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Dr. Kristian Moeller, Global G.A.P.

"Klimawandel, Biodiversität und soziale Gerechtigkeit sind die drei großen Themen der Zukunft"

700 Produkte und über 200.000 Erzeuger in mehr als 135 Ländern fallen unter eine GLOBALG.A.P.-Zertifizierung. Dr. Kristian Moeller gehört seit der Gründung vor 20 Jahren zur Führung der FoodPLUS GmbH, das Unternehmen hinter dem Standard. Er unterhielt sich mit uns über bisherige Erfolge und zukünftige Ziele von GLOBALG.A.P.

Wie viele Erzeuger sind in Deutschland GLOBALG.A.P. zertifiziert?   
Kristian Moeller: "In Deutschland haben wir insgesamt 5.425 Erzeuger, die GLOBALG.A.P. zertifiziert sind. Sie sind primär in der Obst- und Gemüsebranche, aber auch im Gartenbau für Blumen und Zierpflanzen tätig. Ein Teil dieser Gruppe ist ebenfalls über das gebenchmarkte QS-GAP-System zertifiziert. Dabei sind die Top 3 der Produkte bezogen auf die Anzahl der zertifizierten Betriebe in Deutschland Kartoffeln, Kirschen und Pflaumen."

Rechts: Dr. Kristian Moeller

Welche Trends konnten Sie beobachten bzw. welchen folgen Sie vielleicht sogar?
"Das ganz große Thema ist, dass wir nach 20 Jahren Zertifizierung von Obst- und Gemüseerzeugern vom B2B-(Business to Business) zum B2C-(Business to Customer) Bereich übergehen. Vor Kurzem ist unser B2C-Label in Portugal auf den Markt gekommen. Die Chain of Custody-Standards sowie das Programm GRASP bilden wiederum zusammen ein großes Thema für das Lieferkettengesetz ab. Wichtig ist es uns aber auch, uns mehr mit den Themen Biodiversität und Wasserversorgung bzw. -verwendung auseinanderzusetzen, wodurch wir ganzheitlicher arbeiten können. Zudem entwickeln wir unser IT-System, um auch Kosten für die Erzeuger reduzieren zu können."

Welche Hürden bestehen Ihrer Meinung nach noch?
"Digitalisierung ist bei GLOBALG.A.P. per se zwar keine unüberwindbare Hürde. Dennoch versuchen wir das Vertrauen in die digitale Kommunikation über die gesamte Lieferkette zu stärken. Die größte Hürde liegt darin, aussagefähige Informationen über die Produktionsprozesse effizient zu sammeln, vertrauensvoll zu speichern und mit Einwilligung der Eigentümer der Daten gegebenenfalls weiterzugeben, um anschließend die Wirksamkeit unserer Standards in den Märkten belegen zu können." 

In welchen Ländern ist es besonders schwierig, GLOBALG.A.P.-Zertifizierungen durchzuführen?
"In Ländern, in denen die grundsätzliche Infrastruktur für Frischwaren fehlt bzw. die Ware grundsätzlich nicht geliefert werden kann, ist es sehr schwierig. Bei fehlender, neutraler Kontrolle und mangelndem Vertrauen in den Rechtsstaat ist privatwirtschaftlich organisierte Zertifizierung eine Herausforderung. Es gibt auch Länder, in denen Auditor*innen - abgesehen von Corona -  gefährdet werden sein können. Das sind zum Beispiel Länder, in denen es aktive kriminelle Strukturen gibt. Doch auch in zentral regierten Ländern kann es teilweise zu Komplikationen kommen, weil etwa die Unabhängigkeit der Staatsgewalten fehlt." 

Welche Herausforderungen werden Ihrer Meinung nach in der Zukunft die größten sein?
"Klimawandel, Biodiversität und soziale Gerechtigkeit sind unsere drei großen Themenfelder. Damit einhergehend müssen Maßnahmen geschaffen werden, die faire Shared Value-Prinzipien in der Lieferkette ermöglichen. Und zwar nicht nur für heute, sondern auch für die nächsten Generationen. Dabei müssen auch wir versuchen, die Kosten der Zertifizierungen so zu gestalten, dass sie fair bleiben. Unsere große Vision ist, dass die Erzeuger in die Lage versetzt werden, ihren Beitrag für die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, der SDGs, so glaubwürdig zu dokumentieren und zu beweisen, dass sie dafür letztendlich dann auch ihre Anerkennung bekommen." 

Aber werden dadurch Betriebe nicht benachteiligt, die nicht die Möglichkeit haben, sich zertifizieren zu lassen?  
"Wir versuchen, zusammen mit Organisation wie der GIZ oder USAID für alle Betriebe Programme zu finden, um ihnen zu helfen, passende Trainings, Förderungen, Investitionen zu erhalten. Wir erlauben den Erzeugern, an einen großen, das heißt globalen Markt zu liefern, wodurch auch neue Möglichkeiten entstehen. Wir übersetzen die Anforderungen der Verbraucher in den Märkten in gute Agrarpraxis. Dadurch ist eine Einheitlichkeit gegeben, die einer besseren Orientierung dient. Das allein triggert schon viele nationale Investitionen."

Was denken Sie über das Lieferkettengesetz?
"Ich finde es grundsätzlich gut, dass die Gesellschaft mehr Verantwortung übernehmen soll, insbesondere, dass es vereinheitlicht und nicht nur auf dem Rücken von Importeuren ausgetragen wird. Privatwirtschaftliche Standards sollen diese Rückverfolgbarkeit klarstellen. Das Problem ist aber, dass manche Geschäftsmodelle das nicht zulassen. Verantwortungsvolle Einkäufer und Unternehmen machen es richtig. Der Wandel wird durch mehr Transparenz und Datenaustausch kommen. Wir haben die Strukturen in der O+G und Blumenbranche gut aufgestellt. Meine persönliche Meinung - nicht die der Organisation - ist, dass wir eine Entkopplung der Preise brauchen. Es gibt den mengen- und qualitätsbezogenen Marktpreis, der sich ergeben muss, damit keine Verschwendung stattfindet. Das heißt, dass ich für Aktivitäten, die soziale Aspekte, Klimaschutz, Bio-Diversität, etc. fördern, über eine andere Art und Weise die Gesellschaft entlohnen kann. Hierfür brauchen wir einen intelligenten und nachhaltigen Produktmechanismus." 

Weitere Informationen:
Dr. Kristian Moeller
FoodPLUS GmbH
Spichernstraße 55
50672 Köln
Tel: +49 221 57776 -0
Fax: +49 221 57776 -1999
Web: www.globalgap.org 
E-Mail: info@globalgap.org


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