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Gerard Poldervaart, Fruitmedia und Betuwse Fruit Shop in den Niederlanden:

"Eine Senkung der Selbstkostenpreise wird die Steinobstkrise nicht lösen"

"Die Situation im Obstanbau ist kritisch. Viele Apfel- und Birnenbauern befinden sich in der Krise. Wir sollten nicht um den heißen Brei herumreden", sagt Gerard Poldervaart. Er besitzt ein Geschäft namens Betuwse Fruitshop in den Niederlanden, und Fruitmedia. Zu den Publikationen des Verlages gehören das European Fruit Magazine und The Fruitteeltkrant.

"Anstatt sich jedoch zu beschweren, sollten Obstbauern darüber nachdenken, wo es Möglichkeiten gibt. Dies erfordert Bewusstsein und Umdenken. Auch im Obstsektor ist eine Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten erforderlich."

Gerard Poldervaart (r.) mit seinem Sohn Coen vor dem Betuwse Fruitshop

Sind Ernteroboter rentabel?
Bevor Gerard sein Unternehmen gründete, war er als Berater für Obstbauunternehmen in ganz Europa tätig. Das tat er viele Jahre lang. Er sah, dass die Dinge in den Niederlanden anders laufen als in Ländern, wie Deutschland oder Italien.

In den Niederlanden versucht man die Krise im Apfel- und Birnensektor vor allem dadurch zu lösen, indem die Kosten gesenkt werden. Die Menschen suchen auch nach Innovationen in Bereichen wie der Sortenforschung und Mechanisierung. Laut Gerard ist dies jedoch eine Sackgasse.

"Die Landwirte sind sich ihrer Selbstkostenpreise bereits sehr bewusst. Dieser Preis kann kaum noch weiter reduziert werden. Neue Ideen wie neue Sorten, Spritzmaschinen, Roboter, die Äpfel pflücken, und der Einsatz von Drohnen sind meiner Meinung nach nicht zielführend."

"Wie viele Clubsorten haben dem Obstbauern realistischerweise mehr Einkommen pro Hektar beschert? Ist es jemals rentabel, einen Ernteroboter zu haben? Wenn man ihn nur sechs Wochen im Jahr benutzt, während der Erntezeit?", fragt er.

Der Betuwse Fruitshop vollgepackt mit Obstdelikatessen

Bessere Preise auf dem Frischmarkt
Gerard sieht nach der Kultivierungsphase mehr Nutzen für Innovationen. Der Sektor muss Produkte finden, die auch den Absatz und den Konsum von Obst steigern. Das bedeutet, dass qualitativ minderwertige Früchte vom Frischmarkt verschwinden werden. Dies wiederum wird den Preisbildungen auf diesem Markt zugutekommen.

"Wenn die Preise für Industrieobst gerade gut sind, neigen Obstbauern oder ihre Vertriebspartner dazu, unsortiertes Obst von durchschnittlicher Qualität an die verarbeitende Industrie zu verkaufen. Aber wenn der Preis für Industrieobst niedrig ist, versuchen sie, diese Chargen auf dem Frischmarkt zu verkaufen. Ein guter Preis für Industrieobst macht diese Frischmarktoption obsolet", erklärt Gerard.

VOG Products verarbeitet mehr als 350.000 Tonnen Obst zu Produkten aller Art. Bildnachweis: VOG Products, FruitMedia.

Dass diese Argumentation zutrifft, zeigt sich in Südtirol. Gerard sagt: "Dort haben die kooperierenden Vertriebsgenossenschaften vor Jahren VOG Products gegründet. Dieses Unternehmen verarbeitet Äpfel zu allen Arten von gefrorenen, konservierten oder vakuumverpackten Produkten. Der Umsatz des Unternehmens ist seit seiner Gründung enorm gestiegen. So weit, dass mehr Industrieäpfel verarbeitet werden, als in ganz Südtirol verfügbar sind.

