere Bedingungen die Produktion. Die Erzeuger Tom und David Tame bauen rund ein Dutzend Walnusssorten an, von denen einige zu Öl verarbeitet werden. Die Pflanzen gedeihen bei Temperaturen um die 25 °C, und laut Tom kommt Großbritannien „endlich in diesen Bereich".
In Wolfsheim baut Schwalbach die Nussproduktion weiter aus und fördert den lokalen Verbrauch. „Wir haben gerade zum ersten Mal eine bedeutende Menge geerntet." Er hat rund 50.000 Bäume gepflanzt, darunter 30.000 Mandel- und 20.000 Walnussbäume. Im Vergleich zu Steinobst benötigen Nüsse im Sommer weniger Wasser, im Frühjahr jedoch mehr. „Davon haben wir in Rheinhessen genug", sagt seine Partnerin Shari Huwer.
Walnüsse und Mandeln sind in Rheinland-Pfalz nach wie vor eine Nische. Rund 44 Betriebe bauen auf etwa 90 Hektar Walnüsse an, verglichen mit einer gesamten Obstanbaufläche von rund 3.500 Hektar. Mehr als 99 Prozent der in Deutschland konsumierten Nüsse und Mandeln werden importiert. „Wir wollen eine Marke schaffen, deren Alleinstellungsmerkmal darin besteht, dass die Nüsse und Mandeln aus Deutschland stammen", sagt Huwer. „Wir müssen nicht bewässern."
Laut Peter Hilsendegen vom Ländlichen Beratungszentrum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück gibt es Potenzial für eine Expansion über den Nischenstatus hinaus. Mandeln und Nüsse sind für Trockenheit und Hitze geeignet und fördern die Biodiversität, doch die Standortauswahl bleibt begrenzt. „Die Standortanforderungen für Mandeln sind besonders hoch", sagt er. „Regelmäßige Erträge erfordern gute Standorte, die zumindest für den Weinbau oder besser noch für den Aprikosenanbau geeignet sind."
Die Verarbeitungskapazität bleibt ein Engpass. Die Infrastruktur für Reinigung, Trocknung, Lagerung, Knacken, Sortieren und Verpackung befindet sich noch im Aufbau. Das Trocknen nach der Ernte sei für die Qualität erforderlich, sagt Huwer. Auch der Pflanzenschutz bleibt eine Herausforderung. Kuhn testet Pekannüsse, die gegen die Fruchtfliege resistent sind, und ist an einem Pilotprojekt mit dem DLR beteiligt, das auch Mandeln umfasst. Die ersten Mandelbäume wurden 2023 im Rahmen einer Zusammenarbeit mit einem spanischen Institut gepflanzt. Er merkt an, dass der Klimawandel den Anbau ermöglicht, aber auch eine Weiterentwicklung in der Verarbeitung und Vermarktung erfordert. „Wir sollten der Frucht hier eine Chance geben."
Quelle: The Star