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"Deutschland hat den Zeitpunkt sich zu platzieren verschlafen"

Der Apfelkonsum hat sich verändert - Mit verbessertem Sortenmanagement in den Export

Im Rahmen des 5. Deutschen Obst und Gemüse Kongress in Düsseldorf sprach Helwig Schwartau im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit vier Experten aus dem Obstbau und dem Einzelhandel über den globalen Apfelmarkt und die Rolle Deutschlands und der Europäischen Union. Die Teilnehmer der Diskussionsrunde waren Christiane Bell (BayWa AG), Filip Lowette (Belgische Fruitveilling cvba), Stephan Weist (REWE Group Buying GmbH) und Gerhard Dichgans (Verband der Südtiroler Obstgenossenschaften).

Sinkender Konsum in der EU
Zu Beginn der Diskussion stellte Schwartau in einer kurzen Präsentation heraus, dass sich der globale Apfelkonsum in den vergangenen 10 Jahren stark verändert habe. Während in Europa und Nordamerika heute weniger Äpfel konsumiert werden würden, sei der Konsum in den Schwellenländern Asiens oder Afrikas gestiegen. „Der Apfelkonsum in der Europäischen Union sinkt jährlich um 2 Prozent. Dies entspricht einer Menge von rund 150.000 Tonnen Tafeläpfeln“, so Schwartau.


v. l. Stephan Weist, Christiane Bell, Helwig Schwartau, Gerhard Dichgans und Filip Lowette

Deutschland mit Nachholbedarf
Um dem sinkenden Konsum in der EU entgegen zu wirken, sei die Steigerung der Exporte extrem wichtig, so Bereichsleiter des AMI. So exportierten die 28 EU-Mitgliedsstaaten in der Saison 2014/15 insgesamt rund 1,6 Mio. Tonnen. Vor allem die Länder Frankreich und Spanien seien in diesem Bereich die Vorreiter, so der Experte. „Deutschland exportierte in der Kampagne 2014/15 nur rund 64.000 Tonnen Äpfel“, erklärt Schwartau, „Davon gingen rund 58.000 Tonnen an EU-Staaten und lediglich 6.000 Tonnen an Länder außerhalb der EU. Hier gibt es Nachholbedarf.“

Stabile Exportzahlen nach Osteuropa
In diesem Zusammenhang präsentierte der Experte des AMI auch die Exportzahlen der EU-Mitgliedsstaaten. Interessant ist, dass der Export nach Osteuropa trotz des Russlandembargos stabil geblieben ist. Vor allem der Import Weißrusslands ist im Vergleich zu 2013/14 um 350.000 Tonnen Äpfel gestiegen. „Es lässt sich vermuten, dass über die sogenannten 'schwarzen Kanäle' europäisches Obst nach Russland gelangt ist“, so Schwartau.

Dichgans: „Das Sortiment ist für den Erfolg essenziell“
Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion sprachen vor allem über die Zukunft des europäischen Apfelmarktes. So stellte Christiane Bell heraus, dass mit Blick auf die Verkaufszahlen ein kluges Sortenmanagement gefragt sei. Dem pflichtete auch Gerhard Dichgans bei: „Das Sortiment ist für den Erfolg essenziell.“ Mit Blick auf die neuen Märkte in Asien und Afrika erklärt Dichgans: „Wenn wir diese Märkte weiter beliefern wollen, dann müssen wir unser Sortiment umgestalten. Mit den Sorten Gala und Golden werden wir nicht die Welt erobern.“ Vorab hatte der Experte des AMI erklärt, dass vor allem die Apfelsorte Gala weltweit sehr beliebt sei und hohe Verkaufszahlen erziele.

Filip Lowette erklärt, dass Belgien nicht mehr den Stellenwert in der europäischen Apfelbranche genießt, wie noch vor einigen Jahren. „Wir hatten bislang nicht die Sorten für den Markt der Südhalbkugel“, so der Belgier, „Aber wir versuchen, unser Sortiment zu verändern.“ In Zukunft, so erklärte der Experte, würde man sich verstärkt nach Alternativen umschauen.



Weist: "Der Konsument ist flexibel"
Für Stephan Weist spielen vor allem die klassischen Marktmechanismen eine wichtige Rolle. „Wenn eine neue Nachfrage in den Schwellenländern entsteht, dann wir auch Ware in diese Richtung gehen“, so Bereichsleiter der REWE-Group, „Die Sortenpräferenz des Konsumenten mag zwar bei Gala liegen, aber dieser ist dort flexibel. Wenn Gala vom Markt verschwindet, dann wird eine andere Sorte interessant.“

Bell: "Deutschland hat den Zeitpunkt verschlafen"
Angesprochen auf die Zugangsmöglichkeit deutscher Äpfel in die neuen Märkte erklärt Christiane Bell: „Die deutschen Äpfel haben eine gute Möglichkeit, welche eigentlich besser nicht sein könnte. Die Liste, wo Deutschland seine Waren platzieren kann, ist lang.“ Mit Blick auf die Exportzahlen habe Deutschland den Zeitpunkt sich zu platzieren jedoch verschlafen.

Weist: "Wir müssen mehr Spaß in die Sache bringen"
Angesprochen auf den Rückgang des Apfelkonsums in Europa erklärt Weist, dass es einer besseren Kommunikation gegenüber dem Verbraucher bedarf. „Unser Obst und Gemüse wir als zu gesund vermarktet. Der Konsum wird mehr als Pflicht angesehen. Er wird mit zu wenig Spaß und zu wenig Genuss assoziiert.“ Hier fordert der REWE-Bereichsleiter eine Umorientierung. „Wir müssen mehr Spaß in die Sache bringen.“


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