​Schiffbau-Zulieferer: Sichtbare Erholung nach großem Kraftakt

Die maritimen Zulieferer in Deutschland können mit dem Geschäftsjahr 2020 nicht zufrieden sein, erwarten jetzt aber, trotz der noch anhaltenden Unwägbarkeiten, gute Geschäftsentwicklungen im laufenden Jahr. "Aufgrund der kurzfristig eingebrochenen Auftragslage haben wir im vergangenen Jahr unsere Umsatzziele nicht erreicht. Die derzeitige Entwicklung auf den Märkten mit deutlich ansteigenden Auftragseingängen stimmt die Branche aber optimistisch, und die Erwartungen an die Zukunft sind positiv", sagt Martin Johannsmann, Vorstandsvorsitzender der VDMA Marine Equipment and Systems und Vorsitzender der Geschäftsführung der SKF GmbH. “Auch wenn jetzt in Teilen der Branche die Auslastung noch nicht ausreichend ist, geben doch die steigenden Bestellungen für neue Schiffe mehr als Hoffnung für 2021 und 2022", ergänzt er. "Wir haben gelernt, flexibel auf die Erfordernisse der Pandemie zu reagieren."

Produktion läuft, Reisebeschränkungen behindern Service und Vertrieb
Die Produktion in der Branche ist trotz der bisherigen drei Corona- Wellen weitergelaufen, die Aufträge konnten abgearbeitet werden. "Dies ist jetzt schon über ein Jahr lang ein großer Kraftakt für die Mitarbeitenden und die Unternehmensführung. Der Aufbau von neuen Schichtmodelle, teilweise ineffektives Homeoffice und notwendige organisatorische Maßnahmen haben die Kosten deutlich erhöht", erläutert Dr. Bernd Sitte, Vorstandsmitglied der VDMA Marine Equipment and Systems und Geschäftsführer der Dipl.-Ing. H. Sitte GmbH & Co. KG. Auch die internationalen Quarantänebeschränkungen sind für Service- und Vertriebsmitarbeitende ein Problem. Inbetriebnahmen und neue Abschlüsse werden verzögert. "Hier muss die Politik möglichst schnell internationale Lösungen bei der Anerkennung von Impfungen (Digitaler Impfpass) durchsetzen. Unsere Exportwirtschaft braucht diese Flexibilität und Schnelligkeit", erläutert Sitte. Gleichzeitig werden in den Betrieben digitale Lösungen weiterentwickelt und ausgebaut. Die digitalen Teleservices wie Ferninbetriebnahmen und -wartungen für internationale Kunden haben deutlich zugenommen und funktionieren technisch einwandfrei. Zugleich gilt es hier, die rechtlichen Wirkungen zu erkennen und verbindlich zu formulieren.

Umsatz sinkt um 4,9 Prozent

Die deutsche Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie mit ihren 63.000 hochqualifizierten Beschäftigten (minus 2,5 Prozent im Vergleich zu 2020) verzeichnete im vergangenen Jahr durch die Corona-Auswirkungen einen Umsatzrückgang um 4,9 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro. Die Bestellungen gingen im gleichen Zeitraum sogar um 10,9 Prozent zurück. Nach Überbrückung der Auftragsflaute in der Fertigung sind mit steigendem Auftragseingang im laufenden Jahr 2021 die weiteren Aussichten für 2022 sehr positiv.

Klimaziele erreichen mit High-Tech aus Deutschland und Europa

Mehr als 90 Prozent der Transporte werden weiterhin weltweit auf dem Seeweg durchgeführt. CO2-neutrale Kraftstoffe und Antriebssysteme sind der Schlüssel zur maritimen Energiewende. Forschungsinstitute, maritime Zulieferindustrie und Politik arbeiten gemeinsam an langfristigen Konzepten. Grüner Wasserstoff und daraus folgende Energieträger (Power-to-X) sind die Lösung, insbesondere auch für den interkontinentalen Warenverkehr. Im notwendigen industriellen Maßstab werden sie, auch nach positiven Szenarien, aber erst zu Beginn der 2030er Jahre ausreichend zur Verfügung stehen. Der Weg dahin wird über LNG (Liquid Natural Gas) und andere Zwischenprodukte führen. Die deutsche Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie ist aber nicht nur hier der "Befähiger", der Ideen in Innovationen umsetzt, sondern liefert auch in allen maritimen Feldern Lösungen, die die Schifffahrt sauberer und wettbewerbsfähiger machen. Themen hier sind Betriebs- und Routenoptimierung, Life-Cycle-Costs, Systeme für Ballastwasser-Behandlung und Schmieröl- Recycling, Effizienzgewinne durch Predictive Maintenance während des gesamten Schiffslebens. Auch bei Bau und Versorgung von Offshore- Windenergieanlagen ist die Branche erfolgreich. "Für die geplanten Offshore-Windanlagenprojekte auf der ganzen Welt mit ihren Hunderten Gigawatt an Leistung werden sehr viele neue Installations- und Serviceschiffe benötigt. Hier sehen wir sehr gute Chancen für die deutsche Zulieferindustrie und auch die Werften", zeigt Martin Johannsmann die Zukunft der Branche auf.

