Felix Schmidling, Bio-Wertschöpfungskettenmanager bei Franken-Gemüse Knoblauchsland eG:

"Es war abzusehen, dass das Nachfragehoch, das während Corona herrschte, nicht gehalten werden kann"

Im Dezember 2020 gab die Erzeugergenossenschaft Franken-Gemüse Knoblauchsland eG aus Nürnberg das Projekt "GemüseWert", welches zu 80 Prozent vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft finanziell unterstützt wird, in Auftrag. Das Projekt befasst sich mit dem bio-regionalen Gemüseanbau und dessen Vermarktung. Mit dem Projektleiter und Bio-Wertschöpfungskettenmanager von Franken-Gemüse Felix Schmidling sprachen wir über die Entwicklung des Projekts. 


Felix Schmidling auf der Biofach-Messe 2022

"Vom Erzeuger bis hin zum Teller versuchen wir möglichst alle mitzunehmen. Verbraucher*innen erreichen wir etwa über die Nürnberger Stadt(ver)führungen, bei denen sich 20-30 Besucher die Gewächshäuser anschauen. Dabei soll gezeigt werden, welche Mehrarbeit tatsächlich hinter dem Bio-Anbau steckt, gerade was das Schädlingsmonitoring betrifft und generell welche anbautechnischen Besonderheiten benötigt werden", so Schmidling.

Zehn Prozent des Gesamtumsatzes durch Bio-Produkte
Der Bio-Bereich mache ca. zehn Prozent des Gesamtumsatzes der Erzeugergenossenschaft Franken-Gemüse Knoblauchsland eG aus. Von den 45 Produktionsbetrieben sind sechs auf den Bio-Anbau fokussiert, während sich zwei weitere Betriebe in der Umstellungsphase befinden. Schmidling: "Um den Betrieben eine geeignete Plattform zum Austausch, Beratung, zur Vorfinanzierung und Vermarktung zu ermöglichen, haben wir im Juni 2022 die Ausgründung einer gesonderten Franken-Gemüse Bio eG abgeschlossen."

"Die Umstellung gestaltet sich in den ersten zwei Jahren recht schwierig, da man hierbei unter anderem den Dünger umstellen muss und der Boden zudem noch Rückstände von vorher benutzten Düngemitteln aufweist. Zumal es sich um eine vollkommen andere Anbaumethode handelt. Die Vermarktung muss dabei ebenfalls alterniert werden. Es braucht schlichtweg seine Zeit, bis man sicher Umsätze erzielen kann. Eine weitere Herausforderung besteht darin, die gesamte Saison überstehen zu können. Das Anbaufenster ist auch etwas kürzer als im konventionellen Bereich, weshalb man sich auch frühzeitig um ein breites Sortiment kümmern oder sich für ein Nischen-Produkt entscheiden muss", sagt Schmidling. 


Zu Besuch im Tomatengewächshaus von Patrick Lilli (Höfler GbR Bio-Gemüse), einem Demeter-Betrieb. Bild: Franken-Gemüse/Felix Schmidling 

Zu den Topsellern im Bio-Bereich gehören unter anderem Tomaten, Suppengrün und Rote Beete, wobei die letzten beiden Produkte ganzjährig angeboten werden genauso wie Kresse, Blattspinat und Salate. "Es war abzusehen, dass das Nachfragehoch, das während Corona herrschte, nicht gehalten werden kann. Die Bio-Umsatzzahlen sind zwar dieses Jahr um etwa 45 % niedriger als noch im Corona-Jahr 2020 aber dennoch um 12 Prozent höher als im Vor-Corona-Jahr 2019. Der anhaltende Umsatzzuwachs für Bio im LEH ist demnach noch klar erkennbar.“

Außer-Haus-Verpflegung aktuell schwierig
Zu den Topsellern im Bio-Bereich gehören unter anderem Tomaten, Suppengrün und Rote Beete, wobei die letzten beiden Produkte ganzjährig angeboten werden genauso wie Kresse, Blattspinat und Salate. "Es war abzusehen, dass das Nachfragehoch, das während Corona herrschte, nicht gehalten werden kann. Die Zahlen sind dieses Jahr um etwa zehn Prozent geringer und liegen im einstelligen Bereich, also merklich unter dem Vor-Coronaniveau. Gerade die Außer-Haus-Verpflegung gestaltet sich recht schwierig, wobei in diesem Sektor das Interesse an regionaler Ware zugenommen hat", weiß Schmidling. Um Letzteres zu gewährleisten, seien hierfür die Zertifikate "Geprüfte Qualität Bayern" sowie das "Bayerische Bio-Siegel" vonnöten, womit gekennzeichnet wird, dass sowohl die Produktion als auch die Verarbeitungsschritte in Bayern stattfinden. 

"Viele unserer Erzeuger, die sich in der vierten oder fünften Generation befinden, kennen wir schon lange. Mit manchen von ihnen arbeiten wir sogar schon seitdem es die Genossenschaft gibt, also seit 1972, zusammen. Dieser direkte Draht zu ihnen ist uns wichtig. Außerdem liegt uns viel daran, dass die Flächen den Familienbetrieben gehören und keine großen Konzerne dahinterstehen."


Der ALP-Stand auf der Biofach 2022. Bild: Franken-Gemüse/Felix Schmidling

Zukunft ungewiss
Das Interesse sei an für sich gegeben. Die Schwierigkeit liege aber an der Umsetzung, so Schmidling. "Bei städtischen Einrichtungen ist man an bestimmte Ausschreibungen gebunden. Die Bereitschaft und der Umstellungswille bei den Gemüsebaubetrieben ist da. Natürlich besteht in diesem Bereich auch eine gewisse Flächenkonkurrenz zu anderen Betrieben. Künftig wird es hinsichtlich der Düngepreise schwieriger, weshalb sich Betriebe Sorgen über einen potenziellen finanziellen Notstand machen. Jedoch merken auch viele, dass der Bio-Anbau nachhaltig ist und langfristig die Bodenfruchtbarkeit sichert." 

"Hinzu kommt, dass man in den ersten zwei Jahren der Umstellung die Bio-Ware noch nicht als solche verkaufen darf. Das heißt, dass man sie weiterhin als "konventionelle" Ware deklarieren und entsprechend zum niedrigeren Preis verkaufen muss, wobei der Naturkosthandel die Ware zwar zum Teil schon nach einem Jahr als Bio-Ware in Umstellung bezieht."

50-jähriges Jubiläum Ende Juli
Die Erzeugergenossenschaft Franken-Gemüse Knoblauchsland eG aus Nürnberg feierte in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen und zelebrierte dies mit den Geschäftsführern, Personen aus der Stadtpolitik, dem Bauernverband sowie den Mitgliedern und ihren Familien. 

Weitere Informationen:
Felix Schmidling
Franken-Gemüse Bio eG
Bio-Wertschöpfungs­ketten­management
Tel: 0911 93483-25
Handy: 0151 74593894
Fax: 0911 93483-16 
schmidling@gemuesewert.de 
https://gemuesewert.de/ 


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