Die Spargelsaison gewinnt mit zunehmender Sonneneinstrahlung spürbar an Dynamik. Während die Westhälfte Deutschlands phänologisch bereits deutlich weiter ist als der Nordosten, bremsen aktuell noch sehr niedrige Nachttemperaturen die Entwicklung. Relevante Erntemengen stammen daher bislang vor allem aus mehrfach abgedeckten Flächen. Die Situation verändert sich zunehmend. Auch in nördlicheren Regionen starten immer mehr Betriebe mit der Ernte unter einfach abgedeckten Dämmen. Bereits zu Ostern zeigte sich eine solide Nachfrage. Wo erste Mengen verfügbar waren, berichteten Marktteilnehmer von einem insgesamt zufriedenstellenden Geschäft. "Die kommenden Wochen bleiben spannend. Mit weiter steigenden Temperaturen dürfte die Saison nun flächendeckend an Fahrt aufnehmen", geht aus einem AMI-Update hervor.
© Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer e.V.
Die diesjährige Saisoneröffnung im Land Niedersachsen fand diesmal auf dem Hof Löscher statt.
Niedersachsen:
Auch in Niedersachsen begann die Spargelernte etwas früher als im Vorjahr. War die Nachfrage nach Spargel in 2022 aufgrund der Nachwirkungen der Corona-Pandemie sowie allgemein gestiegener Kosten eher verhalten, zeigt der Trend für das Edel-Gemüse seit 2023 wieder nach oben. Die Nachfrage im Vorjahr war gut und die verfügbare Spargelmenge eigentlich eher immer knapp. Übermengen, die zunächst keine Abnehmer fanden, gab es kaum. Großer Kostenpunkt für die Betriebe bleiben auch in diesem Jahr der gestiegene Mindestlohn sowie die gestiegenen Energiekosten. Es ist daher davon auszugehen, dass die Anbaufläche und die Zahl der Anbaubetriebe weiter sinken wird.
In Niedersachsen wurden 2025 auf 3.828 Hektar ertragsfähiger Fläche 19.654 Tonnen Spargel gestochen. Dies geht aus Erhebungen des Landesamtes für Statistik Niedersachsen (LSN) hervor. Die ertragsfähige Fläche verringerte sich, dem Trend der zurückliegenden Jahre entsprechend, demnach erneut um 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Entwicklung wirkte sich deutlich auf die niedersächsische Spargelernte aus, die im Vergleich zu 2024 nochmals um 13,1 Prozent niedriger ausfiel. Damit handelte es sich wohl um die niedrigste in Niedersachsen geerntete Spargelmenge seit 2006.
Baden-Württemberg:
Auch die Spargelbauern in Baden-Württemberg spüren den Druck. Doch hier haben sie selbst mehr Handlungsspielraum, die Kosten weiterzugeben: Zum Saisonstart sind die Preise für das Frühlingsgemüse in Heilbronn-Franken etwas höher als im vergangenen Jahr, erklärt Jürgen Maurer, Vorsitzender des Bauernverbands Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems. "Die Energie, alles wird teurer. Der Mindestlohn wird bezahlt. Das sind alles Dinge, die Einflussfaktoren auf den Spargelpreis sind, und insofern ist es zu erwarten, dass er noch etwas im Preis ansteigt", erklärt Maurer. Auch im Raum Freiburg wurden die Spargelpreise im Vergleich zum Vorjahr erhöht.
Aktuell liegt der Kilopreis bei etwa 20 EUR, eine weitere Steigerung sei möglich. In anderen Anbaugebieten Baden-Württembergs sind die Kostensteigerungen moderater. Maurer erklärt, die Qualität stimme: Mit den wärmeren Temperaturen der kommenden Tage erwartet Maurer eine gute Spargelsaison.
Sachsen-Anhalt:
In Sachsen-Anhalt ist im vergangenen Jahr weniger Spargel geerntet worden als im Jahr zuvor. 2025 brachten die landwirtschaftlichen Betriebe 1.708 Tonnen ein – rund 6 Prozent weniger als 2024, wie das Statistische Landesamt in Halle mitteilte. Rechnerisch konnte damit jede Einwohnerin und jeder Einwohner etwa 804 Gramm regionalen Spargel essen. Insgesamt lag die Ernte auch unter dem Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre.
Ein Grund für das geringere Angebot: Die Anbauflächen schrumpfen seit Jahren deutlich. 2025 standen noch 317 Hektar im Ertrag - etwa halb so viel wie 2015. Weitere 68 Hektar waren noch nicht erntereif. Die Erträge pro Fläche fielen allerdings zuletzt überdurchschnittlich hoch aus. Im Schnitt wurden 53,9 Dezitonnen pro Hektar gestochen - deutlich mehr als im langjährigen Mittel.
