Wer mit Rien Veraart spricht, merkt schnell, dass er sich in erster Linie als Erzeuger versteht. "Ich bin selbst draußen auf dem Feld, mit den Stiefeln im Matsch. Dort sieht man, wo die Probleme liegen", sagt er. Diese Kombination aus Pflanzenanbau und 30 Jahren Erfahrung im internationalen Handel mit Industriegemüse prägt die bodenständige Herangehensweise von Veraart Agri in den Niederlanden.
© Veraart Agri
Mit einem vierköpfigen Team ist das Unternehmen in einer unbestreitbaren Nische tätig: dem Ergänzungsmarkt zwischen großen Vertragslieferanten und Verarbeitern mit akuten Engpässen. Veraart Agri beliefert Konservenfabriken, Kühlhäuser und Trocknungsanlagen in ganz Europa, wobei der Schwerpunkt auf Mittel- und Westeuropa liegt. "Wir sind kein Volumenhändler. Wir springen ein, wenn es Lücken gibt."
Klein bleiben, um schnell reagieren zu können
Rien gründete sein Unternehmen 1994 und eröffnete ein Jahr später eine Niederlassung in der Tschechischen Republik, die nach wie vor eine Drehscheibe innerhalb der Organisation ist. Trotz seiner internationalen Präsenz ist das Unternehmen bewusst klein geblieben. "Die großen Akteure arbeiten nur mit großen Mengen. Sie haben kein Interesse an ein oder zwei Lkw-Ladungen. Genau hier schaffen wir einen Mehrwert", sagt er.
Die Arbeit ist volatil und stark saisonabhängig. "Entweder man rennt herum oder man steht still." Im Sommer konzentriert sich das Unternehmen hauptsächlich auf Gewürzgurken und Paprika; im Winter kommt der Handel aufgrund von Wartungsarbeiten in den Fabriken oft zum Erliegen.
Der Markt schwankt je nach Produkt
Das Sortiment besteht hauptsächlich aus Karotten, Pastinaken, Steckrüben und Knollensellerie, aber die Marktsituation variiert je nach Produkt erheblich. Pastinaken sind relativ stabil, und Karotten sind derzeit reichlich vorhanden, könnten aber später in der Saison knapp werden. Knollensellerie befindet sich in einer schwierigen Lage. "Es wurde etwa 20 % mehr angebaut, was zu niedrigen Preisen geführt hat", erklärt Rien. Auch das Verbraucherverhalten spielt eine Rolle: "Jüngere Generationen kaufen weniger."
Rien sieht auch eine Veränderung in der Ernährung Osteuropas. "Vor zehn Jahren aßen die meisten Menschen lokale, saisonale Produkte. Jetzt muss alles das ganze Jahr über verfügbar sein. Das hat erhebliche Auswirkungen auf den Anbau und den Handel", sagt er.
Bindeglied in der Kette
Veraart Agri fungiert als Bindeglied zwischen Überschuss und Mangel. "Die Erzeuger rufen an, wenn sie einen Überschuss haben, die Verarbeiter, wenn es einen Mangel gibt. Manchmal muss eine Charge innerhalb von 14 Stunden am richtigen Ort sein." Dabei ist Qualität von größter Bedeutung. "Das Aussehen ist weniger wichtig, aber Frische und Geschmack umso mehr", sagt Veraart.
Er fügt hinzu, dass Erfolg von Schnelligkeit, Zuverlässigkeit und fairem Handel abhängt. Die Position der Erzeuger ist für Rien entscheidend. "Es ist viel Geld im Umlauf, aber zu wenig bleibt bei den Erzeugern." Er versucht, anders zu arbeiten, indem er Chancen in Zeiten der Knappheit nutzt und diese an die Erzeuger weitergibt.
Rien baut auf etwa 60 Hektar Produkte wie Brombeeren, Kartoffeln, Zwiebeln und Knollensellerie an. Diese Vielfalt ist bewusst gewählt. "Man muss ständig zwischen Ertrag, Preis und Risiko abwägen", erklärt er.
Laut Rien gibt es keine einfachen Lösungen für die strukturellen Probleme. "Komplexe Fragen haben keine einfachen Antworten." Eines weiß er jedoch mit Sicherheit: "Ohne faire Preise für die Erzeuger gerät letztlich die gesamte Kette unter Druck."
Weitere Informationen:![]()
Veraart Agri
Langeweg 3
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