Die deutsche Landwirtschaft steht nicht nur unter wirtschaftlichem Druck. Sie steht vor einer strategischen Richtungsentscheidung. Steigende Energie- und Lohnkosten, zunehmende Regulierung und geopolitische Unsicherheiten treffen auf einen Markt, der gleichzeitig hohe Erwartungen an Nachhaltigkeit, Regionalität und Preisstabilität stellt. Diese Gemengelage bringt viele Betriebe an ihre Grenzen.
„Wir laufen Gefahr, uns schleichend aus der eigenen Produktion herauszupreisen", warnt Labinot Elshani, CEO der Landfrisch AG. „Wenn wir nicht aufpassen, verlagern wir damit Wertschöpfung ins Ausland und somit auch ein Stück Versorgungssicherheit."
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Landfrisch-CEO Labinot Elshani (r) und Carsten Knodt auf der diesjährigen Fruit Logistica.
Ein strukturelles Problem, kein kurzfristiger Effekt
Die aktuellen Herausforderungen sind aus Sicht der Branche kein vorübergehendes Phänomen. Vielmehr überlagern sich mehrere Entwicklungen: steigende Mindestlöhne, hohe Energiepreise, wachsender bürokratischer Aufwand und gleichzeitig ein internationaler Wettbewerb, der unter anderen Kostenstrukturen produziert. „Wir haben in Deutschland ein sehr hohes Anspruchsniveau. Ökologisch, sozial und qualitativ. Das ist richtig und wichtig", sagt Elshani. „Aber diese Standards müssen sich auch wirtschaftlich tragen lassen."
Gerade im Unterglasanbau, der besonders energieintensiv ist, aber auch im Freilandanbau wird diese Diskrepanz deutlich. Während heimische Produzenten steigende Kosten schultern müssen, konkurrieren sie mit Importware, die häufig unter deutlich günstigeren und einfacheren Rahmenbedingungen erzeugt wird.
Geopolitik verschärft die Lage
Hinzu kommt eine zunehmende Unsicherheit im globalen Handel. Geopolitische Spannungen, veränderte Handelsströme und steigende Transportkosten führen dazu, dass Importware weniger kalkulierbar wird. „Wir sehen, dass sich Abhängigkeiten im globalen Markt zunehmend als Risiko herausstellen", so Elshani. „Das Thema Versorgungssicherheit bekommt eine völlig neue Bedeutung."
Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach regional erzeugten Lebensmitteln. Der Lebensmitteleinzelhandel reagiert mit stärkerem Fokus auf heimischer Produktion, doch das Angebot kann nicht immer Schritt halten.
Klares politisches Signal vonnöten
Aus Sicht von Landfrisch braucht es ein klares politisches Signal, um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Produktion zu sichern. „Wenn wir regionale Landwirtschaft wollen, müssen wir auch die Rahmenbedingungen dafür schaffen", fordert Elshani. „Dazu gehören verlässliche Energiepreise, planbare regulatorische Vorgaben und ein realistischer Blick auf internationale Wettbewerbsverhältnisse."
Es gehe nicht darum, Standards zu senken, sondern darum, sie so zu gestalten, dass sie
langfristig tragfähig bleiben. „Ungleiche Rahmenbedingungen sowie Preisdruck aus dem Handel dürfen nicht dazu führen, dass Produktion ins Ausland verlagert wird", so Elshani. „Das wäre weder ökologisch noch wirtschaftlich sinnvoll."
Die Branche ist bereit – aber sie braucht Spielraum
Unternehmen wie die Landfrisch AG investieren bereits in effizientere Produktionssysteme, moderne Gewächshaustechnologien und nachhaltige Anbaumethoden. Gleichzeitig setzen sie verstärkt auf regionale Wertschöpfung und integrierte Strukturen. „Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten und in die Zukunft zu investieren", sagt Elshani. „Aber wir brauchen Rahmenbedingungen, die unternehmerisches Handeln ermöglichen und nicht ausbremsen." Fazit: Jetzt entscheidet sich die Zukunft der heimischen Produktion.
Die kommenden Jahre werden darüber entscheiden, wie stark die Landwirtschaft in Deutschland künftig aufgestellt ist und wie unabhängig sie von globalen Entwicklungen agieren kann. „Es geht letztlich um eine grundlegende Frage", fasst Elshani zusammen. „Wollen wir in Deutschland weiterhin eine starke, nachhaltige, eigene Lebensmittelproduktion oder nehmen wir bewusst mehr Abhängigkeit in Kauf? Die Antwort darauf wird nicht nur auf den Höfen und in den Betrieben gegeben, sondern auch in der politischen Gestaltung der Rahmenbedingungen sowie einer ehrlichen Wertschätzung der Gesellschaft."
Weitere Informationen:
www.landfrisch.com