Phillippe Kahn (Herbafrucht GmbH) zur Geschäftsübernahme und heutigen Kräuterbranche

"Wir versuchen aus Nachhaltigkeitsgründen, zunehmend auf Flugware zu verzichten"

Bereits seit fast 20 Jahren gilt die Herbafrucht GmbH als Spezialhändler für frische Schnittkräuter in der Münchener Großmarkthalle. Am 1.2.2021 übergab Firmengründer und Geschäftsführer Georg Steinkeller den Staffelstab an den langjährigen Angestellten Phillippe Kahn. Wir sprachen mit dem neuen Mann am Ruder über die Entwicklung der Kräuterbranche, den Großhandel in Zeiten von Corona und den einheimischen Saisonauftakt. 

Trotz der Pandemie blickt Herr Kahn recht positiv auf die ersten Monate nach der Staffelübergabe zurück. "Die äußeren Umstände machten die Übernahme denkbar schwierig. Weil das Geschäft corona- und saisonbedingt relativ ruhig war, konnten wir uns allerdings voll und ganz auf die betriebsinternen Abläufe konzentrieren. Hätte die Übernahme im Winter während unserer Hauptsaison stattgefunden, wäre das durchaus schwieriger gewesen."


Phillippe Kahn und Verkäuferin Marie im Büro. 

Weiteres Exportpotenzial vorhanden
Seit der Firmengründung im Jahre 2002 entfiel etwa zwei Drittel der Umsätze auf das Geschäft mit Kräutern, ergänzend befasste sich Herbafrucht mit dem Handel von italienischen Salaten. Letztere Sparte wird nun durch Herrn Steinkeller unter dem Namen Giocola e.K. selbstständig weitergeführt. Kahn: "Der Kräuterhandel hat meines Erachtens immer noch viel Entwicklungspotenzial. Durch die günstige zentrale Lage und die breite Angebotspalette des Münchner Großmarktes sind wir auch eine wichtige Anlaufstelle für österreichische, norditalienische und osteuropäische Großhandelskunden."

Umschwung von Importen auf heimische Kräuter
Nichtsdestotrotz hat sich laut Herr Kahn im letzten Jahrzehnt vieles geändert. "Wir sehen aus Nachhaltigkeitsgründen eine ganz starke Tendenz hin zur regionalen Ware. Ursprünglich haben wir vermehrt  Flugware aus Asien und Afrika angeboten, zu dem Zeitpunkt waren Qualität und Preis oberste Priorität. Mittlerweile setzen wir im Sommer überwiegend auf deutsche Kräuter, vorzüglich aus regionalem Anbau. Ergänzend beziehen wir italienische und spanische Chargen, versuchen aber zunehmend auf Flugware zu verzichten."

In den letzten Jahren hat die deutsche Schnittkräuterproduktion rasant aufgeholt. Es wird sogar zunehmend Ware nach Österreich und Norditalien exportiert, fügt Kahn hinzu. "Dieses Jahr war der Saisonauftakt aufgrund des Kälteeinbruchs etwas schleppend. Sämtliche Kräutersorten sind zwar aus heimischer Produktion verfügbar, allerdings nur in beschränkten Mengen, weshalb wir gerade bei den marktüblichen Varietäten auf Importware zugreifen müssen", schildert Herr Kahn.

Fehlende Planungssicherheit
Das derzeitige Großmarktgeschäft wird nach wie vor durch die andauernde Coronakrise überschattet. Kahn: "Der Wegfall der Gastronomie hat bei uns zu einem spürbaren Umsatzeinbruch geführt. Uns war zuvor gar nicht mal so bewusst, wie groß der Umsatzanteil der Gastronomie ist." Im Gegensatz zum ersten Lockdown habe man sich während der zweiten Lockdownphase der Lage anpassen können. "Aufgrund fehlender Planungssicherheit haben wir unsere festen Programme erheblich zurückgeschrumpft, sodass wir flexibel auf die Marktentwicklungen reagieren können."

Entwicklung zum Service-Dienstleister
Trotz der aktuellen Ausnahmesituation sieht Herr Kahn der Zukunft überwiegend positiv entgegen. "Die klassische Laufkundschaft ist nach wie vor zahlreich in der Großmarkthalle präsent und ich glaube nicht, dass sich dieses bewährtes Modell durch Corona ändern wird. Sowohl Vollsortimenter als auch Spezialhändler haben aus meiner Sicht eine klare Daseinsberechtigung am Großmarkt. Das heißt, wir setzen nach wie vor verstärkt auf Kräuter, beziehen aber auch ergänzende Artikel von unseren ausländischen Lieferanten, etwa Hülsenfrüchte aus Ostafrika oder Gemüse aus Italien. Darüber hinaus bieten wir unseren Kunden eine zusätzliche Service-Dienstleistung, in der wir stellvertretend Ware am Großmarkt einkaufen, damit man die vollständige Palette über uns beziehen kann."

Weitere Informationen:
Herbafrucht GmbH
Philipp Kahn
Großmarkt München
+49 177 4922432
info@herbafrucht.de 
https://www.herbafrucht.de/ 


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