Ankündigungen

Stellenbörse

Top 5 -Gestern

Top 5 -letzte Woche

Top 5 -im letzten Monat

Sind Gemüse-Wohnungen die Zukunft?

Die am dichtesten bevölkerte Insel der Welt ist Macau. In diesem chinesischen Staat leben 600.000 Menschen auf 30 km². Damit liegt die Bevölkerungsdichte bei gut 20.000 Menschen pro Quadratkilometer. In den Niederlanden ist diese Zahl wesentlich niedriger. Im Durchschnitt leben dort 500 Menschen pro Quadratkilometer. In Dronten, dem Zentrum von Noordoostpolder ist die Zahl sogar noch geringer, hier teilen sich nur 121 Menschen einen Quadratkilometer. Trotzdem entschloss sich die Firma Staay Food Group kein 3.000 km² Gewächshaus zu bauen, sondern eine viel teurere, vertikale Farm von 900 km². Was inspirierte sie dazu? Und wird vertikale Landwirtschaft global beliebter?



Die Weltpopulation wächst, wir ziehen in die Städte und qualitativ hochwertige, sicher angebaute Lebensmittel werden uns immer wichtiger. Diese Trends kann man nicht ignorieren und sie alle bedeuten das Gleiche: Eine wachsende Nachfrage nach Gemüse, angebaut am oder in der Nähe des Konsumortes. Aber wie ist das realisierbar? Immerhin ist der Platz in den Städten knapp bemessen. Vertikale Anbausysteme werden immer öfter als Lösung angesehen. Indem man in einem kontrollierten Umfeld auf mehreren Ebenen arbeitet, können enorme Mengen von Lebensmitteln auf einer kleinen Oberfläche angebaut werden. Nur minimale Mengen von Wasser und Dünger werden genutzt. Außerdem ist der Anbau sauber, die Möglichkeit einer Verunreinigung ist klein und man braucht kein großes Wissen für Farmen wie diese: Computer errechnen die Werte und passen den Anbau an. Und, vielleicht der wichtigste Punkt, das Klima und Licht wird gänzlich kontrolliert. Die Pflanzen wachsen ohne Einfluss oder Verunreinigungen von außen, und die Produktion ist steril.

Japanische Gärtnereien
In Japan wurden in den letzten Jahren einige vertikale Farmen angelegt. Die Firma Mirai war eine der Ersten. Nach dem Erdbeben und Tsunami im Jahr 2011 sahen sie einen gesteigerten Bedarf an sicheren Lebensmitteln, als die Vorräte klein waren. Sie entschieden sich, in der betroffenen Region eine vertikale Gärtnerei anzulegen. "Wir wollten die Region unterstützen, und zeigen, dass man überall auf der Welt Lebensmittel anbauen kann," sagen die Unternehmer. Seit 2013 bauen sie Salat auf einer Fläche von 2.300 m² an. Dank der 15 Stockwerke auf denen sie arbeiten und der verkürzten Zeit, die der Salat zum wachsen benötigt (30 statt 50-60 im freien Feld), verlassen inzwischen täglich rund 10.000 Salatköpfe die Anlage. Sie werden an Gastronomie und kleine Händler verkauft. Inzwischen haben sie auch einen Standort in Hongkong und zwei kleinere Projekte in der Mongolei: Im Süden der Wüste Gobi und in Ulanbataar.

Containeranbau für regionale Verkäufe
Auch außerhalb von Japan wurden vertikale Farmen gebaut. In den Vereinigten Staaten wurden einige kleinere Projekte gestartet. Unternehmen, die ihren Hauptfokus zwar nicht auf frischen Lebensmitteln oder dem Gartenbau haben, jedoch die Marktlücke erkannten, haben mit der lokalen Produktion von Gemüse begonnen. Sie suchten sich kleine Anlagen in denen sie Salat in Rinnen anbauen oder mit Hilfe von LED-Lichtern in Containern.

Inzwischen wurde eine ganze Industrie ins Leben gerufen. Einige Firmen liefern fertige Container zum Anbau. Einer der bekanntesten Abnehmer dieser Container ist Kimbal Musk, der Bruder des PayPal- und Tesla-Gründers Elon Musk. Kimbal kaufte ganze 20 Anbaucontainer und schreibt online über die Wichtigkeit des lokalen Anbau, sowie des Kontaktes mit dem Konsumenten. Im Jahr 2016 wurde seine Leafy Green Machine in einer Heimpflege-Einrichtung in Deventer aufgebaut. So hat der Anbau von grünem Blattgemüse auch eine soziale Funktion.

Der Containeranbau ist ein ganz anderes Projekt als die vertikalen Farmen, die nun schon seit zwei Jahren Gemüse in großen Mengen produzieren. Die 12 Meter Anbauoberfläche der Leafy Green Machine sind vollkommen unabhängig von einem Projekt, welches letztes Jahr in einem alten Stahlunternehmen in Newark begonnen wurde. Nursery AeroFarms har eine Oberfläche von 0,6 Hektar und ist 9 Meter hoch. So kann Gemüse auf 12 Stockwerken angebaut werden. Die Firma erzeugt mehr als 200 Gemüsesorten: Grünkohl, Bok Choi, Kresse, Rucola, und viele mehr. Der Betrieb erntet die Produkte und sendet sie unter dem Markennamen "Dream Greens" täglich an wichtige Lebensmittelservice-Unternehmen wie The Compass Group, ShopRite, WholeFoods und FreshDirect. Insgesamt beschäftigen sie ungefähr 120 Mitarbeiter.

