Joachim Stracke, Fruit Retail Consulting:

"Das Potential der Obst- und Gemüseabteilung wird oftmals nicht voll ausgeschöpft"

"Klassiker wie Avocado bieten nach wie vor eine Menge Potenzial und werden - trotz der politischen Debatten darum - sich auch noch stark erweitern. Auch im Convenience- und ToGo-Bereich wird noch viel kommen. Beispielsweise war geschnittenes und gekühltes Gemüse lange Zeit in Deutschland kein Thema, stößt aber auf mehr und mehr Nachfrage," sagt Joachim Stracke (rechts im Bild), der seit 35 Jahren im Lebensmitteleinzelhandel mit dem Fokus auf den Vertrieb von frischem Obst und Gemüse tätig ist. Zum 1. Mai 2021 hat er sich als Unternehmensberater für den Obst- und Gemüsehandel selbstständig gemacht. Zwischenzeitlich führte Stracke zehn Jahre lange sein eigenes Obst- und Gemüsefachgeschäft, woraufhin er 14 Jahre bei Edeka im Obst & Gemüse-Vertrieb tätig war. Mit uns sprach der Unternehmensberater über die aktuelle Lage und Trends im Einzelhandel. Er sieht noch viel Potential in den Obst- und Gemüseabteilungen, das oftmals nicht voll ausgeschöpft wird.

Preis und Wertschätzung von Waren
"Die preisliche Wertschätzung der deutschen Verbraucher für hochwertige Lebensmittel und somit auch für Obst und Gemüse lässt vielfach noch zu wünschen übrig. Es gibt einige Waren, die erst gar nicht auf den deutschen Markt gelangen, da hier die erforderlichen Preise nicht akzeptiert werden. Der asiatische Markt, insbesondere China, birgt hier für viele Produzenten wesentlich höheres Potential. Der deutsche Handel und die Verbraucher müssen einfach auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt werden." Stracke findet es schwierig, dass Vieles nur noch über den Preis verhandelt wird. "Der hohe Preisdruck aus dem Handel zwingt manche Betriebe in die Knie. Hinzu kommen die unterschiedlichen Anforderungen der verschiedenen Handelsketten an die Produkte."

Regionalität, Nachhaltigkeit und Bioware 
Stracke spricht ferner von einem Balanceakt zwischen der Nachfrage nach hochwertiger regionaler Bioware einerseits und günstiger Preiseinstiegsware andererseits. "Hierbei spielen der Preis und die Saisonalität eine tragende Rolle für die Kunden. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie nachhaltig etwa die Produktion von Wassermelonen und vor allem von Avocados in puncto Wasserverbrauch tatsächlich ist", so Stracke.

Online-Handel gewinnt an Bedeutung
"Die Lebensmittel Online-Lieferdienste werden vom stationären Handel als Mitbewerber oftmals noch stark unterschätzt", sagt Stracke. "Anbieter aus dem europäischen, aber auch außer-europäischen Markt wie etwa den USA haben für das kommende Jahr bereits Einiges angekündigt. Wichtige Themen für die Branche werden aber auch die Sicherung der Warenverfügbarkeit, Vertical Farming und vor allem der Mangel an qualifizierten Fachkräften sein."

Intelligentes Packaging und Plastikverzicht
"Vor Corona waren Verpackungen in Bezug auf Nachhaltigkeit mit Abstand das meistdiskutierte Thema überhaupt. Anfragen kamen hierzu sowohl von Verbraucherseite als auch aus den Märkten. Dann ist es relativ ruhig geworden." Das Thema "Intelligentes Packaging" muss jetzt stark vorangetrieben werden, erwähnte Stracke. Gemeint sind damit vielseitige Verpackungen, die sowohl gegen Food Waste als auch gegen die Kontamination der Ware eingesetzt werden können.

Generell sei der Verzicht auf Folien so ohne Weiteres noch nicht möglich, was sich am Umgang mit Produkten wie den Gurken zeige: "Es gibt einige Unternehmen, die sich erst gegen die Folie ausgesprochen haben und anschließend zurückgerudert sind. Denn wenn die hiesige und die holländische Saison beendet sind und man Gurkenlieferungen aus anderen Ländern beziehen muss, die dann 3-4 Tage unterwegs sind, entsteht ein Vielfaches an Food Waste, sodass auf Folien noch nicht verzichtet werden kann. Wir müssen intelligente Verpackungen schaffen, die recyclebar sind, uns aber auch daran orientieren, was politisch gegeben und gewollt ist." Stracke verweist darauf, dass es bereits kompostierbare Verpackungen gäbe, hierfür aber die gesetzlichen Rahmenbedingungen beim noch nicht bereitstünden. "Da hinkt das System der Realität hinterher, da neue, intelligente Produkte daran gehindert werden, auf den Markt zu kommen."

Weitere Informationen: 
fruit RETAIL consulting
Joachim Stracke
Am Schieferstollen 17
57399 Kirchhundem
Telefon: +49 151 12 62 78 92
kontakt@stracke-consulting.de 
https://stracke-consulting.de 


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