Wolfgang und Florian Steiner:

"Im Gemüsebau gibt es kein Homeoffice"

In Kirchweidach, einer kleinen Ortschaft gut 100 Kilometer östlich von München, und nur einen Katzensprung von der österreichischen Grenze entfernt, liegen die Betriebe von den Brüdern Wolfgang und Florian Steiner, die in Zusammenarbeit mit der REWE Group konventionelles und biologisches Fruchtgemüse anbauen. Das Jahr 2020 lief bei den Brüdern, trotz aller Umstände, sehr gut. Das sei auch den von Anfang an strengen Regeln und deren konsequenter Umsetzung zu verdanken: „Im Gemüsebau kann man nicht mal so einfach ins Homeoffice.“

Trotz vereinzelter Phasen von Hamsterkäufen sei die Jahresplanung gut umsetzbar gewesen: „Zu Beginn der Krise sind wir kaum hinterher gekommen, seitdem hat sich aber alles wieder normalisiert. Die Veränderungen am Markt spüren wir dank unserer direkten Kooperation mit der REWE weniger, und sie haben sich nicht strukturell auf unsere Betriebe ausgewirkt.“ Sowohl in Wolfgangs konventionellem, als auch in Florians Biobetrieb habe man einen gleichmäßigen Anstieg der Nachfrage verzeichnet.


Das neue Gewächshaus in Emmerting in der Vogelperspektive

Finetuning im neuen Gewächshaus in Emmerting
Wolfgang Steiner hat im vergangenen Jahr sein neues Gewächshaus in Emmerting in Betrieb genommen, in welchem unter moderner LED-Beleuchtung auch im Winter Tomaten geerntet werden können. Bisher sei er sehr zufrieden mit der Investition: „Wir sind nach wie vor dabei mit dem neuen LED- und Entfeuchtungssystem laufen zu lernen. Wir arbeiten am Finetuning des Gewächshauses, um unsere Erträge noch weiter zu optimieren. Der Geschmack stimmt bereits – das ist für uns immer noch der wichtigste Faktor.“

Steiner hatte schon am alten Standort in Kirchweidach bereits auf 2,2 Hektaren mit Beleuchtung gearbeitet und konnte so feststellen, dass es noch Bedarf am Markt gibt. „Allerdings hatten wir in Kirchweidach noch mit älteren Lampen gearbeitet, daher haben wir uns für Emmerting für effizientere LEDs entschieden.“ Diese passen gut ins abgerundete Energie- und Nachhaltigkeitskonzept seines Betriebes und seines Abnehmers REWE, so der Unternehmer: „In Emmerting bekommen wir die Energie aus einem benachbarten Kraftwerk. Dazu kommen die LEDs, die im Vergleich zu herkömmlichen Lampen 35% Energie sparen.“


Wolfgang (l) und Florian Steiner

Die Frage, ob es überhaupt notwendig und vertretbar sei, im Winter Tomaten anzubauen, habe man sich natürlich auch gestellt: „Wir wollen aber das ‚Big Picture‘ sehen und alle Faktoren mit einbeziehen. Die Auswahl an einheimischem Gemüse im Winter ist klein, die Nachfrage nach Tomaten auch in der kalten Jahreszeit groß, und wenn sie nicht regional zu haben sind, werden sie eben importiert. Dann kommen beispielsweise die Emissionen beim Transport oder die Wasserproblematik im Herkunftsland ins Spiel. Diese Lücke am Markt können wir nun mit regionaler Ware schließen.“

Passend zum neuen Gewächshaus wurde ein neues Hochregallager gebaut und ein neues System zur Qualitätskontrolle eingeführt: „Wir haben unsere Prozesse weiter standardisiert, so können wir einerseits unseren Gärtnern ein schnelles positives Feedback zu ihrer Arbeit geben, und andererseits schnell eingreifen und unsere Prozesse anpassen, falls mal etwas nicht ganz passt. In unserem neuen Hochregallager liegt der Fokus auf Automatisierung und Digitalisierung. Wir können direkt auf Daten aus dem Gewächshaus und Klimadaten zugreifen um die Steuerung im Lager zu optimieren“, so Wolfgang Steiner.

