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Versuchszentrum Laimburg:

Projekt zur Verwertung von Reststoffen aus der Apfel- und Weinverarbeitung gestartet

Wie lassen sich aus Trestern, Apfelschalen und anderen pflanzlichen Abfällen wertvolle Produkte gewinnen und dabei gleichzeitig Umwelt und Ressourcen schonen? Ein neues EU-Projekt der Freien Universität Bozen und des Versuchszentrums Laimburg verfolgt das Ziel, Reste aus der Apfel- und Weinproduktion sowie andere pflanzliche Nebenprodukte wiederzuverwerten – zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit in Südtirol.

Bei der Apfel- und Weinverarbeitung fallen große Mengen an Reststoffen wie Trester, Apfelschalen und Kerne an. Bislang werden diese überwiegend als Abfall behandelt. Im Rahmen des Projekts "ZeroResidue" entsteht jetzt eine neue Infrastruktur am NOI Techpark in Bozen, die darauf abzielt, Abfällen aus der Agrar- und Lebensmittelindustrie ein zweites Leben zu geben – mit dem Ziel, agroindustrielle Abfälle von einem Entsorgungsproblem in eine wertvolle Ressource umzuwandeln. Das Projekt soll Abfälle in Erzeugnisse verwandeln, die in der Biomedizin, der Lebensmittelindustrie, der Önologie und Kosmetik Verwendung finden. Gefördert wird das Projekt durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

Für Südtirol hat das Projekt eine besondere Bedeutung, wie Landesrat für Landwirtschaft Luis Walcher bei der Auftaktveranstaltung im NOI Techpark betont: "Das Projekt trägt dazu bei, Abfall zu reduzieren und neue regionale Wertschöpfungsketten zu schaffen. Die Zusammenarbeit zwischen der Freien Universität Bozen und dem Versuchszentrum Laimburg stärkt den Innovationsstandort Südtirol und fördert zukunftsfähige Produktionssysteme – für unsere Landwirtschaft und unsere Produzentinnen und Produzenten."

© Versuchszentrum Laimburg / A. MartinelliEmanuele Boselli (links), Koordinator des Projekts an der Freien Universität Bozen und Alberto Ceccon (rechts), Leiter des Labors für NMR-Spektroskopie des Versuchszentrums Laimburg.

Forschungs- und Experimentierplattform
Die Infrastruktur, die durch das Projekt entwickelt wird, ist eine Forschungs- und Experimentierplattform, die es ermöglicht, Verfahren zur Aufwertung von Reststoffen zu testen und weiterzuentwickeln. Diese Infrastruktur schlägt eine Brücke zwischen angewandter Forschung und möglichen industriellen Anwendungen. "Viele pflanzliche Reststoffe enthalten verborgene Ressourcen wie Moleküle und Verbindungen von großem Interesse. Das Problem bestand bisher nicht nur darin, ihren Wert zu erkennen, sondern über eine Struktur zu verfügen, die dieses Wissen in Verarbeitungsprozesse und Produkte umsetzen kann. Genau um diese Lücke zu schließen, wurde das Projekt ins Leben gerufen", erklärt Alberto Ceccon, Leiter des Labors für NMR-Spektroskopie am Versuchszentrum Laimburg.

Emanuele Boselli, Professor für Önologie an der Fakultät für Agrar-, Umwelt- und Lebensmittelwissenschaften der Freien Universität Bozen und Leiter des Oenolab, koordiniert das Projekt und hebt dessen Bedeutung hervor: "Mit 'ZeroResidue' wollen wir zeigen, dass agroalimentäre Reststoffe dank eines multidisziplinären Teams vollständig verwertet werden können – anders als bei herkömmlichen Ansätzen, die oft nur einzelne Nebenprodukte betrachten. So lassen sich neue Moleküle, Inhaltsstoffe und Materialien zurückgewinnen, die eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft ermöglichen."

Vom Reststoff zum Extrakt: vielfältige Anwendungsmöglichkeiten
Der methodische Ansatz des Projekts basiert auf einer vollständigen Verwertung pflanzlicher Abfälle, um Umweltbelastungen zu reduzieren und neue Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen. Ein besonderer Fokus des Projekts liegt auf der Gewinnung von Extrakten, die in den Bereichen Lebensmittelproduktion, Önologie, Kosmetik und Biomedizin eingesetzt werden. Denkbar sind beispielsweise Extrakte aus Apfelblüten für die Kosmetikindustrie sowie Ballaststoffe, Vitamine oder pflanzliche Öle, die als natürliche Konservierungs- oder Farbstoffe eingesetzt werden können. Zudem können daraus auch Nahrungsergänzungsmittel hergestellt werden, die sich positiv auf Gesundheit und Wohlbefinden auswirken. Auch Biostimulanzien für eine nachhaltigere Landwirtschaft können aus pflanzlichen Abfällen gewonnen werden. Der verbleibende Biomasseanteil nach Durchführung der Extraktion soll energetisch genutzt werden, um den Verwertungskreislauf vollständig zu schließen.

Ein weiteres konkretes Beispiel für das Potenzial pflanzlicher Reststoffe liefert das bereits laufende und von der Fondazione Caritro geförderte Projekt "SUSTAIN", das ebenfalls vom Versuchszentrum Laimburg und der Freien Universität Bozen durchgeführt wird. Das Forschungsteam untersucht die Verwertung von Traubentrestern und extrahiert aus ihnen sogenannte Polyphenole. Diese Inhaltsstoffe können dazu beitragen, das Fortschreiten neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer zu verlangsamen. Polyphenole kommen in den Trestern – also im Reststoff – zu höheren Anteilen vor als im Fruchtfleisch der Trauben oder im Wein selbst. Am Beispiel von "SUSTAIN" zeigt sich so eindrucksvoll, welche bisher ungenutzten Potenziale in pflanzlichen Reststoffen stecken.

Weitere Informationen:
www.laimburg.journal.it

Erscheinungsdatum:

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