Gesamtschäden in der Landwirtschaft um über 3 Millionen Euro beziffert

Wanzen verursachen Millionenschäden in der Schweiz

2019 verursachte die Marmorierte Baumwanze massive Schäden im Schweizer Obstbau. Eine aktuelle Erhebung zeigt, dass sich diese auf über 3 Millionen Franken belaufen. Die Obst- und Gemüseproduzenten sind besorgt, das zeigt das grosse Interesse an der Fachtagung am Strickhof in Wülflingen von dieser Woche. Experten aus dem In- und Ausland präsentierten die neusten Forschungsergebnisse und mögliche Lösungsansätze.

Die Marmorierte Baumwanze breitet sich in der Schweiz stark aus. Der aus Asien eingeschleppte Schaderreger kann über 200 verschiedene Wirtspflanzen befallen. Insbesondere im Obst- und Gemüsebau führen die Einstiche der Wanzen zu Deformationen und bitteren Stellen im Pflanzengewebe. Befallene Früchte und Gemüse können nicht mehr für den Frischkonsum verkauft werden. Auch die Verarbeitung ist oft nicht mehr möglich. In Italien, wo die Marmorierte Baumwanze bereits länger vorkommt, werden die Schäden in der Landwirtschaft für 2019 mit 350 Millionen Euro beziffert.

Schweizer Obst- und Gemüsebau ist stark betroffen
Eine aktuelle Erhebung des Schweizer Obstverbandes (SOV) zeigt nun das Ausmass der Schäden. Besonders betroffen sind die Kantone Thurgau und Zürich. Flächenmässig werden im Kanton Thurgau am zweitmeisten Birnen angebaut (246 Hektaren). Dort rechnet man mit einem Ertragsausfall von 25 Prozent der Ernte. Frankenmässig beläuft sich der Schaden allein dort auf über drei Millionen Franken. Hinzu kommen der Mehraufwand für Pflück- und Sortierarbeiten. Ebenfalls stark betroffen sind die Birnenproduzenten im Kanton Zürich. Der Ertragsausfall liegt auch hier bei 25 Prozent, sprich 200'000 Franken auf die rund 18 Hektaren Anbaufläche. Die Kantone Aargau, St.Gallen, Luzern und Zug beziffern den Ausfall ebenfalls auf über 20 Prozent. Insgesamt dürften die Ausfälle mehrere Millionen Franken betragen.

Unverzügliche Lösungen sind gefragt
Diese Woche fand eigens zu dieser Thematik eine Fachtagung am Kompetenzzentrum für Bildung und Dienstleistungen in Land- und Ernährungswirtschaft Strickhof in Wülflingen statt. Die Obstproduzenten forderten schnelle Lösungen, um die einheimische Obstproduktion zu unterstützen. Gegenwärtig sind in der Schweiz keine wirksamen Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung dieses neuen, invasiven Schädlings zugelassen. Die Erfahrungen aus dem Ausland zeigen allerdings, dass Pflanzenschutzmittel in Kombination mit Nützlingen einen wichtigen Beitrag zum Schutz unserer Kulturen gegen die Marmorierte Baumwanze leisten können. In diesem Jahr wurde nachgewiesen, dass sich der beste natürliche Gegenspieler – die Samuraiwespe (Trissolcus japonicus) – südlich und nördlich der Alpen bereits ausbreitet. Da sich dieser Nützling bereits ohne Zutun in der Schweiz ausbreitet, beantragten der Schweizer Obstverband und der Verband der Schweizer Gemüseproduzenten die generelle Erlaubnis für die Freilassung der Samuraiwespe sowie die Einsatzerweiterung von bereits zugelassenen Pflanzenschutzmitteln.

Ohne wirksame Pflanzenschutzmittel steht Obstbau vor dem Ruin
Nebst der marmorierten Baumwanze bedrohen neuerdings der Blatthornkäfer, die Bananenschmierlaus sowie das Feuerbakterium Xylella fastidiosa die Obstkulturen in der Schweiz. Um ihre Kulturen auch künftig schützen zu können, sind die Obstproduzenten auf Pflanzenschutzmittel angewiesen. "Die massiven Schäden der marmorierten Baumwanze zeigen uns deutlich auf, dass wir gegenwärtig noch auf den gezielten und massvollen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln angewiesen sind", so Jimmy Mariéthoz, Direktor des Schweizer Obstverbandes. Ein generelles Verbot dieser Mittel, wie sie die beiden Pestizidinitiativen fordern, würde, so Mariéthoz, den Anbau von Schweizer Obst in der Schweiz verunmöglichen.

Quelle: Schweizer Obstverband


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