Erfüllt ein Apfel noch die heutigen Anforderungen an den Komfort? Oder würden Eltern ihren Kindern lieber einen Dosen-Apfel mit in die Schule geben? Bildnachweis: FruitMedia.

Gerard sieht viele Möglichkeiten, den Wert von Obst zu steigern. Sein Laden, der Fruit Concept Store, ist voll von Fruchtleckereien. Dazu gehören Fruchtschokolade und -süßigkeiten, Frucht-Seccos und -Weine, Marmeladen, Apfelchips und spezielle Fruchtsirupe. "Sieh dich genau um. Es gibt neben Delikatessen noch unzählige Möglichkeiten."

"Denken Sie an Kunstleder für Taschen, Schuhe oder Kleidung aus Apfelmark. Denken Sie an Apfelmost, Apfelbier, Apfelmus oder hochwertigen Apfelsaft als Alternative zu den industriell hergestellten Massensäften. In diesen Massensäften werden Aromastoffe verwendet, um den Geschmack von Äpfeln nachzuahmen", fährt Poldervaart fort.

"Die Verbraucher wollen immer mehr Fertiggerichte. Wir glauben vielleicht, dass ein Apfel oder eine Birne zum Essen geeignet ist. Aber ist das wahr? Oder möchten die Menschen lieber ihren Apfel oder ihre Birne frisch in Stücke geschnitten kaufen? Vielleicht möchten Mütter und Väter ihren Kindern lieber eine Dose Apfelsaft mit zur Schule geben als einen Apfel oder eine Birne?

"Wenn ich einen Fruchtsalat im Supermarkt kaufe, enthält er hauptsächlich Ananas, Trauben, Kiwis oder andere exotische Früchte. Selten findet man einen Apfel oder eine Birne. Ist das nicht eine Chance für den Obstsektor?", will Gerard wissen.

Oder einen Apfel-Snack im Beutel? Bild: FruitMedia

Gerard sieht, dass die einzelnen Landwirte in den meisten Fällen zu klein sind, um diese Chancen zu ergreifen. "Der gesamte Obstsektor muss überdenken, wie er den Absatz dieser Produkte strukturierter steigern kann. Ich sehe hier Chancen für Landwirte, Organisationen und Interessengruppen. Zu diesen Gruppen gehören der Boerenbond und der Studiekring Guvelingen in Belgien oder die NFO und LTO in den Niederlanden."

"Sie können die Zügel in die Hand nehmen und als Verbindung zwischen den Erzeugern fungieren", sagt er. Ein erster Schritt kann bereits sein, standardmäßig reinen Birnen- und Apfelsaft zum Frühstück in B&B's und Hotels zu servieren. "Warum muss Orangensaft der Standard sein?", frag Gerard.


Marmeladen, Sirup und andere Obstaufstriche. In Belgien stellen sie beispielsweise Erdbeer- und Himbeersirup her.

Der Obstsektor sollte stolzer auf seine Produkte sein. Das sollten sie auch zeigen. "Bei fast jedem Treffen der Obstbauern wird Cola und Orangensaft angeboten. Auf Messen bieten die Standinhaber den Besuchern Limonade und Erdnüsse an. Warum nicht leckerer Fruchtsaft, Fruchtschokolade oder Apfelstücke? Das Umdenken des Obstanbausektors beginnt zuhause", sagt Gerard abschließend.

In Deutschland werden Frucht-Seccos aus verschiedenen Obstsorten und Wein aus z.B. Äpfeln oder Kirschen hergestellt.

Zu diesen Fruchtdelikatessen gehören Fruchtschokolade mit großen Fruchtstücken sowie Fruchtbonbons.

Für weitere Informationen
Gerard Poldervaart
Fruitmedia 
23 Rooimond
4197 BS Buurmalsen, NL
Tel: +31 (0) 618 054 231
www.fruitmedia.info 

Betuwse Fruitshop
4 Marktplein
4191 AC Geldermalsen, NL
Tel +31 (0) 618 054 231
info@betuwsefruitshop.nl 
www.betuwsefruitshop.nl 


Erscheinungsdatum:



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