Teuer und Energieaufwendig?
Ist das die Zukunft des Anbau? Werden wir alle bald nur noch Lebensmittel aus Anbaufabriken essen? "Wie kann eine vertikale Farm den Welthunger beenden? Können wir die Welt nur mit grünem Blattgemüse und Kräutern ernähren?" Diese Fragen wurden im Juni im Laufe des Vertical Farming Congress in Venlo gestellt. Die Teilnehmer sehen dies nicht so. Für den vertikalen Anbau sind Verkäufe ein wichtiger Teil des Unternehmens. "Man muss sein Ziel vor Augen haben, wenn man eine vertikale Farm einrichtet," sagt Jan Westra von Priva. "Baust du von einem sozialen Standpunkt aus an oder geht es darum existierenden Gebäuden neues Leben zu verschaffen? Oder möchtest du Lebensmittel in einer unzugänglichen Region, wie dem Südpol, anbauen? Man kann mit dieser Technik quasi überall Landwirtschaft betreiben, aber es gibt einige Faktoren die entscheiden, ob man Profit machen oder nicht: von Nutzungskosten bis zum Marketing." Niederländische Gartenbaulieferanten stimmen dem zu. Aufgrund der vielen notwendigen Techniken ist vertikaler Anbau ein großes Investment. Aber gerade diese Investition ist eine große Chance, erklärt Marc Kreuger. Er ist für die Innovationen bei Here, There & Everywhere, einem Lieferant für vertikale Anbaumöglichkeiten, verantwortlich. "Weil man die Kontrolle über alles hat und der gesamte Anbau im Voraus berechnet werden kann, kennt man auch den genauen Preis pro Kilogramm, der gebraucht wird," sagt er. Laut seiner Berechnungen ist der Anbau von Tomaten, Gurken und Paprika kommerziell interessant.

Zusätzlich zu Gewächshäusern
Die niederländische Firma Certhon hat auch in den Anbau von Gemüse ohne natürliches Tageslicht investiert. In diesem Sommer haben sie ihre ersten Paprika aus der Anbauzelle Plantyfood geerntet. Certhon ist ursprünglich ein Konstrukteur von Gewächshäusern. "Wir konzentrieren uns auf den Kunden und stellen sicher, dass sie ein profitables System erhalten," sagt Manager Hein van der Sande. "Wir suchen nach der besten Anbaumethode für die jeweilige Region. Manchmal ist es ein Gewächshaus und manchmal ein System ohne Tageslicht. Es kommt auf die Umstände an." Außerdem, sind im viele Gemeinsamkeiten der beiden aufgefallen. "Wenn man sich die Technologien eines Gewächshauses ansieht, mit drei Bildschirmen und Klima-Computern, da ist der Schritt zum Container gar nicht mehr so weit. Der Unterschied ist Glas versus Verbundplatten. Es ist wahr, Sonnenschein ist umsonst, aber in manchen Situationen kann es auch zum Feind werden. Im Nahen Osten, zum Beispiel. Dann muss man Entscheidungen treffen, Kalkulieren, und sich die Wünsche der Kunden ansehen."

Die Firma ist außerdem der wichtigste Auftragnehmer der vertikalen Farm Fresh-Care Convenience in Dronten. In den klimatisierten Räumen wird Salat auf neun Ebenen angebaut. "Es ist die größte Einrichtung dieser Art in Europa, aber bisher nur ein Test-Aufbau," sagt Rien Panneman während des königlichen Besuchs im Juni. "Wenn alles so läuft wie erwartet, werden wir diese Anbaumethode definitiv ausbauen, sowohl regional als auch international. Zunächst haben wir eine Kapazität von 6.000-7.000 Kilo in der Woche, aber es gibt einen Bedarf von 120.000 Kilo. Anfang 2018 werden wir entscheiden ob wir den Anbau ausweiten oder nicht. Andere regionale Anbaubetriebe können sich uns dann anschließen."

Staay Food Group nutzt die vertikale Farm hauptsächlich um sich von der südeuropäischen Produktion unabhängig zu machen. "Aktuell bekommen wir unseren Salat aus Südeuropa für einen Teil des Jahres. Der Nachteil davon sind das unberechenbare Klima und die langen Transportwege. Wenn wir den Salat aus unseren eigenen vertikalen Farmen beziehen, ist er frischer, ohne Pestizide und die Qualität wird stabiler sein. Außerdem ist die Kultivierung nachhaltiger, da der Wasserverbrauch um ein zehnfaches reduziert werden kann. Natürlich können wir auch besser planen. Wenn wir an Tag 1 pflanzen, können wir an Tag 30 ernten. Die ersten Köpfe Lollo Bionda, Lollo Rosso, Rucola und Frisée Salat können schon in diesem Jahr verkauft werden."

Erscheinungsdatum:



Erhalten Sie den täglichen Newsletter in Ihrer E-Mail kostenlos | Klick hier


Weitere Nachrichten in dieser Branche:


Melden Sie sich für unseren täglichen Newsletter an um immer auf dem neusten Stand zu bleiben!

Anmelden Ich bin bereits angemeldet