Stein- und Kernobsterzeuger kämpfen gegen den Nachtfrost

"Frostschutzberegnung soll die Schäden des Kälteeinbruchs minimalisieren"

In vielen europäischen Obstbaugebieten kam es die letzten Tage zu einem akuten Kälteeinbruch. Vielerorts wurden mehrere Nächte in Folge Minustemperaturen verzeichnet, welche sich dementsprechend auf die Obsterzeugnisse auswirken. Vor allem im Kern- und Steinobstbereich könnte der Nachtfrost letztendlich zu erheblichen Ernteeinbußen und Schäden für die Obsterzeuger führen. 

Österreichische Marillen: 'Nächste Tage und Wochen werden ausschlaggebend'
Im österreichischen Marchfeld (nordöstlich von Wien) wurde von Dienstag auf Mittwoch die bisher kälteste Nacht des aktuellen Kälteeinbruchs verzeichnet (-4 Grad). Zur Zeit findet man gute und geschädigte Aprikosenblüten, sagt Manfred Harbich, Inhaber des gleichnamigen Obstbaubetriebes. Selbst versucht der engagierte Obstbauer seine Gewächse mittels Frostberegnung zu schützen. „Steinfrüchte – insbesondere Marillen – sind wegen der frühen Vollblüte in der Regel etwas frostempfindlicher als beispielsweise Kernobst. Aufgrund dessen ist der aktuelle Kälteeinbruch besonders unvorteilhaft im Zusammenhang mit der relativ frühe Vollblüte unserer Marillen. Ob und in welchem Ausmaß im Endeffekt ein Schaden entstanden ist, wird man dennoch erst in den nächsten Tage sagen können. Diese Jahreszeit – Ende März – Anfang April – ist in dem Sinne ausschlaggebend für den weiteren Saisonverlauf.“

Laut Harbich seien die „neuen“ Aprikosensorten aus dem südeuropäischen Raum – welche in den letzten Jahren Einzug in den Handel halten - in der Regel deutlich frostempfindlicher. Diese Aprikosen brauchen im Winter weniger Kältereiz, deshalb treiben sie früher an. Altbewährte Sorten wie die Bergeron – die Hauptsorte des Marchfelder Obstbaubetriebes – scheinen etwas an Beliebtheit einzubüßen, seien jedoch im Falle eines Kälteeinbruchs einfacher zu schützen. Durch die erhebliche Frostempfindlichkeit der Marillen kommt es nicht selten zu hohen Ausfallsraten bei der letztendlichen Ernte im Sommer. Dies wirke sich dementsprechend auf die Preise aus: „Wer in einer solchen Saison genügend Menge hat, kann seine Ware schon zu erfreulichen Preisen verkaufen.“

Zum Schutz der Blüten gibt es zwei gängige Verfahren im Obstbau: Bei Frostschutzberegnung werden die Gewächse gezielt mit sehr feinen Wassertröpfchen besprüht: Beim Gefrieren des verteilten Wassers wird auf den Pflanzen Kristallisationswärme freigesetzt, so dass die Blüten vor Frostschäden bewahrt werden. Beim zweiten Frostabwehrverfahren werden die Blüten mit kleinen Öfen mit Briketts oder mit Paraffin-Kerzen erwärmt um Schäden entgegenzuwirken. Alternativen zur Frostschutzberegnung spielen im Erwerbstobstbau allerdings kaum eine Rolle. / Bild: Elbe Obst

Altes Land: 'Auch in den nächsten Wochen ist noch mit Frost zu rechnen'
Im Alten Land haben die ersten Betriebe bereits in der Nacht von Samstag auf Sonntag die Beregnung eingeschaltet, ab Sonntag dann fast alle. Die meisten Betriebe haben -2 Grad als Richtwert für das Einschalten der Froschschutzberegnung, berichtet das Management der Elbe Obst. Bei einem späteren Blütenstadium wird bereits früher eingeschaltet. Die Temperaturen waren in den letzten Nächten schon am Abend im Minusbereich, sodass die Temperaturen schon früh sehr genau geprüft wurden um zu entscheiden, ob eingeschaltet werden muss.

Das Anbaugebiet Altes Land ist überwiegend mit Beregnung ausgestattet, bei den handelsüblichen Kernobstsorten wird nahezu komplett beregnet. Das Wasser läuft über ein System aus großen und kleinen Gräpen und Pumpen rechtzeitig von der Elbe oder den Seitenflüssen zu den Beregnungsteichen der Erzeuger. "Bisher gab es keine Überraschungen, das feinmaschige Frostwarnsystem hat perfekt funktioniert, so daß auf Grund von Frost während der Blüte keine negativen Folgen zu erwarten sind. Allerdings ist auch in den nächsten Wochen noch mit Frost zu rechnen", heißt es.


Frostschutzberegnung im Alten Land / Bild: Elbe Obst

Ohnehin führt die temperierende Wassernähe zur Elbe und zu den Seitenflüssen bereits zu einem höheren Schutz als in Lagen außerhalb des Alten Landes, der jedoch in der aktuellen Wetterlage nicht ausgereicht hätte. Für das nächste Wochenende sind etwas höhere Temperaturen angesagt, sodass wahrscheinlich eine Beregnungpause eingelegt werden kann. Für die nächste Woche sind jedoch wieder kältere Nächte angesagt, sodass weitere Beregnungsnächte geplant sind.

Weitere Informationen:
Obstbau Harbich
Manfred Harbich
Altes Dorf 20
2281 Raasdorf
Tel & Fax +43 2249/89217
info@obstbau-harbich.at 
www.obstbau-harbich.at     

Elbe-Obst Vertriebsgesellschaft mbH
T: + 49 (0) 4141 - 9531- 854
www.elbe-obst.com   


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