Vor allem in Polen ist ein enormes Produktionspotential an Äpfeln angebaut. Die EU Apfelproduktion ist im Gegensatz zur durchschnittlichen Produktion in den Jahren 2005 bis 2007 beinahe 20% von 10 auf 12 Millarden Kilo gestiegen.
Der niederländische Baumobstsektor hat gut auf die sich verschlechterende Marktsituation von Äpfel antizipiert, durch mehr in den Anbau von Birnen zu investieren. Die EU Produktion von Birnen hat im Gegensatz zur durchschnittlichen Produktion in den Jahren 2005 bis 2007 mit ca 10% zugenommen.
Preisentwicklung
Die Erzeugerpreise für Äpfel und Birnen sind nach dem Aufruf zum Boykott im Allgemeinen sehr niedrig. Der Preis der wichtigsten Apfelsorten, Elstar und Jonagold, lag in der Saison 2014/15 in Holland ca 35% niedriger als in der Saison vor dem Boykott. Auch im Vergleich zum Dreijahresdurchschnitt blieben die Preise weit zurück. Der Preis der Conference lag am Anfang der Saison sehr tief. Im Frühjahr erholte sich der Preis etwas, wodurch der Wertverlust 5% verglichen mit dem Vorjahr und 20% verglichen mit dem Dreijahresdurchschnitt ausmachte.
Abbildung: EU Produzentenpreise von Äpfeln
Diese Saison (2015/16) ist zum zweiten Mal in Folge die Rede von einer dramatischen Preisgestaltung für Äpfel und Birnen. Der durchschnittliche Erzeugerpreis von Elstar und Conference liegt ca 20 bis 30% unter dem Durchschnittspreis in den drei Jahren vor dem Boykott. Produzenten und Händler, die extra Kosten für Lagerung in Kühlzellen haben, drohen in große finanzielle Probleme zu kommen. Das Obst wird gelagert in der Hoffnung, später in der Saison kostendeckend verkaufen zu können. Am Ende der Saison kann dadurch ein Überschuss an Äpfeln und Birnen entstehen, die dann nicht verkauft werden können. Laut Schätzungen wird als Folge des Boykottes ein Umsatzschaden von 100 bis 125 Mio Euro pro Saison für den holländischen Apfel- und Birnensektor erwartet (Anbau und Handel). .
Absatz
Der Verkauf von holländischen Äpfeln ist hauptsächlich für den inländischen Markt bestimmt. So wird 65% der Ernte durch Holländer konsumiert und ca 30% der Birnenernte. 70% der holländischen Birnen gehen ins Ausland.
Russland war bis zum Boykott ein Großverbraucher von Äpfeln und Birnen aus der EU. Im Jahr 2013 wurde mehr als 800 Mio Kilo Äpfel und beinahe 200 Mio Kilo Birnen importiert. Das ergibt ca 20% des gesamten EU Exportes von Äpfeln und Birnen. Diese Mengen müssen nun andere Ziele finden. Für den holländischen Birnensektor war Russland die Exportbestimmung Nummer 1, mit beinahe 30% des gesamten Exportes. Niederländische Äpfel gingen in kleinerem Maße nach Russland, aber indirekt hat der holländische Apfel sicher Last von dem Boykott. Da verschiedene große Lieferanten wie Polen und Italien keine Äpfel nach Russland exportieren können, verursacht das einen enormen Preisdruck auf den traditionellen Absatzmärkten innerhalb der EU. Polen lieferte im Jahr 2013 mehr als 700 Mio Kilo Äpfel nach Russland. In der jetzigen Saison hat Polen einen Rekord Lagerbestand an Äpfeln.
Laut Statistiken wurden zu Beginn des Boykottes große Mengen aus Weißrussland nach Russland importiert. Das hat in der jetzigen Saison stark abgenommen. Der russische Import von Äpfeln aus Weißrussland betrug im ersten Quartal 2016 nu 56 Mio Kilo gegen 159 Mio Kilo im ersten Quartal von 2015.
Der russische Boykott hat dem Export von niederländischem Obst geschadet. Die Maßnahme hat zu mehr Konkurrenz auf dem europäischen Markt und demzufolge zu einer Preissenkung geführt.
Der Sektor ist aktiv auf der Suche nach neuen Märkten. Seit der Verkündung des russischen Boykottes (Sommer 2014) hat es zu einigen Erfolgen geführt, dank der guten Zusammenarbeit zwischen der Regierung und dem Betriebswirtschaft. China, Brasilien, Vietnam und Indien sind Länder, mit denen Obstexporteure nun Geschäfte betreiben können. Hiermit kann der Export nach Russland jedoch nicht kompensiert werden. Neue Märkte beliefern sind ein langwieriges Unterfangen. Die Exportzahlen von Birnen nach China geben an, dass letzte Saison beinahe 1 Mio Kilo exportiert wurden. Beinahe 95 % des niederländischen Apfelexportes wird in der EU abgesetzt. Bei Birnen handelt es sich um 90%. Diese Saison blieb der gesamte Export von holländischen Birnen bis einschließlich Mitte Mai hinter dem Ergebnis der vorigen Saison. Vor allem der Export nach England und Deutschland war kleiner.
Der noch zu verkaufende Apfelvorrat in der EU war am 1. mail mit beinahe 1,4 Millarden Kilo noch nie so groß wie dieses Jahr. Vor allem in Polen, Italien und Frankreich liegt dieser hoch. Auch bei Birnen handelte es sich am 1. Mai 2016 um einen Rekord EU-Vorrat (150 Mio Kilo). Handelsunternehmen in Holland werden durch die großen Mengen Äpfel und Birnen auf dem EU Markt stark beeinträchtigt. Neben niedrigen Preisen ist nun sowieso sehr schwierig, um Produkte zu verkaufen.
Konsum
Kurz nach der Ankündigung des Boykottes gab es in Holland viel (Medien) Aufmerksamkeit, um vor allem mehr Äpfel und Birnen zu essen. Zusammen mit einem sehr niedrigen Preis (viel Preisaktionen im Handel) hat es hier zu einem erhöhten Konsum von Äpfeln und Birnen geführt. Auch in vielen anderen EU Ländern nahm der Verbrauch zu. Dieser Anstieg war allerdings nur von kurzer Dauer.
Der holländische Verbraucher kauf in der Saison 2014/15 (Sept-Aug) sowohl 16% mehr Elstar Äpfel als 16% mehr Conference Birnen, mit einem deutlichen Anstieg in der Periode September bis Dezember. In Saison 2015/16 kauft der Konsument vor allem in den ersten Monaten der Saison (Sept-Dez) deutlich weniger als im Jahr zuvor: 13% weniger Conference und 13% weniger Elstar. Im ersten Quartal 2016 wurden mehr Aktionen gestartet, wodurch der Verkauf zunahm. Diese Tendenz war in verschiedenen EU Ländern wahrzunehmen.
Quelle: GroentenFruit Huis