Erfolg durch Digitalisierung im internationalen Wettbewerb

Neben den Märkten für neue Spezialschiffe geht es immer auch um die zügige technische Modernisierung der weltweit oft veralteten Flotte in Hinblick auf Effizienz und Umweltschutz. Die deutschen Schiffbau- und Offshore-Zulieferer liefern ihre Komponenten und Systeme auf alle Schiffstypen. "Die Branche ist heterogen; es gibt kleine und große Unternehmen, breit aufgestellte und sehr spezialisierte Firmen. Die maritimen Maschinen- und Anlagenbauer zeichnen sich aber immer durch Flexibilität und Innovationskraft aus", erläutert Johannsmann. Derzeit gilt es besonders, neue Märkte zu gewinnen und die eigenen Produkte und Dienstleistungen für weitere Kundenkreise anzupassen und zu erweitern. In der derzeitigen Situation wird immer deutlicher, dass vor allem die Digitalisierung der Treiber in der maritimen Wirtschaft ist. Digitalisierte Produkte liefern kontinuierlich Daten, die zusammen mit Daten weiterer Komponenten und Systeme durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) bisher ungeahnte Ergebnisse bringen und Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Wer auf diesem Feld den Standard setzt, hat einen Wettbewerbsvorteil. Gerade hier wollen Europa und insbesondere Deutschland führend sein. Im Maschinenbau werden offene Schnittstellen nach dem Universal Machine Technology Interface (umati) für alle Teilbranchen definiert. Die gemeinsamen Anstrengungen der deutschen maritimen Industrie bei der Erstellung des VDMA Einheitsblatts zu MTP (Module Type Package) geben der Branche einen Vorsprung. Aber auch andere Nationen, allen voran China, wollen den Standard setzen. Umgang mit dem Kunden und Wettbewerber China Im Jahr 2020 exportierte die deutsche Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie 14 Prozent ihrer Produktion direkt in den chinesischen Schiffbau. Dieser Anteil dürfte 2021 deutlich steigen. Im Maschinen- und Anlagenbau insgesamt hat China gerade die USA wieder als Exportmarkt Nummer 1 abgelöst. Gleichzeitig wird der Wettbewerb für die deutsche Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie in China und auf Exportmärkten weiter steigen. Zur Sicherung eines Level- Playing-Fields gilt es, in Deutschland und Europa die handelspolitischen Instrumente neu auszurichten. Dabei geht es zum einen um den Schutz des EU- Binnenmarktes vor subventionierten Wettbewerbern aus Drittländern und zum anderen um die Öffnung der Märkte in Drittstaaten.

Kennzahlen zur Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie in Deutschland

Beschäftigte: 63.000 Mitarbeiter;
Umsatz (2020): 10,5 Milliarden Euro (2019: 11,1 Mrd. Euro);
Exportquote: 76 Prozent;

Auftragseingänge zurückgegangen:

Für 2020 im Durchschnitt ein Minus von
10,9 Prozent;

Exportmärkte mit unterschiedlichen Entwicklungen: 

Das europäische Ausland bestätigte seine stabile Rolle als wichtiger Exportmarkt der deutschen Zulieferer (34 Prozent der Exporte). Hintergrund war die noch gute Auftragslage führender europäischer Schiffbaubetriebe in ihren jeweiligen Spezialsegmenten vor der Pandemie, aber auch ein großes Liefervolumen europäischer Hersteller untereinander zur Bildung größerer Systeme für den weltweiten Schiffbau. Der gesamte asiatische Raum nahm in diese Zeit 34 Prozent der deutschen Zulieferexporte ab. Bei den wichtigsten asiatischen Ländern fiel China im vergangenen Jahr mit 18,1 Prozent anteilig am Export deutscher Zulieferer zurück, wohingegen Korea mit 9 Prozent relativ dazugewann. Das Bild wird sich 2021 voraussichtlich wieder zugunsten von China drehen. 

Kontakt:

Dr. Jörg Mutschler / Hauke Schlegel
VDMA AG Marine Equipment and Systems
Telefon +49 40 507 207-0
E-Mail: nord@vdma.org 


Erscheinungsdatum:



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