Jörg Eggers (Europlant GmbH) über den heutigen Kartoffelmarkt

"Wir haben eine Reihe von virusresistenten Sortenkandidaten in der Pipeline"

Am 7.12 lud der international agierende Kartoffelzüchter Europlant GmbH zum Online-Forum bzw. Kartoffeltag 2021 ein. Europlant-Chef Jörg Eggers blickte zunächst auf das vergangene Anbau- und Erntejahr zurück. Wie erwartet habe es in der vergangenen Saison eine Einschränkung des Anbaus, insbesondere bei den Speisekartoffeln, gegeben. Zudem habe man ein sehr spätes Frühjahr mit Auspflanzungen bis Mitte Juni gehabt, weshalb die Auspflanztermine häufig nicht mehr optimal gewesen seien. Des Weiteren habe man eine späte Bestandsentwicklung und teilweise sehr geringen Knollenansatz beobachtet.

Am Anfang seien die äußeren Qualitäten der Kartoffeln akzeptabel bis gut gewesen, durch Witterung und sehr späte Erntetermine habe es dennoch später mehr Mängel gegeben. "Bei Pflanz- und Speisekartoffeln wird es dieses Jahr unterdurchschnittliche Nettomengen geben. Ähnliches gilt für die typischen Empfängerländer deutscher Speisekartoffeln in Mittel- und Osteuropa sowie Südosteuropa. Die Qualität nach der Lagerung wird dabei entscheidend, auch für die spätere Preisentwicklung der Kartoffeln", erläutert Eggers.


Jörg Eggers vertiefte mehrere Themen in Sachen Kartoffelanbau und -vermarktung.

'Speisekartoffeln könnten knapp werden'
Die europäische Kartoffelanbaufläche wird tendenziell reduziert: "Sollte die Nachfrage für Pommes wieder normal laufen und die geplanten Ausdehnungen im Verarbeitungsbereich zur Tatsache werden, könnten Speisekartoffeln in den kommenden Jahren knapp werden, falls nicht der Anbau interessanter wird im Vergleich zu anderen Kulturen", bilanziert Eggers ferner. Es wird gemäß dem Europlant-Chef in naher Zukunft mehrfach Herausforderungen für den deutschen Kartoffelsektor geben, etwa die Einschränkung der Pflanzenbehandlungsmittel, die Starkwetterereignisse, die Durchwuchsprobleme und damit einhergehend die längere Fruchtfolge und - nicht zuletzt - die höhere Verbrauchererwartung in Bezug auf Qualität, während die Möglichkeiten in der Produktion eher als eingeschränkt zu bezeichnen seien. 

Aus heutiger Sicht werden die Mittelmeerländer deren Speisefrühkartoffelfläche stabil halten, während Südosteuropa ihr Areal generell weiter einschränkt bei einem entsprechend steigenden Zufuhrbedarf. In Mittel- und Osteuropa wird eine leichte Anbauerweiterung erwartet bei einem trotzdem stetigen Zufuhrbedarf. In Nordwesteuropa wird es erwartungsgemäß eine Stabilisierung des Speisekartoffelareals geben, prognostiziert Eggers unter der Voraussetzung dass die Corona-Problematik nicht zu weiteren Gastroschließungen führen wird. 

Resistente Sorten
Anschließend zu den Ausblicken und Prognosen beantwortete Eggers mehrere Frage der Online-Teilnehmer. Es wurde etwa gezielt nach der Züchtung krankheitsresistenter Sorten gefragt. Eggers dazu: "Bei gewissen Sorten bringen wir bereits eine hohe Anerkennungssicherheit und Virusresistenz. Wenn wir die tollen Merkmale und Qualitäten unserer Sorten mit Resistenzen kombinieren wollen, wäre der Züchtungsprozess deutlich aufwändiger. Wir haben eine Reihe von Sortenkandidaten in der Pipeline, die diese Position in den kommenden Jahren einnehmen können."

Öko-Speisekartoffeln
Ferner wurde der rasch ausdehnende Anbau von Öko-Kartoffeln angesprochen. "Die Produktion muss sich aus meiner Sicht am Bedarf orientieren. Es hat keinen Sinn und Zweck wenn wir auf 20 bis 30 Prozent der deutschen Anbaufläche Bio-Kartoffeln erzeugen würden. Das ist nicht zu verkaufen. Der Anteil von Bio-Speisekartoffeln am Gesamtumsatz liegt derzeit bei etwa 8-10 Prozent und korrespondiert in etwa mit der Vermehrungsfläche, die wir aktuell haben. Ich rechne nicht damit, dass aus dem Ausland Öko-Speisekartoffeln im großen Umfang kommen werden, zumal auch dort die EU-Öko-Verordnung als Grundvoraussetzung gilt. Aus Spanien, Italien und sonstigen Frühländern wird was kommen. Ansonsten fehlt aus meiner Sicht die Kaufkraft und die Produktionssicherheit", so Eggers.

Weitere Informationen:
Europlant GmbH
Jörg Eggers
Wulf-Werum-Straße 1
21337 Lüneburg
Telefon +49 4131 7480-05
Fax +49 4131 7480-580
europlant@europlant.biz 
www.europlant.biz 


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