Hessen:
Bei der offiziellen Eröffnung der hessischen Spargelsaison gemeinsam mit der neuen Hessischen Spargelkönigin Elena I. und Profikoch Stefan Pappert sagte der Regierungschef am 9.4.: „Der Spargelanbau ist für die hessische Landwirtschaft ein ganz wichtiger Faktor. Spargel ist das wichtigste Freilandgemüse in Hessen. Wer sich für den heimischen Spargel entscheidet, stärkt nicht nur die eigene Küche, sondern auch die Familien, Felder und Dörfer, die unser Land prägen." Rhein fügte auf dem Landwirtschaftsbetrieb der Familie Benz in Darmstadt-Arheilgen an: „Die hessischen Spargelbauern leisten großartige Arbeit unter erschwerten Bedingungen. Höhere Erzeugungskosten, gestiegene Mindestlöhne und strengere Auflagen sind Herausforderungen, die sie meistern müssen."
Mecklenburg-Vorpommern:
Am 8. April fand der offizielle Spargelanstich in Mecklenburg-Vorpommern statt: Die Spargelsaison 2026 beginnt mit gewissen Herausforderungen. "Im vergangenen Jahr wurden in Mecklenburg-Vorpommern auf rund 132 Hektar etwa 550 Tonnen Spargel geerntet. Gleichzeitig steigen die Produktionskosten – insbesondere durch höhere Löhne, Energie- und Betriebsmittelpreise – deutlich an", sagte Agrarminister Till Backhaus und sprach von einem strukturellen Anpassungsprozess. Die Spargelernte ist vom Wetter abhängig. Einige Landwirte erwarten, dass nennenswerte Erträge nicht vor dem 15. April zu erwarten sind.
NRW:
Mit dem symbolischen ersten Stich ist am 9.4. die Spargelsaison in Nordrhein-Westfalen offiziell eröffnet worden. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Saison sind in diesem Jahr günstig. Nach Angaben des Ministeriums rechnen die Betriebe mit einer Erntemenge von rund 17.000 Tonnen bis zum traditionellen Saisonende am Johannistag am 24. Juni. Bereits der vergangene Sommer habe mit moderaten Temperaturen und ausreichendem Niederschlag ideale Wachstumsbedingungen geboten. Auch die Vorbereitung der Felder verlief unter trockenen Bedingungen reibungslos.
Brandenburg:
Beim Gemüse ist der Spargel in Brandenburg wenig überraschend das wichtigste Produkt: 18.700 Tonnen Spargel wurden im Jahr 2025 geerntet. Diese Menge hat sich in den vergangenen 25 Jahren mehr als verdreifacht: Im Jahr 2000 waren es nur 5.700 Tonnen. Einen Höhepunkt gab es im Jahr 2018 mit über 23.000 Tonnen Spargel; seitdem ist die Erntemenge wieder etwas gesunken.
Schleswig-Holstein:
Bei optimalen Bedingungen konnten die Spargelflächen Anfang bis Mitte März von den Spargelbauern im Land Schleswig-Holstein vorbereitet werden. Nach diesem Winter, mit vielen frostigen Perioden, aber nicht überdurchschnittlichen Niederschlägen, trockneten die oft „leichten" Spargelflächen schnell ab. Dadurch konnten Dämme mit feinkrümeliger Struktur geformt werden, die ein schnelles Erwärmen und optimale Wachstumsbedingungen für den Spargel ermöglichen. Der Spargel wächst erst richtig gut bei Temperaturen um zwölf Grad Celsius an der „Triebkrone", also etwa 40 cm unter der Dammoberfläche.
Sachsen/Thüringen:
Vereinzelt gab es zu Ostern schon die ersten gestochenen Spargelstangen – etwa im Altenburger Land in Ostthüringen. Doch so richtig geht es mit der Ernte wohl erst nach Ostern los. "Ich gehe aktuell davon aus, dass wir vielleicht um den 10. April mit Spargel rechnen können. Aber da muss der Wettergott mitspielen", sagt René Heidig vom Nieschützer Spargelhof in Sachsen. Grund seien die kalten Nächte, der Boden brauche noch, bis er aufgewärmt sei.
Im thüringischen Kutzleben rechnet Geschäftsführer Jan-Niclas Imholze ebenfalls mit einem Erntebeginn in der Woche nach Ostern. So sieht es auch Patrick Wolter, Geschäftsführer Agrargenossenschaft Hohenseeden/Parchen in Sachsen-Anhalt. Die Nächte seien noch zu kalt, die Wärme tagsüber gehe im Boden so schnell wieder verloren.
Bayern:
Die Qualität des ersten fränkischen Spargels sei gut. Die Preise seien etwa vergleichbar mit denen vom Vorjahr, sagt Ochs. Bei ihm kosten 500 Gramm fränkischer Spargel je nach Sorte und Größe der Stangen zwischen 7,90 EUR und 9,90 EUR – das sind 15,80 EUR bis 19,80 EUR pro Kilogramm.