Florian Steiner hatte sein Gewächshaus im Jahr 2019 offiziell eröffnet und geht die Dinge etwas gelassener an. „Wir haben im Bioanbau eine große Auswahl von Produkten – fünf Sorten Tomaten, Paprika und Gurken – da gibt es auch ohne Neubau und neue Technik noch genug zu tun“, lacht er.


Innovative Verpackung für Bio-Erzeugnisse

„Seit letztem Jahr komplett Plastikfrei“
Die Verpackungsdiskussion ist im vergangenen Jahr aufgrund der Pandemie etwas in den Hintergrund gerückt, bei Wolfgang und Florian Steiner war sie jedoch trotzdem an der Tagesordnung. Beim BIOhof wird das Fruchtgemüse schon seit letztem Jahr vollkommen plastikfrei verpackt. „Wir haben sowohl bei der REWE Markt GmbH als auch bei anderen Ketten, die der REWE Group angehören, vollkommen auf Kartonverpackungen für unsere Produkte umgestellt“, so Florian Steiner.

„Für unsere konventionellen Produkte haben wir zusammen mit einem Verpackungshersteller selbst einen Snackbecher entwickelt. Dieser kommt im Sommer für die ersten Tests auf den Markt. Wenn die Verpackung vom Kunden gut angenommen wird, sollen viele weitere unserer Produkte in plastikfreier Verpackung folgen. Die plastikfreie Schalenverpackung ist im Bereich Fruchtgemüse noch immer ein großes Thema“, erzählt Wolfgang Steiner.

Planungssicherheit dank Vertragsanbau
Als die Familie Steiner vor einigen Jahren die Kooperation mit der REWE Group begann, hatte man natürlich abwägen müssen, ob man sich von einem einzigen Abnehmer abhängig machen möchte. Heute sind sich die Brüder einig: Sie bereuen die Partnerschaft ganz und gar nicht.

„Als Erzeuger profitieren wir von der geregelten Saisonplanung, in der wir im Voraus genau abstimmen können, in welcher Periode welche Mengen benötigt werden. Wenn es doch mal mehr Ware gibt – schließlich ist Fruchtgemüse immer noch ein Naturprodukt und von äußeren Umständen abhängig – kann REWE den Mengendruck mit Werbungen regulieren. Wir werden in solchen Situationen nicht alleine gelassen und das kann nicht jeder Erzeugerbetrieb von sich behaupten.“

Gleichzeitig motiviere und inspiriere man sich zu neuen Projekten. „Wir müssen natürlich gewisse Vorgaben des Lebensmitteleinzelhandels erfüllen, bekommen aber im Gegenzug auch Unterstützung bei der Umsetzung von neuen, innovativen Ideen – wie unserer neuen plastikfreien Verpackung. Die Entwicklungen können gemeinsam schnell, nah am Markt und entsprechend des Bedarfs der Konsument:innen umgesetzt werden.“

Auch in Sachen Nachhaltigkeit trumpft für die Steiners der Vertragsanbau: „Die Mengen, die wir produzieren, sind effizient ausgesteuert. So gibt es weniger Verluste entlang der Kette: Die Lagerzeit kann verringert werden, dadurch hält sich das Produkt im Laden und beim Konsumenten letztendlich länger. So können Lebensmittelabfälle im Handel und bei den Verbraucher:innen zuhause vermieden werden.“

Wolfgang und Florian sagen abschließend: „Die Planungssicherheit, die wir dank des Vertragsanbaus für die REWE Group erreichen, ermöglicht es uns innovative Projekte umzusetzen, nachhaltiger zu produzieren und unsere Betriebe für die Zukunft fit zu machen.“ (LH)

Weitere Informationen:
W.Steiner@gemuesebau-steiner.de 
f.steiner@biohof-kirchweidach.de
https://www.biohof-kirchweidach.de/ 
https://www.gemuesebau-steiner.de/ 


Erscheinungsdatum:
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