Trends, Zahlen, Fakten und das Coronavirus im deutschen Obst- und Gemüsehandel

"Sind wir bereits im Neuen-Normal angekommen?"

Das Corona-Virus hat maßgebliche Auswirkungen auf einen der Kerninhalte des Sozialverhaltens der Menschen: das Essen. COVID bewegt alle Menschen, weltweit: "Corona geht uns ans Herz", weiß auch Hanni Rützler, Foodtrendforscherin bei futurefoodstudio.

Im Bereich der Lebensmittelversorgung ist in den letzten Monaten vieles klar geworden: "Essen strukturiert den Alltag auch im Lockdown. An den Umsätzen im Handel sieht man auch, es wird öfter und länger zusammen gegessen."

Auf sozialer Ebene zeigt sich: "Wir sehen eine Helferlücke und Probleme mit den Arbeitsbedingungen, das wird sicherlich einen bleibenden Eindruck bei den Verbrauchern hinterlassen. Im Handel kristallisieren sich Frauen in ihrer Rolle als Systemerhalterinnen noch weiter heraus."

Rützler weiß, dass Emotion und Identität mit unserer Ernährung eng verankert sind, daran wird das Coronavirus nichts ändern. Es sei jedoch interessant, wie sich die Food Trends, die seit jeher den gesellschaftlichen Wandel widerspiegeln, in der Zukunft entwickeln werden.

"Zunächst muss man klären, wie Foodtrends zustande kommen: Ein Trend gibt immer eine Antwort auf eine Situation. Eine Veränderung im Alltag, wie es jetzt beispielsweise wegen des Lockdowns passierte, kann eine Auswirkung haben. Zudem sind die Trends kulturspezifisch und nicht universell weltweit anwendbar." Generell stelle sie fest, dass die Ernährung immer mehr zur Identitätsstütze wird: "In einer Gesellschaft des Überflusses und der zunehmenden Individualisierung wird die Ernährung zunehmend zum Persönlichkeitsausdruck."


In ihrer Food-Trend-Map 2021 nennt Rützler folgende übergreifenden Trends in der Ernährung: Nachhaltigkeit, Glokal, Qualität, Alltag, Gesundheit, Genuss - und alle diese Themen überschneiden sich in verschiedenen Aspekten.

Ein besonderer Trend, der sich wohl in naher Zukunft noch extremer auf den Handel auswirken wird, ist die "Snackification": "Wir bewegen uns weg von den klassischen drei Hauptmahlzeiten mit Snacks. Wir nehmen tendenziell mehr kleinere Mahlzeiten zu uns und das wird sich auf den Bedarf der Verbraucher auswirken, sowohl auf die Art als auch die Größe des Obst und Gemüses."

"Wir befinden uns noch in der Adaptionsphase"
Helmut Hübsch, von GfK SE, lieferte auf dem Deutschen Obst- und Gemüsekongress vergangene Woche in Düsseldorf, mit seinem traditionellen, abschließenden Vortrag, die passende Echtzeitinformation zu Zahlen, Fakten und Trends.

"Wie wir alle sicherlich gemerkt haben, ist das Konsumklima im März deutlich eingebrochen, inzwischen gibt es jedoch eine Erholung. Auch der Außer-Haus-Konsum ist klar zurück gegangen." Der LEH habe zwar einen Zuwachs verzeichnet, jedoch nicht in so extremen Maße wie der Einbruch im Gastgewerbe. "Bisher befinden wir uns noch in der Adaptionsphase, die dann bald ins Neue-Normal übergehen soll."

Insgesamt seien trotz allem ähnliche Trends wie im gleichen Zeitraum 2019 zu verzeichnen gewesen: "Der Bioanteil ist um 22% gestiegen. Insgesamt ist die Einkaufshäufigkeit - trotz Corona - nicht zusammengebrochen."

Zu Beginn der Pandemie in Deutschland - zwischen März und Mai - sei mehr und öfter Obst eingekauft worden, das habe sich inzwischen wieder normalisiert. "Beerenobst bleibt weiterhin der große Gewinner, und das auf langjährige Sicht. Dagegen verliert Steinobst, Kernobst ist gleichbleibend."

Beim Gemüse fällt vor allem auf, dass der Saisonverlauf in den meisten Fällen weniger ausgeprägt ist, als beim Obst. "Abgesehen vom Sonderfall Spargel gibt es alle Gemüsesorten immer (meistens)." Tomaten seien noch immer das beliebteste Gemüse der Deutschen, Blumenkohl hingegen verliert. 

Der Umsatz mit Gemüse hat sich auch bis in den August noch zweistellig über denen des Vorjahres gehalten, im Gegensatz zum Obst, wo sich die Tendenz wieder normalisierte. 

Hier geht es zur Fotoreportage des DOGKs.


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