Spezialisierter Handel sieht Chancen im Biobereich

"Nur wenige Konsumenten reiben Meerrettich noch selbst"

Die diesjährige Ernte beim Meerrettich habe in der letzten Woche (KW 45) begonnen. Vielerorts gab es wegen des trockenen Sommers Ernterückgänge. In Polen sei fast die gesamte Ernte ausgefallen, bestätigt ein spezialisierter Großhandelsbetrieb im Gespräch mit Freshplaza. In Polen gebe es nur wenig bewässerten Anbau und so wusste man von Anfang an, dass man sich bei diesen Wetterverhältnissen umorientieren muss. Die Händler dort haben frühzeitig damit begonnen Altbestände aus beispielsweise Österreich und Ungarn anzukaufen um überhaupt Ware verfügbar zu haben.

Im Moment könne man noch keine Aussage über den Ausgang der Saison geben. Durch die extremen Unterschiede des Niederschlags – mit Überschwemmungen an manchen Orten und Dürre an anderen – seien die Erträge in dieser Saison äußerst verschieden. Erzeuger die keine Möglichkeiten zur Bewässerung hatten, ernten jetzt wesentlich kleinere Stangen als gewöhnlich, was auch zu Einbußen führe.

Nischenprodukt 
Zwischen Varietäten wird beim Meerrettich nicht unterschieden. Äußerst wichtig sei aber eine Stangenlänge von gut 25-30cm. Der europäische Durchschnitt liegt bei ca. 25cm. Für den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) wird ausschließlich A-Ware nach den speziellen Größenvorgaben von gut 30cm Länge und einem Gewicht von durchschnittlich 300g sortiert.

Zudem konnte man in den letzten Jahren einen Trend hin zur kleineren Sortierung erkennen: "Die Supermärkte verlangen eher nach 220-280g schweren Stangen. Heutzutage reiben nur noch wenige Konsumenten ihren Meerrettich selbst, und wenn, dann nur in kleinen Mengen", erläutert ein Händler. 

Bei einem Jahresumschlag von 250 Tonnen frischem Meerrettich, sei das Gemüse ein Nischenprodukt. Meerrettich sei in Norddeutschland hauptsächlich zum Fisch bekannt – in Süddeutschland und auch Österreich werde er viel vielseitiger verwendet. Die Hauptzeiten für den Meerrettich sind zu Weihnachten und zu Ostern. Im Juli und August wird viel Meerrettich zum Einlegen von Gurken benötigt. Zu Weihnachten und Silvester steigen die angeforderten Mengen um das Dreifache. Gehandelt wird der Meerrettich aber das ganze Jahr über zu nahezu gleichbleibenden Preisen. 

Bio-Meerrettich
Wie bei vielen Obst- und Gemüsesorten steige die Nachfrage nach Bio-Produkten immer weiter an. "Gerade jetzt, wo die großen Supermärkte danach fragen, wächst der Bedarf. Heutzutage machen die verschiedenen Auflagen und Vorgaben das Produkt allerdings sehr teuer. Da Meerrettich sowieso schon eher ein Luxusprodukt ist, kann sich die Bio-Ware so am Markt nicht halten kann." Allein im Einkauf sei der Bio-Meerrettich schon etwas mehr als doppelt so teuer wie die konventionellen Produkte, erklärt der Fachhandel.

Gerade im Bio-Bereich, der eine sehr kleine Produktionsmenge hat, sei es besonders schwierig ausreichende Mengen kleinstangigen Meerrettich für den Einzelhandel auszusortieren. ''Wenn die Nachfrage allerdings trotz des Preises weiterhin steigt, werden sich die Erzeuger aber sicherlich darauf einstellen und die Produktion erweitern."


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