Der Bauch von München heißt der örtliche Großmarktkomplex und die angehörigen Fazilitäten schon seit Jahren. Aber auch hier im Herzen des süddeutschen Obst- und Gemüsehandels hat man große Sorgen über die Zukunft des Geländes und die Leistungsfähigkeit des Handelsknotenpunkts. Erhebliche Nachlässigkeit der Hallen und der Trend Richtung Direkteinkauf beim nationalen LEH bedroht die Existenz der Großhändler, so Gerhard Harter, stellvertretender zweiter Werksleiter der Großmarktverwaltung. ,,Ich sehe der Zukunft sehr kritisch und unsicher entgegen.‘‘


Großhändler auf dem Münchner Großmarkt

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Wie bei der Mehrheit der deutschen Großmärkte der Fall ist, befindet der Münchner Großmarkt sich in einer großartigen Verwandlungsphase. Nur zwei Möglichkeiten stehen zur Verfügung: entweder findet ein großer Neubau statt bei dem die älteste Hallen abgerissen und neu aufgebaut werden, oder der Münchner Großmarkt wird zu einem nostalgischen aber marginalen Treffpunkt von einigen großen Dienstleistern und Direktvermarktern. Harter: ,,Die Hallen 1 bis 4 sind von der Bausubstanz her nicht mehr leistungsfähig. Die halten keine 20 Jahren mehr. In den Hallen ohne Rampen müssen die Händler ihre Waren extra schützen mit Folien. Die einzigen Optionen sind entweder Neubau oder wir machen dicht.‘‘


Gerhard Harter, stellvertretender zweiter Werksleiter der Großmarktverwaltung in seinem Büro

Sichthandel
Der Münchner Stadtrat trifft diesbezüglich als Eigentümer des Geländes die endgültige Entscheidung. Der Stadtrat hat im letzten Juli entschieden, dass der neue Komplex von privaten Investoren finanziert werden muss. Einige Investoren haben sich auch bereits gemeldet. Harter: ''Die wissen aber gar nicht, auf was sie sich einlassen. Das Problem mit Privatinvestoren ist aber auch, dass sie weniger Personal finanzieren wollen, weshalb die Verwaltung ziemlich eingeschränkt wird.‘‘ Bevor der Neubau überhaupt anfängt muss das Gelände noch freigemacht werden. Die gerahmten Kosten für die Leitungsverlegung und Altlastenentsorgung gehen laut Harter über die 40 Millionen Euro. 


Der Eingang zum Münchner Großmarktgelände

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Der heutigen Verwaltung ist es aber vor allem wichtig, dass das neue Gelände die gesamte Lebensmittelbranche umfasst und die ganze Produktpalette anbietet, auch Fleisch, Fisch und Molkerei. Harter: ''Der sogenannte Sichthandel ist auf dem Rückzug. Wenn man am Telefon oder Online einkauft und ein Händler liefert Mist, dann nehme ich einen anderen. Deswegen muss die neue Halle flexibel eingerichtet und ausgestattet werden, sodass man die Halle je nach Bedarf nutzen kann. Aktuell bezahlt man 11 Euro Gebühren pro m2 bzw. 13 Euro pro m2 in den zwei Rampenhallen. Unter 20 Euro pro m2 muss es sein, damit die Händler es überhaupt noch bezahlen können.‘‘


LKWs docken an bei der Rampenhalle 10. Die alte Hallen (1 bis 4) sind allerdings nicht mit Rampen ausgestattet

Wenn die Neublaupläne gestaltet werden und die gemischte Produktpalette da ist, habe der Großmarkt laut Harter bestimmt noch Potenzial. Das Grundstück im Stadtteil Sendling sei was die Logistik und den Raum betrifft einzigartig und optimal. Harter: ''Alternative gibt es nicht. Der Großmarkt soll hier am Ort bleiben. Wir haben hier einen Bahnanschluss wo man theoretisch umladen könnte. Das zusätzliche Problem ist aber, dass München schon zu sehr bebaut ist.‘‘ Anfragen hat der Markt nach seinen Angaben auch noch immer. ''Für jeden Stand der freikommt gibt es sofort 3 oder 4 Interessierte. Im Gegensatz zu anderen Großmärkten haben wir auch kaum Konkurrenz. Der Großmarkt Nürnberg ist zu weit weg von uns. Händler aus Salzburg und Linz melden sich sogar in München.‘‘

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Nachts auf dem Großmarkt, mittags auf dem Weihnachtsmarkt. Die Münchner Krämer kaufen ihre Ware direkt auf dem Großmarkt. 

Weitere Informationen
Markthallen München
Verwaltungsleiter Gerhard Harter
Schäftlarnstr. 10
81371 München
Tel. +49 89 233 98502
gerhard.harter@muenchen.de
www.muenchen.de