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Ungarische Agrarwirtschaft in Zeiten des Klimawandels

"Der Klimawandel ist die größte Herausforderung, mit der wir in den kommenden Jahren zu kämpfen haben"

Bereits seit vielen Jahren gilt Ungarn als Hauptlieferant für den deutschen Markt in Sachen Agrarerzeugnisse, darunter auch Obst und Gemüse. Tonnenweise Paprikas, Tomaten, Steinfrüchte und Co. werden jährlich entweder über die deutschen Großmärkte oder direkt an den LEH vertrieben. Doch auch die ungarische Landwirtschaft sehe sich mit den derzeitigen Herausforderungen des Agrarsektors, etwa der Nachwirkung der Corona-Krise sowie den Wetterextremen, konfrontiert, erläutern Ferenc Apáti, Vorsitzender des Fruchthandelsverbandes FruitVeB, und Bálint Illés, Diplomat der ungarischen Botschaft in Berlin.


Kernobst wird vor allem am Inlandsmarkt vermarktet

Ähnlich wie in anderen Jahren waren die Mitglieder des Agrar Marketing Centrums (AMC) mit einem ungarischen Gemeinschaftsstand in der Halle 21 vertreten. Neben der Fruit Logistica sind das AMC und dessen Mitglieder, auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin sowie auf der BioFach in Nürnberg als Aussteller anzutreffen. Für das zentraleuropäische Land ist der Agrarexport einer der wichtigsten Pfeiler der nationalen Wirtschaft. Der Gesamtwert des Agrarexportes betrug im vergangenen Jahr um 10,6 Mio. Euro, davon etwa 9 Prozent Obst und Gemüse. "Mit einem Gesamtanteil von 16 Prozent ist Deutschland unser bedeutendster Absatzmarkt, Österreich ist ebenfalls in den Top 5 vertreten", schildert Illés auf Nachfrage.


Ferenc Apáti und Bálint Illés am ungarischen Gemeinschaftsstand auf der Fruit Logistica 2022

Führender Zuckermaisexporteur
Zu den bedeutendsten Exporterzeugnissen gehören Speisepilze, Tomaten, Karotten, getrocknete Hülsenfrüchte sowie Rohware für den Tiefkühl- und Konservenbereich. Apáti: "Seit etwa 7-8 Jahren gilt Ungarn als größter europäischer Produzent von Zuckermais. Auch im Bereich Sauerkirschen für die internationale Konservenindustrie hat sich Ungarn in den letzten Jahren einen hohen Stellenwert erarbeitet. Mittlerweile wird etwa 50 Prozent des gesamten inländischen Erntevolumens - entweder als Rohware oder in verarbeiteter Form - nach Deutschland exportiert. Denn im Gegensatz zur Süßkirsche ist die Sauerkirsche im Anbau deutlich robuster und somit weniger frostempfindlich, was gerade in Zeiten des Klimawandels sehr vorteilhaft ist."

Gravierende Auswirkungen des Klimawandels
Nachfröste, Niederschläge und Minustemperaturen während der Blüte- und Erntezeit setzen den ungarischen Obst- und Gemüseerzeugern in den letzten Jahren extrem zu, vor allem im Steinobstanbau, so Apáti. "Bei Aprikosen etwa haben wir im letzten Jahr Frostschäden um 80 Prozent hinnehmen müssen, was nicht mal genügte, um dem Inlandsbedarf gerecht zu werden. Dieses Jahr sind wir bisher zum Glück von nennenswerten Schäden verschont geblieben."

Rechts: Windmaschinen im Kampf gegen Frost

Um die Kulturen entsprechend zu schützen, setzen die ungarischen Erzeuger in der Regel auf drei Maßnahmen, nämlich Frostschutzberegnung, Frostkerzen (welche teilweise in Ungarn hergestellt werden) und Windmaschinen. "Obwohl sich die erste Maßnahme mit Abstand als wirksamste Methode bewährt hat, reichen die Wasserresourcen vor Ort leider nicht aus um unsere Betriebe flächendeckend beregnen zu können. Mittlerweile gelingt es uns, kurzwellige Fröste und Wetterkapriolen relativ gut zu meistern, bei andauernden Kältewellen ist es hingegen schwieriger, die Kulturen entsprechend zu schützen", skizziert Apáti.

Erhöhte Bedeutung der Lebensmittelversorgung
In den zurückliegenden zwei Jahren hat die Corona-Problematik auch das alltägliche Leben der ungarischen Bürgern mehrmals eingeschränkt. Illés: "Die Pandemie hat die Landwirtschaft und den Agrarexport dennoch kaum beeinträchtigt. Im Gegenteil: Wir haben festgestellt, dass die Ausnahmesituation teilweise zu einer erhöhten Bedeutung der Lebensmittelversorgung geführt hat, was sich wiederum auf den Stellenwert von Agrarerzeugnissen, darunter Obst und Gemüse, ausgewirkt hat."


Frostkerzen werden vielerorts als Schutzlösung gegen Frostschäden eingesetzt.

Auch Apáti stimmt seinem Landsmann diesbezüglich zu. "Die Wetterextreme haben der hiesigen Landwirtschaft mehr zugesetzt als die Pandemie. Dementsprechend sehe ich den Klimawandel als die größte Herausforderung, mit der wir in den kommenden Jahren zu kämpfen haben. Hinzu kommen die aufgrund von Arbeitsmangel und Lieferengpässen gestiegenen Produktionskosten, weshalb wir in den kommenden 2-3 Jahren mit stark reduzierten Gewinnmargen rechnen müssen."

Flächenerweiterung bei Bio-Kulturen
Illés weist ebenfalls auf das eventuelle Handelsabkommen für Agrarerzeugnisse aus Drittländern hin, welches momentan zur Debatte steht. "Falls man sich für dieses Abkommen entscheiden würde, wäre das selbstverständlich besonders nachteilhaft für die Landwirte in Ungarn und in der ganzen EU. Gleichzeitig gibt es aber auch Chancen für unsere Erzeuger, etwa in der Bio-Landwirtschaft. In den zurückliegenden Jahren wurde die Bio-Anbaufläche bereits erheblich ausgeweitet und es wird voraussichtlich auch in naher Zukunft weitere Flächenausdehnungen geben", heißt es abschließend.

Bilder: FruitVeB / Apáti Ferenc 

Weitere Informationen:
Bálint Illés
Botschaft von Ungarn in Berlin
Abteilung Landwirtschaft
Unter den Linden 76
D-10117 Berlin
Telefon: 030 . 203-10-210
E-Mail: Balint.Illes@mfa.gov.hu  
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/illesb/ 

dr. Apáti Ferenc elnök
FruitVeB
Telefon: +36 70 389 0556
E-mail: elnok@fruitveb.hu
www.fruitveb.hu 


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