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Carsten Knodt von der Vitarom Gemüse GmbH über die Zukunft der Gewächshauserzeugung

"Bei den aktuellen Strompreisen halte ich eine wirtschaftliche Winterproduktion für unmöglich"

Die üppigen Erträge im Frühjahr, die enttäuschende Herbstproduktion und - nicht zuletzt - die Energiekrise der zweiten Jahreshälfte: Für die Gewächshausbranche Deutschlands war 2022 insgesamt ein bewegtes und ereignisvolles Jahr. Carsten Knodt - Gemüseerzeuger am Niederrhein und Geschäftsführer (rechts im Bild) der Vitarom-Gruppe - schildert im Interview den Status quo sowie die Zukunft der deutschen Unterglasproduktion.

Mit einem sonnigen Frühjahr seien die Vorzeichen des vergangenen Anbaujahrs besonders gut gewesen, sagt Knodt zurückblickend. "Die
Frühproduktion bis in den Sommer fiel wegen der überdurchschnittlichen Einstrahlung höher aus als in den letzten Jahren. Wegen fehlendem CO² gepaart mit einer lang anhaltenden Hitzeperiode war die Herbstproduktion hingegen eher niedrig. Es gab von Ende September bis Ende Oktober ein sogenanntes Ernteloch, welches den Frühjahrsvorteil komplett aufgehoben hat. Im Endergebnis war die Produktion also niedriger als in den letzten Jahren."

Preiszugeständnisse und Maßnahmen in der Produktion
Während der Sommerkampagne habe es Knodt zufolge insbesondere im Bereich der Tomaten einen erheblichen Mengendruck gegeben, was sich auf die Verkaufspreise ausgewirkt hat. "Dies hat wiederum zu einer erhöhten Werbefrequenz am POS geführt. Die restlichen Kulturen sind im Saisonverlauf soweit gut abgeflossen, obwohl die
Werbefrequenz auch hier deutlich höher als in den letzten Jahren war, weshalb zwangsläufig Preiszugeständnisse gemacht werden mussten."

Besonders während der zweiten Jahreshälfte schwebte die kriegsbedingte Energiekrise wie ein Damoklesschwert über dem Gemüsebausektor. Die hohen Strom- und Wärmeenergiepreise zwingen Gärtner Anpassungen in der Kulturführung und insgesamt zu einer noch nachhaltigeren umgangsweise mit Energie und sonstigen Betriebsmitteln in der Produktion, schildert Knodt. "Unser beleuchtetes Gewächshaus (Vitarom Neurath GbR) ist jetzt komplett auf vollständig dimmbare weiß–rot abschaltbare LED-Beleuchtung sowie auf Doppelenergieschirm und Entfeuchtung über das Verfahren 'Ventilation Jet' umgerüstet. Selbst die höchste Anstrengung bei der Einsparung an Energie macht bei den
aktuellen Strompreisen eine wirtschaftliche Winterproduktion unmöglich."

Bei den unbelichteten Gewächshausbetrieben wird zum Teil ein späterer Pflanztermin gewählt und die Kultur früher beendet, um den Verbrauch der Heizenergie zu senken. Knodt: "Durch die aktuelle, energiepolitische Lage ist es momentan nicht rentabel eine neue
Gewächshausproduktion, die mit Erdgas beheizt oder belichtet wird, zu errichten."

Reduzierter Anbau von ausgefallenen Tomatensorten
Die Kostensteigerungen haben auch in der Gesellschaft tiefe Spuren hinterlassen und führten bereits zu einer Kaufkraftsenkung und entsprechenden Änderungen im Konsumverhalten. "Der Verbraucher schaut verstärkt danach, wo er aus seiner persönlichen Wahrnehmung heraus das beste Preis-Leistung Verhältnis gepaart mit regionalen und nachhaltigen Aspekten bekommt. Zur kommenden Saison haben wir die Anbaufläche von kleineren, hochwertigeren Tomaten etwas reduziert, zugunsten von anderen Artikeln. Wir gehen aber schon davon aus, dass langfristig hochwertigere Tomatensorten mit Mehrwerten wieder in der Gunst der Verbraucher steigen werden."

Trotz der aktuellen Widrigkeiten schaut Knodt zuversichtlich nach vorne. "Der Selbstversorgungsgrad ist im deutschen Unterglasbereich nicht gedeckt. Daher sehen wir langfristig weiterhin Potenzial für Fruchtgemüse aus Deutschland. Seitens des LEHs wird weiterhin gezielt nach deutscher Ware gefragt, weshalb das Sortiment an deutschem Fruchtgemüse sortimentsübergreifend immer weiter ausgebaut wurde."


Die Geschäftsführung der Vitarom GmbH, einer Tochter der Landfrisch AG: v.l. Wilhelm Baum, Matthias Draek, Labinot Elshani und Carsten Knodt.

Strukturwandel steht bevor
Auch im deutschen Unterglasanbau vollzieht sich Knodt zufolge momentan ein Strukturwandel. "Die durchschnittliche Betriebsgröße wird in den nächsten Jahren ansteigen. Durch den Kostendruck müssen zwangsläufig die Betriebseinheiten größer werden, damit die Effizienz gesteigert wird. Der Fokus wird dabei weiterhin auf neuen, nachhaltigen Energiequellen liegen und bestehende Anlagen werden nach neuesten Standards effizienter umgerüstet. Darüber hinaus wird auch das Thema Automatisierung und Künstliche Intelligenz (KI) in den nächsten Jahren eine rasante Entwicklung in der Gewächshausproduktion aufnehmen."

Besuchen Sie das Unternehmen auf der Fruit Logistica: Halle 20, A-15

Bilder: Vitarom GmbH

Weitere Informationen:
Landfrisch AG
Walter-Gropius-Straße 28
50126 Bergheim
Telefon: +49/2271/9955432
info@landfrisch.com  
www.landfrisch.com  

Carsten Knodt
Vitarom GmbH
Telefon: +49 2271 9955410
info@vitarom.de 
www.vitarom.de 


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