Prof. Dr. Stephan Meyerding (Uni Hamburg) zur Inflation und Kaufzurückhaltung

"Nach der Krise werden die positiven, langfristigen Trends wieder in den Vordergrund rücken"

Die momentane Ukraine-Krise und die damit einhergehende Verunsicherung beim Verbraucher haben sich gravierend auf das Verbraucherverhalten ausgewirkt. Die Inflation stieg im September auf ca. 10 Prozent, was der höchsten Rate seit 70 Jahren entspricht. "Nach zwei Jahren Pandemie folgt die Kriegssituation in der Ukraine: Dies hat die Konsumenten in eine Schockstarre versetzt. Dementsprechend ist die Konsumlaune des Verbrauchers bereits seit Beginn des Kriegs im Keller", sagte Prof. Dr. habil. Stephan G.H. der Uni Hamburg auf der diesjährigen Tagung des Bundes deutscher Champignonerzeuger (BDC) in Eindhoven. 

Meyerding untermauerte seine Botschaft anhand von Ergebnissen umfassender Marktforschung und Verbraucherbefragungen. Die Unsicherheit beim Verbraucher steige durch Alltagserfahrungen, etwa steigende Energiekosten und Lebensmittelpreise, weshalb viele versuchen beim Lebensmitteleinkauf zu sparen. Bei 83 Prozent der befragten Verbraucher habe sich die Kriegssituation negativ auf die finanzielle Situation ausgewirkt. Die Mehrheit der Verbraucher sei zudem auch bereit das Konsumverhalten den Gegebenheiten anzupassen, in dem sie auf Markenartikel und Luxusgüter verzichten und stattdessen vermehrt auf preisgünstigere Ware zurückgreifen oder beim Discount einkaufen.

Prof. Dr. habil. Stephan G.H. Meyerding während seines Vortrags bei der diesjährigen BDC-Jahrestagung in Eindhoven (Niederlande)

Ukraine-Konflikt führt zur Schock-Situation
Während Corona habe es Meyerding zufolge ein erhöhtes Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewusstsein beim Verbraucher gegeben. Aktuell rücken Produktmerkmale wie niedrige Preise und Haltbarkeit in den Fokus, während Premium und Bio offenbar nachlasse. Meyerding: "Es gibt zu Krisenzeiten eine wiederkehrende Abwägung zwischen Umwelt und Ökonomie, sprich ein Dilemma zwischen preisbewusstem und nachhaltigem Einkaufen. In den meisten Fällen handelt es sich aber um eine temporäre Schocksituation."

Das sich verändernde Marktumfeld führe darüber hinaus auch zur sinkenden Einkaufshäufigkeit, fährt Meyerding fort. Dies spiegele sich wiederum in weniger Spontaneinkäufen wider. Zwei Drittel der Verbraucher achtet nun vermehrt auf Aktionen und Sonderangebote im Handel. Eine positive Nachricht für die Frucht- und insbesondere die Kulturpilzbranche sei eben, dass der Konsum von frischem Obst und Gemüse in etwa ausgeglichen sei. 

Hoffnung stirbt zuletzt
Nichtsdestotrotz werden die positiven, langfristigen Verbrauchertrends die es vorher gab, nach der Krise erneut in den Vordergrund rücken, prognostiziert Meyerding. Denn die deutsche Wirtschaft habe sich auch nach vorherigen Krisen immer wieder relativ zügig erholt. Folgende Trends werden sich also nach der Krise weiterhin durchsetzen: "Der steigende Gemüseverbrauch, die zunehmende (Produkt-)Vielfalt in der Küche, der steigende Bio-Umsatz, die Relevanz regionaler Produktherkunft, die steigende Anzahl von Vegetariern in Deutschland."

Weitere Informationen:
Prof. Dr. habil. Stephan G.H. Meyerding
HAW Hamburg
Fakultät Life Sciences / Department Ökotrophologie
stephan.meyerding@haw-hamburg.de


Erscheinungsdatum:
© /



Erhalten Sie den täglichen Newsletter in Ihrer E-Mail kostenlos | Klick hier


Weitere Nachrichten in dieser Branche:


Melden Sie sich für unseren täglichen Newsletter an um immer auf dem neusten Stand zu bleiben!

Anmelden Ich bin bereits angemeldet